Sektion Rosenheim

DAV

des Deutschen Alpenvereins e. V.
   

Expedition der Jungmannschaft in den Iran -
Damavand (5671 m)

Am Basislager des Damavand

Die Vorgeschichte

September 2010, das Telefon klingelt, Wolfi ist dran. Wie immer rückt er gleich raus was ihm unter den Nägeln brennt: „Hey hast Lust, auf ne Expedition mitzukommen? Der Berg steht im Iran, heißt Damavand und ist der höchste Berg des Nahen Ostens. Wir könnten ihn im Frühjahr 2011 mit den Ski besteigen und er ist 5671 Meter hoch. Organisieren würden wir alles selber, dann wird’s nicht allzu teuer und für das Team können wir schon ein paar Leute aus der Jungmannschaft gewinnen.“ Naja, dachte ich mir, klingt ja sehr verlockend, auf die Tour hätte ich schon sehr Lust, aber eine Reise in den Iran zum jetzigen Zeitpunkt? Aber für die definitive Zusage hatte ich ja noch bis Weihnachten 2010 Zeit. Wolfi machte derweil fleißig Werbung im Kreise der Jungmannschaft, sammelte Informationen zur Tour und zum Aufenthalt im Land und kurz vor Weihnachten stand dann unser Expeditionsteam fest.

Wir waren zu sechst, Wolfgang Hanus, Johannes Müller, Simon Bruns, Andreas Hauck, Emanuel Fuchs und Manfred Raig. Alles toll bis zu diesem Zeitpunkt, doch dann begannen die politischen Unruhen in den Ländern Nordafrikas und im Nahen Osten. Gespannt und verunsichert verfolgten wir alle die weiteren politischen Entwicklungen, besonders natürlich im Iran. Aber trotz der Situation buchten wir unsere Flüge, kauften Ausrüstungsgegenstände und organisierten den Transport und die Logistik vor Ort. Im Internet fanden wir die Seite eines Iraners, Adeshir Sultani aus Teheran, welcher sich genau darauf spezialisiert hatte. Er würde uns Bergsteiger persönlich vom Flughafen ins Zentrum von Teheran bringen, dort bei den letzten Vorkehrungen für die Tour helfen und dann den Transport an den Berg organisieren und uns dann dort auch wieder abholen.

Jetzt gehts los

So fanden wir uns Mitte April am Flughafen in München wieder, um nach den letzten Wochen der Vorbereitung und des Trainings über Istanbul nach Teheran zu fliegen! Nach ewiger Warterei um 3.00 Früh an der Passkontrolle im „Teheran-Imam Khomeini“ Flughafen dann der erste Schock: Die Skitasche von Wolfi und das Gepäck von Johannes sind auf der Strecke geblieben. Aber wenigstens hat uns unser Bauchgefühl nicht enttäuscht und unsere Kontaktperson, Adeshir Sultani, stand wie vereinbart im Flughafen und erklärte uns grinsend und in bestem Englisch, „dass wir das mit dem Gepäck nicht so eng sehen sollten, wir wären nun mal im Iran und da laufen die Dinge halt etwas anders“. Nach seiner Erfahrung hätten wir unsere Ausrüstung nach spätestens zwei Tagen wieder. Also haben wir unseren Zeitplan etwas nach hinten verschoben und den ersten Tag in Teheran auf uns einwirken lassen. Das unfassbare Verkehrschaos in Kombination mit heruntergekommenen Stadtteilen und Bazars, welche sich aber mit sehr schönen Gebäuden, Moscheen und Gärten abwechselten, stimmte uns auf diesen Trip ein. Zusammen mit Adeshir organisierten wir die Lebensmittel und Gaskartuschen für unsere Zeit im Elburz-Gebirge und bekamen doch tatsächlich am Abend des zweiten Tages unsere beiden Gepäckstücke ins Hotel geliefert.

Am Basislager des Damavand

Anreise zum Damavand

Weil das Schönwetter-Fenster im Gebirge nicht mehr lange halten sollte, entschieden wir uns dafür, nicht in das Aklimatisationsgebiet rund um den Mount Tochal zu fahren, sondern gleich direkt an den Damavand zu starten. Der nette Adeshir meinte es gut mit uns und so luden wir unsere Ausrüstung am Morgen des dritten Tages in einen Reisebus, den wir ganz für uns alleine hatten. Schon die Fahrt durch Teheran Richtung Norden zum Kaspischen Meer war eindrucksvoll und im Örtchen Polour am Fuße des Damavand beluden wir das Dach eines antiken Jeeps mit unserer Ausrüstung. Weiter gings anfangs auf einer Piste, später nur noch weglos durchs Geröll auf flachen Hängen in Richtung Basislager „Goosfand Sara“ auf 3000 Meter. Der Perser hinterm Steuer war sehr optimistisch was die Geländegängigkeit seines Autos betraf aber da er nur Farsi sprach konnten wir ihn nicht davon abhalten, mit seinen profillosen Reifen in einen Lawinenstrich zu fahren. Nach einer guten Stunde hatten wir ihn mit unseren Lawinenschaufeln wieder ausgegraben und dem Fahrer auch seinen Rückweg freigeschaufelt, gemäß dem Motto „Ist gut für die Kondition!“.

