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Pauli hatte ins schöne Allgäu eingeladen. Die
Niedermeiers wußten uns ein nettes Wirtshaus als Wanderheimat, ungefähr
dreißig sind gekommen: Kemmers, Hartmanns, Niedermeiers, Stoppel
Christa, Uschi, Gotthard, Otto+Dicki, Karin, Pauli, Kurt, Erika, Anni,
Margit, Johanna, Metzmachers, Sommerers, Sepp+Marile, Juliane+Manfred,
Ilona, Marianne.
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| Samstag: Anreise, Riedberghorn | |
| Riedbergpass - Grasgehrenhaus (1447m) - Wannenhorn - Riedberghorn (1787m) Nach wochenlangem Regen haben wir Glückspilze doch tatsächlich
strahlendes Wetter. Man muß nur die richtigen Leut mitnehmen. Nach
flotter Anfahrt mit Kurt, Karin und Erika brechen wir mit voller Wucht
out of Rosenheim hinein in die altgemütliche Motoradlerkneipe "Grüntenblick"
in Agathazell, irgendwo zwischen Immenstadt und Sonthofen. Agathazell
ist ein winziges uraltes Dorf mit einem ebensolchen Privatkircherl. Der
Ort wurde mehrmals zerstört und immer wieder genauso aufgebaut, bis
heute nix dazu und nix weggekommen seit dem frühen Mittelalter. Das
Kircherl wurde fachmännisch restauriert (u.a. alte Fresken) und erst
Mitte der 80er wiedereröffnet. Es wird jeden zweiten Donnerstag vom
Burgberger Pfarrer heimgesucht und bimmelt jeden Tag früh um 6 Uhr
5. |
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| Neben dem Kircherl steht behäbig der Grüntenblick; auf dessen Hof tummelt sich ein Schwarm heiße Japanerinnen aus den Familien Suzuki, Honda, Kawasaki mit viel Zylinder im Bauch. Manfred, der junge Wirt, ist FreeBiker und hat ebensolche als Stammgäst. Die freien Beherrscher der Japanerinnen sind samt Ehefrauen, Kindern und Babies schon alle eingetroffen, z.T. mit Japanerin in Rikscha-Ausführung. Sie wollen heut abend ein Festerl feiern; eine geöffnete Garage beherbergt die Preise der Tombola, daneben steht ein Disko-Lautsprecher so groß wie ein Kühlschrank und läuft zur Probe, nur im Standgas. Es ist Soft-Rock, man spürts im Bauch, härter wirds erst später. Die Freebiker lümmeln so bißchen herum, sie müssen sich den Wirtshaushof mit einem supergelenkigen Baggerchen namens "Bodo" teilen. Bodo besorgt gerade die jahrelang verschobene Kanalisation in Agathazell, auch der Grüntenblick soll unterminiert werden. Die lauschige Nebenstraße durchs Dorf macht beim Grüntenblick eine Linkskurve, sodaß die Freebiker von Sonthofen die Preißn aus Immenstadt erst im letzten Moment nausbremsen können. Zur Geräuschdämpfung steht ein 40Tonner MAN dazwischen, der geduldig auf Bodos Ausbeute wartet. Damits Bodo nicht zu langweilig wird - schließlich arbeitet er im Akkord - werden abends gegen 6 die Kühe über die Baustelle getrieben. Wie friedlich ist doch das Landleben, es verspricht gemütlich zu werden heut abend. Aber erst müssen wir noch los; schnell werden die Zimmer aufgeteilt, mich hat man mit Kurt einquartiert, wir beide sind ja schon taub gegen unser Geschnarch. Ab in die Autos, zum Riedbergpaß, Parken beim Grasgehrenhaus. Erst kommt der Umweg, dann das Wirtshaus! | |
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Der Umweg ist blumengeschmückt, Bergfrühling fast noch. Margit ist besonders fotoaktiv heute, erblickt jeden Türkenbund in abseitigster Solitärstellung und verhält sich sehr fotokameradschaftlich. Da sie jedes Pflanzerl mit einem begeisterten Ausruf begrüßt, können Otto und ich immer gleich herbeistürzen und schwerbewaffnet den optimalen Knipswinkel besetzen. Ein erbitterter optischer Verdrängungswettbewerb entbrennt - Steilabfall, davor Stacheldraht, dahinter die Alpengeranie, Otto davor optimal zum Schuß, aber nicht für mich, da schieß ich zwischen Ottos Haxn hindurch - superoptimal. Wir werdens uns dann in der stadn Zeit anschaun. Ich muß heut noch mehrmals der Mann/Frauenschaft hintnachhecheln, es ist wie beim Militär: hinlegen, Blümlein schießen, weiterrennen. |
