Sektion Rosenheim

DAV

des Deutschen Alpenvereins e. V.
   

Durchquerung des Berninagebiets mit Ski

vom 01.04.09 bis 05.04.09



Traumabfahrt vom Piz Misaun

Teilnehmer: Wolfgang Eder, Rudi Leitmannstetter, Herbert Eger, Heinz Remmelberger, Petra Steinberger, Liane Baltheiser
Tourenbegleiter: Sepp Müller
Fotos: Liane Baltheiser
Bericht
: Sepp Müller

Die Durchquerung wurde nicht auf der klassischen Route durchgeführt, sondern so geplant das wir immer in bewirtschafteten Hütten beziehungsweise im Hotel übernachten konnten. Am 1.April trafen wir uns am P+R Parkplatz in Pfraundorf und fuhren mit zwei Autos ins Engadin. Nach einer ca. vierstündigen Fahrt waren wir in Ponteresina angekommen. Dort suchten wir einen Geldautomaten und konnten uns dort mit Schweizer Franken eindecken. Wir parkten die Autos auf dem großen Parkplatz in Morteratsch kurz nach Ponteresina. Der Bahnhof ist gleich hinter dem Parkplatz, von dort aus fuhren wir mit der Rhätischen Bahn zwei Stationen weit zur Talstation der Gondelbahn Diavolezza und mit dieser hinauf zum Berghaus Diavolezza unserem ersten Quartier.

Am Nachmittag gingen wir noch auf den Munt Pers (3207m) die Gipfel hüllten sich Anfangs noch in Wolken die gegen Abend immer weniger wurden und bis kurz vor Sonnenuntergang komplett verschwunden waren. Im Berghaus Diavolezza wurde es nach 17 Uhr ziemlich still, es übernachteten nur zwei Skitourengruppen.

Am 2. Tag standen wir um 6 Uhr auf. Das Frühstück war reichhaltig und sehr gut. Leider spielte das Wetter nicht mit, die Wolken hingen bis zum ersten Eisbruch herunter und es war auch keine Wetterbesserung in Sicht, aber wir starteten trotzdem unsere Tour voller Zuversicht. Zuerst fuhren wir zum Pers Gletscher ab, dort wurden die Felle aufgelegt und der Aufstieg begann.

Bis unter den ersten Eisbruch hatten wir noch genügend Sicht und als der Gletscher steiler und zerklüfteter wurde seilten, wir uns an. Die Sicht wurde etwas schlechter, aber wir ließen uns nicht abbringen und schafften es bis zum Skidepot auf ca. 3700 m. Dort blitzte hin und wieder die Sonne durch die Wolkendecke, so wurde der Entschluß gefaßt, doch noch auf den Gipfel zu gehen. Den wir auch nach einer dreiviertel Stunde erreichten.

Nach einem kleine Fotoshooting stiegen wir zu den Skiern ab und fuhren teils bei sehr schlechter Sicht, sehr langsam und mit Hilfe vom GPS Richtung Boval Hütte ab. Die Hütte erreichten wir dann nach einem kleinen Gegenanstieg um ca.16 Uhr.

Die Hütte ist sehr urig wie zum Beispiel, dass die Toilettenhäuschen nur durch einen Eistunnel zu erreichen waren, oder das es keinen Trockenraum gab, oder die Gaststube mit einem Gasheizgerät erwärmt werden muß, aber der Hüttenwirt war gut drauf. Trotz den einfachen Verhältnissen auf der Hütte, hatten wir ein gutes Abendessen und unsere Sachen wurden auch alle trocken.

Am 3. Tag stand uns eine lange Tour bevor, denn das Ziel hieß Coaz Hütte. Das Frühstück gab es erst um 7 Uhr, deswegen haben wir vorherschon unseren Rucksack gepackt und unsere Ausrüstung in Ordnung gebracht. Der erste Abschnitt dieses Tages war, die Besteigung des Piz Missaun mit einer Höhe von 3250 Meter.

Bei herrlichstem Wetter und einer tollen Gipfelparade, darunter der Piz Bernina mit seinem Biancograt, ging es über kuppiertes Gelände aufwärts bis zum Übergang ins Roseg Tal. Der steile Gipfelhang zum Piz Missaun wurde mit vielen Spitzkehren und duch eine kleine Felsenbarriere überwunden, um dann auf den breiten Gipfel zu kommen. Der weitere Tourenverlauf hatte zwei Alternativen, die eine, wir gingen über das Joch am Piz Tschierva mit zusätzlichen 200 Höhenmeter um dann an einen Südhang abzufahren, oder die zweite, gleich in nördlicher Richtung ins Val Roseg abzufahren. Ich entschied mich für die Letztere. Die Gruppe war damit sofort einverstanden, denn es warteten auf uns Pulverhänge und Firnabfahrten mit zirka 1300 Höhenmeter am Stück.

