Sektion Rosenheim

DAV

des Deutschen Alpenvereins e. V.
   

„Alpiner Basiskurs“ 05.-09.07.2009 – Franz-Senn-Hütte (Stubai)

Bericht: Victoria Schwarz
Kursleiterin: Renate Bielmeier

Blick nach Zermatt

„Warum zoagt ma de Leid ned, wia ma am Berg richtig hi'steigt?“ Diese Frage brachte Renate Bielmeier die Führung des „Alpinen Basiskurses“ ein. So starteten am Sonntag, 05.07.2009, sieben Teilnehmer und Renate zum Basislager „Franz-Senn-Hütte“ in den Stubaier Alpen. Dank Materialseilbahn wurden die mit den schweren Ausrüstungs-gegenständen gepackten Rucksäcke und (Rollkoffer-)Reisetaschen zur Hütte transportiert. Der 1,5 stündige Aufstieg auf die Hütte war somit ein leichter Anfang.

Frisch gestärkt, begaben wir uns am Nachmittag zum ersten Klettersteig. Aus praktischen Gründen nahmen wir den, direkt hinter der Hütte angelegten, „Edelweißklettersteig“. Helm, Sitzgurt und Seilbremse wurden angelegt und los ging es. Dem hindernisreichen Einstieg folgte ein spannender und abwechslungsreicher Steig der Schwierigkeitskategorie C-D. Eine optische Augenweide boten die von der Nachmittagsonne angestrahlten Edelweiß und Türkenbund. Müde fielen wir in unser Lager „Box 12“.

Regen weckte uns am folgenden Morgen und verlangsamte unseren Tatendrang. Gemütliches Frühstück, soweit es die Hüttenzeitvorgabe zuließ, war angesagt. Wir starteten bei nachlassendem Regen gegen 8:30 Uhr unsere Bergtour zur „Rinnenspitze“. Der 3.090 Meter hohe Gipfel, in ca. 3 Stunden erreichbar, war am Ende über eine Treppe aus Tritteisen und Drahtseil zu erklimmen. Die Aussicht, wenn nicht von Wolkennebel verdeckt, wäre sicher bezaubernd.

Die Tagestour zum „Aperen Turm“ (2.986 m) ist landschaftlich idyllisch. Entlang des Bachbettes und den rauschenden Wasserfällen, hinauf auf den Moränenrücken zwischen den „Ferner“ Gletscherausläufern, vorbei an dem stellenweise noch zugefrorenen, eisblauschimmernden Gletschersee, steigt man zum Gipfel auf. Das letzte Hindernis, eine kleine Scharte mit Drahtseilversicherung, war für uns kein Problem mehr. Weniger idyllisch war das Wetter. Regen, Sonne, Wind und Graupelschauer wechselten sich ab, so dass sämtliche Funktionen der Bekleidung auf die Probe gestellt wurden.

Endlich am Mittwoch, schien die Sonne – unsere Chance für eine herrliche Gletschertour auf den „Sommerwandferner“. Steigeisen, Seile, Eisschrauben, Eispickel und Klettergurt wurden eingepackt. Steiler Anstieg, das neue Gewicht im Rucksack und der vierte Kurstag zerrten an mancher Kraft. Belohnt wurde die Mühe beim Blick auf das sonnendurchflutete Schneefeld des Gletschers. Das Anlegen der Ausrüstung und das Bilden der Seilschaften für uns „Gletscherneulinge“ dauerte eine Ewigkeit, so dass das Wetter wieder einmal Gelegenheit hatte, zwischen Sonne und Schneesturm zu wechseln, was dann zum Dauerzustand wurde. So setzen wir im Rhythmus der Natur unsere Mützen, Kapuzen, Handschuhe, Schals, usw. auf/an und ab/aus. Angehängt im Seil, den Pickel in der Hand, marschierten wir unsere ersten Schritte mit den neuen Sohlen, den Steigeisen. Ein neues Gefühl des Miteinanders und Aufeinander achten lernt man innerhalb einer Seilschaft beim Schritttempo und der Weggestaltung.

Spannend wurde das Üben der Benutzung von Eisschrauben und Sicherung mit Pickel, sowie das Bergen des Rucksacks aus der Gletscherspalte. Zum dritten Mal in dieser Woche standen wir auf 3.000 Meter Höhe –ein wenig stolz waren wir schon. Der Abstieg war ein lustiges Erlebnis, denn aufgrund der hohen Schneelage sprangen unsere beiden Seilschaften in großen Sprüngen das Schneefeld hinab. Wir beendeten den Kurs, wie wir begonnen hatten mit einem Klettersteig. Die Kategorie B dieses Steigs, schien uns im Gegensatz zum Einstieg sehr leicht und gemütlich. So seilten wir uns noch am Übungsstein vor der Hütte ab und ließen die Tage bei Sonnenschein auf der Hüttenterrasse und Kaiserschmarrn ausklingen.

Unsere Mannschaft war in den wenige Tagen zu einem echten Team herangewachsen, das merkte man spätestens, als wir am letzten Abend kichernd, aufgrund lustiger Kommentaren, in unserer Box lagen. Dabei übersahen wir zwei weitere Mitschläfer, die sich mit lautem Schnarchen in der Nacht für die Ruhestörung beim Einschlafen rächten. So verschieden wir waren, so ausgeglichen war die Gruppe. Zusammenhalt und gegenseitige Hilfestellung waren selbstverständlich. Jeder, egal, welche Schwäche, war in der Gruppe integriert – Schön, dass es so etwas noch gibt! Ein Lob geht an das Team der „Franz-Senn-Hütte“, welches professionell, schnell und stets freundlich die Gastlichkeit in den Vordergrund stellte. Geschmeckt hat es auch immer.

Ein besonderes Lob geht an Renate Bielmeier, die den Kurs organisiert und durchgeführt hat. Vergessen waren ihre Gedanken und Ängste über das richtige Vermitteln der Theorie, wenn Renate in der Praxis, d.h. auf dem Berg steht. Stundenlang lauschten und amüsierten uns ihre Erzählungen über Eigenerlebtes. Nicht nur einmal rettete das Reden einem Kursteilnehmer die Überwindung seiner Unsicherheit. Bewundernswert ihre körperliche Fitness im Alter von 68 Jahren. Da können sich viele junge Menschen ein Beispiel nehmen. Herzlichen Dank fürs „Hi`steign zoagn!“