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Heute bestimmen die Reiter der Japanerinnen den Ton, genauer, der bereits erwähnte Disko-Blazer. Die Musi ist meist recht fesch, man hat schon etwas Dampf zugelegt jetzt. Eine der hübschen jungen freien Bikerinnen geht herum, Lose zu spendieren; Pech - lauter Nieten. Also nochmal, Teddybären und Pokale müssen an den Biker, diesmal klappts. Beim satten Rock-Bass, hundert dezibel, dösen die Biker-Babies friedlich in der immer noch heißen Abendsonne. Die Trommelfelle werden frühzeitig trainiert, schließlich müssen sie mal einen anständigen Fahrtwind aushalten. Manfreds Stammbiker sind ein nettes solides Völkchen; keine die ihre Japanerin auf- und sich selber zumachen, darauf legt er Wert. Heut müssen sie um 23h abrocken, was auch glatt passiert. Während ihrer heutigen Rallye mußten sie sogar komplizierte Logistikaufgaben lösen, etwa: ca. 53m links neben dem Bäcker in Burgberg ist ein Briefkasten, wann wird der geleert? Zwischen den rockbeats ratschen wir über alte Rosenheimer Glanzzeiten, etwa Marile über die Bälle in der Inntalhalle (mit weniger pikfein wie in der Stadthalle, dafür bis morgens früh) oder Pauli über den Handel "Hausaufgaben gegen Naturalien". Allmählich schiebt uns der Rote ins Bett; friedlich schlummert Agathazell. Gelegentlich nur röhrt eine einsame freie Japanerin nächtens zum Dorf hinaus und schickt ihren Soundstrahl genau in unsere Schlafzimmer. Wem das nix ausmacht der wird durch Autoscheinwerfer an den anstehenden nächtlichen Toilettengang erinnert. |
| 2. Tag : Nagelfluhkette |
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| Gunzesrieder Säge (930 m) - Stuiben - Buralpkopf
- Gündlesscharte - Rindalphorn (1822 m) - Brunnenauscharte - Hochgrat
(1833 m) - Scheidewangalm - Gunzesrieder Säge |
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| Das Aufwecken beginnt um fünf mit hellem Schwalbengezwitscher, dazwischen
Milliauto und Bulldog, um sechs mein Reisepiepser, gleich drauf am Kurt
seine Watch, dann das Radio, fünf nach sechs das Kircherlbimmel, gegen
sieben Bodo und der 40tonner, letzte Chance. Abfahrt ist um halb acht s.t.,
bedeutet also Packln, Frühstück, s'Gegenteil, Appell in einer
halben Stunde. A Zucht herrscht schon in unserer Mannschaft solangs im Tal
sind! Da es schon wieder schön Wetter ist, müssen wir unweigerlich
abfahren zur Gunzesrieder Säge. In drei Mannschaften (Otto, Pauli,
Kurt) gehts erstmal hinauf zum Kamm der Nagelfluhkette. Tour schön,
Allgäuer Grasberge und am Graterl drüber weg. Heiß, Blumen,
saubere graue Kaibi mit riesigen AluSchellen. Es geht bis auf den Hochgrat,
Christa superwoman hinterher, unser bilaterales Strafpunktekonto steigt
und fällt. Beim Abstieg solo durch üppige mannshohe Wildwiesen
mit vielerlei Kräuterl. Eine Gams derbleckt mich. Ab heute drei Abendmahlzeiten
zur Auswahl! |
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3. Tag : Kanzelwand |
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| Söllereckbahn (1000 m) - Bergfahrt (1350 m) - Söllereck - Schlappoltkopf - Fellhorn - Gundsattel - Kanzelwand (2058m) - Schüsser (2170 m) - Riezlern | |
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Wieder schön. Mit Lift halb hinauf,
über sanfte Grate und Gipferl oberhalb des Walsertals landschaftlich
einmalig entlang. Scho wieder Fotorausch mit Bleaml. Beim Abstieg vom
Fellhorngipfel (der ist gespickt voll Bergbahntouristen) begegnet uns
Otto plötzlich von unten (was kommst du denn scho wieder rauf?).