Nach einer kleinen Pause um die Mittagszeit im Talgrund gingen wir den langen und flachen Weg an, der bis ans Ende des Rosegtals führte. Dort hatten wir noch einen Gegenanstieg von zirka 500 Höhenmeter und das südseitig bei ziemlich weichen Schnee.

Als wir die Coaz Hütte erreichten war jeder von uns froh auf der Hütte zu sein. Ein Tisch für die Gruppe war bereits reserviert und nach dem wir die Lager eingerichtet und die Sachen zum trocknen in der Hütte verteilt haben, ließen wir es uns gut gehen bei einem guten Essen und ein paar Gläschen Wein.

Am 4. Tag hieß das Ziel Piz Sella mit einer Höhe von 3508 Meter. Bei strahlend blauen Himmel stiegen wir gleich nach der Hütte aufwärts Richtung Roseggletscher und nach einer kleinen Pause und langsamen weitergehen, ein Teilnehmer musste noch seine vergessenen Steigeisen von der Hütte holen, führte unser Weg in eine großartige Gletscherlandschaft.

Der Roseggletscher hat noch Seraczonen und steilere Durchstiege, durch die sich die Route schlängelt bis man dann auf 3200 Meterhöhe eine große Gletschfläche durchquert um über einen nicht sehr ausgeprägten Grate die Gipfel der Dschimels zu überschreiten und dann zum Piz Sella zu gelangen. Der Gipfel ist ein großer Eisdom.

Die Aussicht war wieder einmal gigantisch auf der Westseite der Piz Roseg weiter südlich der Piz Zupo im Süden das Valtellina Tal hinter dem eine schlechtwetter Front stand und ganz im Westen sah man die Walliser Viertausender. Die Abfahrt hatte einiges zu bieten. Im oberen Teil weite Flächen mit Pulverschnee in denen wir unsere Bogen oder Bögchen zogen, im mittleren Teil eine Traumkulisse bei der Fahrt durch die Seraczone, im unteren Teil eine etwas verwinkelte Wegführung in sehr steilen und mit Abbrüchen duchzogenem Gelände bis wir den zugefrorenen Gletschersee erreichten.

Über diesen See und in ziemlich flachen Gelände, teilweise nur mit Skatingschritte ein vorwärtskommen, bis zum Hotel Roseg. Auf der Sonnenterrasse wurde dann nochmal die herrliche Bergwelt bei Kaffee und Kuchen, Brotzeiten und Bier betrachtet. Wir bezogen dort unsere komfortablen Lager und genossen die heiße Dusche. Mit einem ausgedehnten Abendessen mit Nachschlag und sehr viel Wein ließen wir diesen schönen Skitourentag ausklingen.

Am 5. und letzten Tag ging es in Richtung Piz Surlej. Der Aufstieg bis unter die Felsen des Munt Arlas ist rein südseitig, deswegen war zeitiger Aufbruch angesagt. Das Rosegtal war in den letzen Tagen immer an den Nachmittagen wegen der Nasschneelawinen gesperrt.

Zuerst ging es zwischen zwei Wildschutzgebieten durch, bis wir dann oberhalb der Baumgrenze in weites, leicht kuppiertes Gelände kamen und dort immer Richtung der Felsen des Munt Arlas gingen.

An einer Felskante bei der wir ungefähr 100 Höhenmeter absteigen müssten, habe ich meinen Plan geändert, und wir sind nicht in das schmale südseitige Tal gestiegen, dass mit Nasschneelawinen geziert war um von dort zum Pis Surlaj zu gelangen, sondern sind bis zum Skidepot des Munt Arlas weiter aufgestiegen. Den Gipfel ließen wir diesmal aus. Wir machten eine Pause, genossen nochmal das Gipfelpanorama der Berninaberge und warteten bis der Firn schön griffig wurde.

Wir fuhren nun bei besten Firn von der Seite in das Corvatsch Skigebiet und über die harten und gut präparierten Pisten bis nach St. Moritz. Die Skipiste reichte bis an die Straße und die Bushaltestelle war gleich gegenüber.

Nun ging es mit Bus und Sammeltaxi zurück zum Parkplatz am Bahnhof Morteratsch. Nach einem kleinen Abschiedsessen im Gasthof neben dem Bahnhof fuhren wir alle gesund und ohne größere Blesuren, aber mit ein paar tollen Skitourentage im Gedächtnis direkt zurück nach Rosenheim.