Am Basislager des Damavand

Die Gipfelbesteigung

Bald war dann auch für den Jeep Endstation und so schleppten wir unser Zeug zum Basislager, einer Moschee mit Damavand-Gipfelblick im Hintergrund. Die Moschee und das benachbarte Steingebäude waren sehr verdreckt, laut Adeshir ist da im Sommer viel los. Wir waren jedenfalls alleine und quartierten uns für die Nacht in der Moschee ein. Tags darauf entschlossen wir uns, dem Tipp von Adeshir nachzugehen und versteckten unsere Zelte unter Steinen. Im Hochlager gibt es seit drei Jahren eine Steinhütte und da wir ohnehin die einzigen am Berg waren, wollten wir die nutzen. Die Hütte „Bargah e Sevom“ im Hochlager auf 4250 Meter wurde von der Iranischen Bergsteigervereinigung gebaut und ist dauerhaft vom Afghanen Mohammad besetzt, aber nicht bewirtschaftet und beheizt. Sauber kalt war‘s also trotzdem, aber immer noch besser als im Zelt, wie geplant.

Dem Wetterbericht nach hatten wir nun noch zwei volle Tage mit akzeptablem Wetter und konnten uns so wenigstens einen Tag zum Akklimatisieren in der Höhe leisten. An diesem Ruhetag erreichte ein Filmteam, welches in Koproduktion von ARTE und Schweizer Fernsehen eine Dokumentation über Skibergsteigen im Iran drehte, das Hochlager. Die Kameramänner und Bergführer waren seit zwei Monaten unterwegs und wollten den Damavand, als Abschluss ihrer Expedition, auch am folgenden Tag besteigen.

Ohne größere Probleme, abgesehen von fehlenden Harscheisen, erreichten wir am Mittag des vierten Tages alle sechs nahezu zeitgleich den Gipfel auf 5671 Meter und „genossen“ bei eisigen Temperaturen die dichten Schwefelschwaden welche in der Gipfelregion aus Löchern dieses erloschenen Vulkans ausgestoßen werden. Der Aufstieg erfolgte über die Südroute und das Gelände bewegte sich in einer Steilheit zwischen 30° bis 40°, im Gipfelbereich Blockgelände und Geröll.

Am Basislager des Damavand

Am Basislager des Damavand

Unsere Ski brachten uns dann schnell wieder in besser riechende Luftschichten und mit der aufziehenden Schlechtwetterfront im Nacken waren wir abends wieder am Basislager. Dort wieder das ganze Gerümpel auf den Rücken geladen und ab ging es zu dem, wie vereinbart, wartenden Jeep. Unser bereits bekannter Jeepfahrer belohnte uns mit, seiner Meinung nach, guter und lauter Musik von Modern Talking und so kamen wir entspannt wieder im Talort Polour an.

Unterwegs im Iran

Den nächsten Tag nutzen wir für ein ausgiebiges Bad im heißen Schwefelwasser, welches die Einheimischen aus den Bergdörfern in großen Becken sammeln. Da wir wegen des Wetters unsere Besteigung schnell durchziehen mussten, hatten wir eine Woche Zeit und fuhren deshalb spontan mit öffentlichen Verkehrsmitteln ein paar Tage in die Stadt Isfahan, welche in der Wüste liegt. Isfahan zählt mit seinen Moscheen, Persischen Bauwerken und Gärten sowie dem riesigen Platz „Meydan-e Imam“ zu den schönsten Städten im Orient und beeindruckte uns sehr. Überhaupt waren ausnahmslos alle Menschen im Iran sehr offen, hilfsbereit und unvoreingenommen gegenüber uns Europäern. Da es so gut wie keinen Tourismus gibt, waren wir überall die Attraktion und wurden häufig gefragt, was wir im Iran machen, ob es uns gefällt und ob wir uns fotografieren lassen. Das Bild welches wir im Iran zu sehen bekamen, spiegelt absolut keines der gängigen Vorurteile wieder, im Gegenteil, Pärchen laufen Hand in Hand auf den Straßen und die Städte sind in vielen Teilen modern und technisiert. Alle Menschen, mit denen wir redeten, sprachen sich gegen die Politik ihrer Regierung aus und hofften auf ein besseres Image ihres Landes im Westen.

Nach den letzten Tagen, welche wir in den Palästen und Bazars von Teheran verbrachten machten wir uns auf den Heimflug. Wir verließen dieses schöne Land mit einer ganz anderen Vorstellung wie zu Beginn der Reise, Persien wird uns definitiv noch einmal sehen. Dass mit unserer Besteigung des Damavand alles so gut geklappt hat und auch Alle aus unserem Team den Gipfel erreicht haben, trug natürlich zum Erfolg der Expedition bei. Für die Unterstützung unserer Jungmannschafts-Expedition bedanken wir uns bei der Sektion Rosenheim! Wer Lust hat, bei der Jungmannschaft der Sektion Rosenheim vorbeizuschauen, der findet die Infos dazu auf „www.jdav-rosenheim.de“.

Einen Bildervortrag zu dieser Reise wird es voraussichtlich im Herbst 2011 geben.

Emanuel Fuchs, 2011