Die Überraschung ist perfekt. Joff, Ottos Zwillingsbruder, ist hier
mit Frau im Urlaub und hat sich diesen Spaß erlaubt. Mordshallo
und Gaudi, selbst am Gangwerk sind die beiden zum Verwechseln. Nur daß
Joff in München lebt und nicht Kontrabaß, sondern Geige spielt.
Die beiden bleiben heut abend bei uns und haben viel Zeit zum Familienratsch.
Abstieg nach Riezlern, Abholen mit unsere brave Fahrer. In Agathazell
hats - während unseres Traumwetters - gehagelt! |
| 4. Tag : Nebelhorngruppe | |
| Aufahrt Nebelhornbahn Station Höfatsblick
(1925m) Laufbacher Eck (2150m) - Bärgündelestal - Giebelhaus 1063m (mit Pauli) oder Koblat - Grosser Daumen 2280m - Nickental - Hinterstein 860m (mit Kurt) |
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Schönwetter + Regen. Ein Extrabus fährt und
holt uns heute, 10 DM pro Nase, Manfred hats ausgehandelt. Durch schönes
Ödland zum Daumen, Tannheimer sind zu sehn, Hochvogel. Es gibt 1500m
Abstieg über Fels, Almen nach Hinterstein. Die Pauli's sind landschaftlich
besonders schön gegangen, Steilwiesenpfaderl immer knapp am Grat
lang, aufpassn, gleich gegenüber die verrückten steilen Höfats.
Hinab zum Giebelhaus, von dort mit Bus nach Hinterstein. |
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Naa... Wind hamir heut scho gnua ghabt, mir gangst. Wir sind viele, die Russn sind wenig - immer nur zwei rollen heran auf einem Tablett, obwohl a ganze Batterie drauf Platz hätt. Ein Wirtshaus mit lauter Geduldsproben - da stimmt was nicht. Die Alte kann scheints die Jungen nicht motivieren, denn die verstecken sich hinterm Fernseher während wir verdurschten. Nach schönster Bergtour muß man so enden! Mir wurscht, es war das letzte Mal hier drin, ist ja nicht mein grüner Hut. Auf der Heimfahrt wird unser Bus zu Umwegen gezwungen (Baustelle); außerdem
ist grad Kühtreibzeit. Im Schneckentempo gehts hinter drei so Butterhirschen
her, die schleifen riesige Euter nach. Halloh und deftige Redensarten.
Hinter uns staut sich ein Bulldog mit Odlfassl, es bildet sich eine Art
Fronleichnamsprozession bis zum Dorf. Landwirtschaft dient allen! |
5. Tag : Hoher Ifen, Gottesacker |
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Auenhütte - Bergfahrt Ifenhütte (1586 m) - Hahnenköpfle (2143 m) - Gottesacker - Gottesackeralm - Wäldele (1200 m) oder Steig Hoher Ifen (2229 m) - Schwarzwasserhütte - Ochsenscharte - Bad | ![]() |
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Das Wetter hält im Gebirg, nur draußen hagelts.
Es gibt heut zwei Mannschaften. Die mehrern mit Pauli übers Hahnenköpfle
in die Karstfläche "Gottesäcker". Wir mit Kurt über Seilsteig
zum Ifen, dort Nebel. Anders wie vorgesehen Abstieg durch die Südflanke
Richtung Schwarzwasserhütte. Dazwischen Brotzeit auf netter kleiner
Alm mit 200 Kalben. Eine dicke Sennerin und ihre Buam bedienen und kassieren,
aber kräftig! Auf der Alm da gibts koa Sünd. An Schwarzwasserhütte
vorbei hinauf zur Ochsenscharte, Abstieg über Starzlachtal vorbei
an Lawinenschnee nach "Bad", dem hintersten Ort im Kleinwalsertal. In
Riezlern treffen wir unsere Gottesäcker-Besucher. "Daheim" ist heute
Ruhetag, wir speisen fremd - aber nicht minder gut - im neu eingerichteten
"Englbräu" in Rettenberg. An diesem freien Tag ist unser Wirt von
seiner Japanerin abgeworfen worden (lumpige 164 PS, macht 300 KMchen).
