Sektion Rosenheim

DAV

des Deutschen Alpenvereins e. V.
   

Durchquerung des Berninagebiets mit Ski
vom 07.04.10 bis 10.04.10

Tourenbegleiter: Sepp Müller

Teilnehmer: Petra Steinberger, Liane Baltheiser, Anke Stotz, Norbert Beck, Eric Schwarzbach, Stefan Hintermeir

Text: Sepp; Bilder: Liane Baltheiser

 

Am 7. April trafen wir uns am P+R Parkplatz in Pfraundorf und fuhren mit zwei Autos ins Engadin. Nach einen Zwischenstop in Zernez, bei dem wir uns mit Kaffee und Kuchen stärkten und am Geldautomaten mit Schweizer Franken eindeckten, ging die Fahrt weiter zum Parkplatz Morteratsch.

Die Tourengruppe am Bahnhof Morteratsch
Die Tourengruppe am Bahnhof Morteratsch

Gleich dahinter ist der Bahnhof, von dort aus fuhren wir mit der Rhätischen Bahn zwei Stationen weit zur Talstation der Gondelbahn Diavolezza und mit dieser hinauf zum Berghaus Diavolezza unserem ersten Quartier.

Piz Palü
Piz Palü

Nach der Anmeldung gingen wir noch, bei strahlendem Sonnenschein, auf den Munt Pers (3207m). Da der Schnee am Nachmittag in den südexponierten Hängen recht weich war, stiegen wir über den Südwestgrat zum Gipfel auf.

 Am Südwestgrat des Munt Pers
Am Südwestgrat des Munt Pers

Eine kleine Skiabfahrt bauten wir aber auch ein, sodas wir wieder ca. 200 Höhenmeter über die Skiroute zum Berghaus aufsteigen mussten. Im Berghaus Diavolezza wurde es nach 17 Uhr ziemlich still, es übernachteten nur einige Skitourengruppen. Am 8. April standen wir um 5 Uhr 30 auf und richteten unser Rucksäcke her. Nach einem Thermofrühstück, bei dem der Wirt wohl aus versehen die Butter vergessen hatte, standen wir kurz nach halb sieben vor der Hütte. Ein wunderbarer Morgen nach einer sternenklaren Nacht. Die Tour begann mit dem VS-Check, der zum Standard bei einer Sektionstour gehört. Danach ging es über die Skiroute zum Pers Firn hinuner, der Schnee war dabei ziemlich hart.

Auf dem Pers-Firn
Auf dem Pers-Firn

Am Gletscher angekommen legten wir die Felle auf und der Aufstieg begann. Wir waren die erste Gruppe, die an diesem Tag, in Richtung Piz Palü aufbrach. Unterhalb des ersten Eisbruches teilte ich die Teilnehmer in zwei Seilschaften auf. Der Gletscher wurde steiler und die vorhandene Spur wurde immer undeutlicher.

Spalte im Pers-Firn
Spalte im Pers-Firn

Im oberen Teil des Gletschers mussten wir die Spur neu anlegen, in Teamarbeit, das hat viel Zeit und Kraft gekostet. Die letzten Meter zum Skidepot hat uns ein Schweizer Bergführer abgenommen, der sich zuvor recht zurückgehalten hatte.

 Kurz vor dem Skidepot am Piz Palü
Kurz vor dem Skidepot am Piz Palü

Am Skidepot kamen die Ski auf den Rucksack und die Gratüberschreitung der beiden Palügipfel begann. Der Grat zum Ostgipfel hatte einen guten trittfesten Schnee, der die Begehung relativ einfach gestaltete.

Am Grat zum Ostgipfel
Am Grat zum Ostgipfel

Am Ostgipfel (3882m) machten wir eine kleine Pause und genossen die Fernsicht in die Täler nach Norden und Süden, sowie die Berge im Osten und Westen.