Glimpflich, er mit leichtem Schock, die neue Honda mit Blechschaden. |
| 6. Tag : Enzian- und Rappenseehütte |
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| Birgsau (956 m) - Enzianhütte - Rappenseehütte (2091 m) und zurück. | |
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Bei zunehmendem Regen auf die Hüttn rauf. Adi und Gisela steigen mit Radl auf. Weiter oben wieder die typischen steilen Grashänge, schaut friedlich aus. Ein Kreuzl am Weg erinnert an den Lokalhelden "Hofar", ausgerutscht dahier. Hier darf man aber nicht ausrutschn! Ein Hubi schraubt im Nebel umanand, sucht einen verlorenen Heißluftballon (wie kann man nur sowas verlieren?). Am gleichen Tag morgens stürzt ein altgedienter Bergwachtler an den Höfats ab; er sollte gleichentags für 30jährigen Einsatz beim Edelweißschutz geehrt werden. Oben heizen wir uns ein mit der speziellen guten Allgäuer Brätknödlsuppe und Rotem. Auch über 2000m läuft die Gastronomie nur mehr mit Balkan-Hilfe: zwei junge Burschen stehn herum und tun nix, wissen nicht was a Durscht is. Man muß sie erst aufwecken, den Hüttenwirt muß ich dann auch noch versöhnen daß es nicht persönlich gemeint war. Als nachbestellt wird, schaut er scho wieder friedlich. Übrigens, das "Hohe Licht" wird noch etwas warten müssen auf uns, nix bei Regen, aber Anlaß wieder malhierher zu fahren. |
| 7. Tag : Brauerei, Starzlachklamm |
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| Besichtigung Englbräu, Weißwurschtbrotzeit, Starzlachklamm im Aufstieg. | |
| Regen von allen Seiten. Die Klamm hat Überwasser,
schwarz rauscht es daher, schießt in zermalmendem Schwall 10 m runter
über eine Felsschuppe. Es riecht nicht nach Wasser, sondern nach
Dreck. Ich denke unwillkürlich an Canyoning. Ein Tag später
oder so passiert das Canyoning-Unglück in der Schweiz. Nun kann man
sich das besser vorstellen. Australier, Neuseeländer waren dabei
- gebucht und gefangen. |
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| Abends Dank an Pauli, mit Gedichterl und kleinem Sketch: der Wildschütz wird vom Förster gestellt, sein letztes Stünderl hat geschlagen. Sein Gschpusi möcht ihn retten, schließlich sei er Vater ihres werdenden Kindes (ein untergstopftes Kissen machts möglich). Aber auch das herzzerreißende Flehen hilft nicht, der Böse muß sterben, jetzt. Er bittet um einen letzten Wunsch, der ihm gewährt wird. So ruft der Wildschütz laut in die Runde: "I möcht daß der Kurt dem Pauli einen Liter Roten spendiert" und stirbt. Zuletzt werden noch Gewinner und Verlierer des anfänglich ausgemachten Spiels ermittelt: jeder muß möglichst genau rauskriegen, wie hoch das gesamte Alter aller Teilnehmer der Wanderfahrt ist. Der Verlierer steht eh schon fest: Gotthard. Er hat bei seiner Schätzung risikofreudig noch 100 Punkte draufgesattelt. Am genauesten geschätzt hat Isi (ca 1950 Punkte), wen wunderts. Sie kennt sich ja auch mit de Bleamln am besten aus, einschließlich der "Akeleiblättrigen Wiesenraute". Isi mag aber den Liter Roten nicht verdrucken, also geht der an alle. Auch damit ist man zufrieden, am meisten aber mit der - trotz einiger Regentage - wunderschönen Wanderwoche. Hier kommen wir so schnell nicht wieder hin! | |
| 8. Tag : Grünten, Heimreise Über Rettenbach gehts ab einer Alm bei Schönwetter auf den Grünten 1538 m. Es ist grad recht zum Abschiednehmen. Dann gibts noch eine flotte Heimfahrt mit Kurt, Erika, Irmi und kleine Brotzeit in Aying. Dort hats grad eine Hochzeit mit Stadterer-Schnöseln: Sie im hübschen Dirndl, Er in Krachlederner und mit Pferdeschwanzl. Des paßt! Dazu Blasmusi. Wir sind wieder daheim in Südostoberbayern! |
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