Die komplette Gruppe auf dem Palü Ostgipfel
Die komplette Gruppe auf dem Palü Ostgipfel

Der weitere Gratverlauf zum Hauptgipfel sah wild und steil aus, aber nach der Hälfte des Grates stellte sich heraus, das die Bedingungen sehr günstig waren und so hatten wir keine größeren Schwierigkeiten auf den Hauptgipfel (3901m) zu gelangen.

Piz Zupo mitte, Piz Palü Hauptgipfel rechts
Piz Zupo mitte, Piz Palü Hauptgipfel rechts

Am Grat zum Palü Hauptgipfel
Am Grat zum Palü Hauptgipfel

Der Weiterweg zur Abseilstelle hatte für mich eine kleine Überraschung, ein Spalte am Gipfelgrat, die ich unfreiwillig näher kennen lernte. An der Abseilstelle ging es nach Italien.

Abseilen zum Gletscher auf der italienischen Seite des Palüs
Abseilen zum Gletscher auf der italienischen Seite des Palüs

Eisbruch am Gletscher Altipiano di Fellaria
Eisbruch am Gletscher Altipiano di Fellaria

Unterhalb des Eisbruchs am Gletscher Altipiano di Fellaria
Unterhalb des Eisbruchs am Gletscher Altipiano di Fellaria

Dort warteten auf uns lange flache Gletscher die wir am Nachmittag, teils am Seil, abfuhren und überquerten, bis wir zu unsere nächsten Unterkunft gelangten dem Rif. Marinelli, das wir gegen 17 Uhr erreichten. Der Hüttenwirt war humorvoll und gut drauf, er begrüßte uns mit einem Weißbier. Auf der Terrasse genossen wir noch die Abendsonne.

Auf der Terrasse des Rif Marinelli
Auf der Terrasse des Rif Marinelli

Die Hütte ist recht einfach und hat gravierenden Wassermangel, das Abendessen war gut nur die Heizung der Hütte ließ zu wünschen übrig, sie war ziemlich kalt.

Am 9.April standen wir wieder um 5 Uhr 30 auf. Das Frühstück war für eine italienische Hütte recht ordentlich. Die Ski wurden gleich an der Hütte mit Harscheisen bestückt, da die ersten Hänge hinter der Hütte steil und nach einer weiteren sternenklaren Nacht hart gefroren waren. Bei bestem Wetter ging es zuerst über den Passo Marinelli Occident zu einem sehr großen Gletscher der sehr flach ist. Wir überquerten ihn über eine Stunde lang, um dann zum nächsten Übergang der Fuorcla da la Sella zu kommen.

Auf dem Gletscher Scerscen Superiore mit Piz Roseg
Auf dem Gletscher Scerscen Superiore mit Piz Roseg

Von dieser erklommen wir den Ersten einer Reihe von Gipfel den Piz Sella (3517m). Nach einer längeren Pause mit schönen Tiefblicken nach Süden ins Valtellina und nach Sondrio ging es über die Dschimels unter die Doppelgipfel der La Sella (3584m). Vom Skidepot aus ging es in leichter aber luftiger Kletterei zum westlichen Gipfel.

Auf dem Gipfel des Piz Sella im Hintergrund der Monte Disgrazia
Auf dem Gipfel des Piz Sella im Hintergrund der Monte Disgrazia

Piz Roseg, Piz Zupo
Piz Roseg, Piz Zupo

Von dort aus sahen wir schon unser nächsten Ziel, die Coaz Hütte. Beim Abstieg zum Skidepot mussten wir uns nochmal konzentrieren, obwohl die Stimmung recht locker wurde. Die darauf folgende Abfahrt durch den Roseggletscher war die reinste Freude, trotz eines kleinen Gegenanstieges.

Am Roseggletscher, im Hintergrund die La Sella
Am Roseggletscher, im Hintergrund die La Sella

Die Coaz Hütte erreichten wir gegen 15Uhr. Nach der Anmeldung und dem Bezug der Lager konnten wir noch ein gemütliches Weißbier auf der Terrasse der Hütte trinken. Die Skischuhe und das ein oder andere Kleidungsstück, konnte in die Nachmittagssonne, zum Trocknen gelegt werden. Auch auf dieser Hütte herrschte Wassermangel, so das die Waschmöglichkeiten sehr begrenzt waren. Das Abendessen war sehr gut und sehr viel und wie auf schweizer Hütten üblich, konnte man reichlich Nachschlag bekommen. Auf dieser Hütte wurde gut eingeheizt, so gestaltete sich der Abend sehr angenehm und mit den vielen Witzen von Petra auch recht lustig. Am 10. April standen wir wieder zur gewohnten Zeit auf, um 5 Uhr 30. Nach einem guten Frühstück trafen wir uns vor der Hütte.

An der Coaz Hütte
An der Coaz Hütte

Nach dem VS-Check stiegen wir diesmel aber nicht auf, sondern fuhren zum zugefrorenen Gletschersee, der weit unterhalb der Hütte liegt, ab. Die Schneeoberfäche war hart, sodas wir ohne einzubrechen die Hänge unterhalb der Hütte befahren konnten. Die Abfahrt ging am See vorbei bis zur Moräne des Tschiervagletschers und von dort schräg in den Talgrund. Erst jetzt wurden die Felle aufgelegt und der Aufstieg zur Fuorcla Tschierva begann.

Tourengruppe am Tschiervagletscher
Tourengruppe am Tschiervagletscher

Der Weg ging an der Tscherva Hütte vorbei, die in den letzten Jahren nicht mehr zur Skitourenzeit offen ist, zu einer steileren Rinne die zu einem Teil des Tschervagletschers führte. Über den flachen Gletscher führte dann unser Weg bis unter den Steilaufschwung zur Scharte.

Im Aufstieg zum oberen Teil des Tschervgletschers
Im Aufstieg zum oberen Teil des Tschervgletschers

Der Biancograt
Der Biancograt

An der Scharte angelangt, machten wir eine kleine Pause. Die Abfahrt auf der anderen Seite war dann ein skifahrerisches Sahnestück, unberührter Traumpulver.

Abfahrt von der Fuorcla Tschierva
Abfahrt von der Fuorcla Tschierva
Abfahrt von der Fuorcla Tschierva
Abfahrt von der Fuorcla Tschierva

Bei der nächsten Scharte hatten wir weniger Glück. Die Fuorcla Missaun erwies sich auf der anderen Seite extrem steil und nach längerem Suchen der Traverse am Crasta da Boval hatte die Mittagssonne schon gearbeitet und so vielen in unregelmäßigen Abständen Steine herab. Ich entschloss mich zum Rückzug und so stiegen wir wieder zur Fuorcla Tschierva auf. Die anschließende Abfahrt ins Rosegtal war dann super, wir hatten besten Firn von oben bis unten.

Blick zurück zum Roseggletscher
Blick zurück zum Roseggletscher

Die letzten Meter, bis zum Hotel Roseg, mussten wir allerdings skaten. Auf der Terrasse des Hotels liesen wir es uns gut gehen und tankten noch ein bisschen Sonne. Petra organisierte dann noch eine Kutschfahrt für uns, zum Bahnhof nach Pontresina.

In der Kutsche nach Pontresina
In der Kutsche nach Pontresina

Von dort fuhren wir mit dem Zug zurück zum Bahnhof Morterasch hinter dem unsere Autos standen. Wir verstauten gleich unsere Ausrüstung in den Autos und fuhren ohne weitere Rast los. Erst bei einer Autobahnraststätte, kurz nach Landeck, machten wir wieder eine Pause, um unsere hungrigen Mägen zu beruhigen. Nach der Einkehr ging es nun endgültig nach Rosenheim zurück. Bei dieser Tour, rund um den Piz Bernina, hatten wir bei bestem Wetter, viele tolle Blicke auf die umliegenden Berge und Täler bei einer Vielzahl von Facetten des Skibergsteigens.