Sektion Rosenheim

DAV

des Deutschen Alpenvereins e. V.
   


Dolomiten 2005

Umrundung der Langkofel – und Rosengartengruppe
29.08. bis 01.09.2005


Tourenbegleiterin:
Michaela Stark

Teilnehmer: Karola Langer, Maria Maier, Jürgen Ochsendorf; 3 Teilnehmer abgesagt
Text:
Maria Maier


Montag, 29.08.2005
Tiers-Weißlahnbad - Tierser Alpl Hütte - Plattkofelhütte (Rif. Sasso Piatto)
7 Stunden, 1 500 Höhenmeter

Pünkliche Abfahrt um 6 Uhr der letztendlich auf 4 Teilnehmer geschrumpften Gruppe nach Tiers–Weißlahnbad. Nach der für Michaela obligatorischen kleinen Kaffeepause + Croissant an der Autobahnraststätte hatten wir das erste Ziel um 09:30 Uhr erreicht.

Bei herrlichem Wetter starteten wir vollbepackt und mit viel Elan in Richtung Tschamintal. Entlang des rauschenden Wildbaches führte uns zuerst der Weg durch den Biergarten der Tschaminschwaige, vorbei an grasenden Pferden und über Wiesen voller Herbstzeitlosen. Zum „Eingehen“ war der Weg gerade recht, aber am Ende des lieblichen Tales erwartete uns linker Hand ein mit Drahtseilen versicherter Steig Namens „Bärenloch“. Hier hatten wir beim Aufstieg alle Hände voll zu tun und Michaela entdeckte das erste Edelweiß. Unterhalb der Roterdspitz (2 655 m) erreichten wir den Höhenweg, der links in Richtung Schlern und rechts zur Tierser Alpl Hütte (2 440m) führt. Die Hütte war uns vom letzten Jahr schon für die gute Bewirtung bekannt und wir stärkten uns für den noch vor uns liegenden Weg. Dieser führte uns zuerst wieder abwärts und wir hörten die ersten Murmeltiere pfeifen, die vor den herannahenden Wanderern warnten. Und schon ging es wieder aufwärts zum Mahlknechtpass und auf dem Höhenweg - mit Blick auf der linken Seite zur Seiser Alm, der vor uns liegenden Langkofelgruppe, Sella und Marmolada - erreichten wir um 17 Uhr die Plattkofelhütte. Das vorzügliche Abendessen wurde uns zu einem spektakulären Sonnenuntergang am Schlern serviert und wir waren auch mit unserem Zimmer (mit Waschbecken!) wunschlos glücklich.


Dienstag, 30.08.2005
Plattkofelhütte - Langkofelhütte, -scharte - Toni Demetz Hütte - Friedrich-August-Hütte - Friedrich-August-Weg - Durontal - Antermoia Hütte
10 1/4 Stunden, 1 600 Höhenmeter

Heute stand nun die angekündigte „Königsetappe“ auf dem Programm. Nach einem guten Frühstück brachen wir pünktlich um 8 Uhr in Richtung Norden auf. Vorbei an der Murmeltierhütte genossen wir bei herrlichem Bergwetter die Morgenstunden und es kam uns so vor als gäbe es nur uns und die Murmeltiere auf dieser Welt. Doch es sollte noch anders kommen! Bereits um 9 Uhr hatten wir den ersten geographischen „Tiefpunkt“ mit 1 960 Meter erreicht und es ging über felsiges Gelände wieder aufwärts zur Langkofelhütte (2 256 m).

Nach kurzer Rast und Stempelholen an der Hütte war es vorbei mit der Ruhe. Zuerst fand ein spektakulärer Hubschrauberflug unsere Aufmerksamkeit und danach kamen uns Hunderte von „Wallfahrern“ entgegen. Michaela fragte uns, ob wir wohl die falsche Richtung eingeschlagen haben? Und wir fragten uns, wo die nur alle so plötzlich herkamen. Tapfer kämpften wir uns gegen den Strom zur Toni Demetz Hütte (2 681 m) hinauf und sahen des Rätsels Lösung. Schier endlos wurden die Wanderer über eine „Eiergondel“ vom Sella Pass heraufbefördert und sprangen an der Bergstation regelrecht aus den Gondeln. Also machten wir wieder Platz auf der Langkofelscharte und stiegen bei herrlichem Ausblick auf Sella und Marmolada zuerst in Richtung Sella Pass ab und schlugen dann den Weg zur Friedrich-August-Hütte ein.

Über herrliche Almwiesen mit blühenden Enzianen und einem Heuhupfer in Michaelas Schuh erreichten wir die Hütte und stärkten uns für das noch vor uns liegende Pensum. Auf dem lohnenden Friedrich-August-Weg, vorbei an der von Italienern belagerten Sandro Pertini Hütte, erreichten wir eine Hochebene, wo es wieder zur Plattkofelhütte hinüber ging. Wir schlugen jedoch den Weg nach links ins Durontal ein und von nun an gings bergab bis zur Micheluzzi Hütte, wo wir uns für den bevorstehenden Endspurt noch einmal erfrischten. Nach einem „Spaziergang“ entlang des rauschenden Duronbaches führte uns der Weg über einen kleinen Steig hinauf zum Ciaresoles (grüner) Pass. Über den folgenden Pas de Dona (Frauenpass) spielten wir Frauen unseren Vorteil aus und erreichten - vorbei an prächtigen Edelweiße - um 18:15 Uhr endlich die Antermoia Hütte. Nach kurzer Zeit saßen wir bereits beim verdienten Abendessen „à la Carte“ und mussten unser Lager mit 7 Holländern teilen. Da wurden dann vor der Hüttenruhe noch einige Digitalfotos geschossen und Michaelas vermeintliche ruhige Ecke hielt nicht das, was sie versprach. Michaela hatte einen regelrechten für das Lager zu lang geratenen Zappelfilipp neben sich, der noch dazu Orientierungsprobleme hatte. „Sorry, falsches Ende, falsches Bett“. Na, Gott sei Dank hat er dann doch noch das richtige Bett gefunden.


Mittwoch, 31.08.2005
Antermoia Hütte - Antermoia- und Grasleitenpass - Vaiolethütte - Gartlhütte - Santnerpasshütte - Zigolade-Pass - Rotwandhütte (Rif. Roda di Vael)
9 Stunden, 1 100 Höhenmeter

Der Tag begann mit einer großen Tasse guten italienischen Milchkaffee zum Frühstück. Während Karola und Jürgen noch den halben Apfelstrudel vom Vortag verzehrten kam Michaela durch ein aus Versehen in die Tasse gefallenes Nutella zu noch einer Tasse Kaffee. Um 08:15 Uhr waren wir wieder alle zum Abmarsch bereit und während die Kletterer dem Kessselkogel zusteuerten brachen wir - am ruhig gelegenen See vorbei - in Richtung Antermoia-Pass auf. Noch hingen Nebelschwaden in den Tälern, doch es schien wieder ein schöner Tag zu werden. In der kühlen Morgenluft hatten wir bald die höchste Stelle erreicht und querten hinüber zum Grasleitenpass (2 599 m). An der geschlossenen Grasleitenschutzhütte standen auch schon Kletterer für den Einstieg in die Wand bereit. Für uns ging es nun wieder abwärts und bald konnten wir die Vaiolethütte und die aus dem Tal kommenden Wanderer in der Ferne erkennen. Dort angekommen, entschlossen wir uns über das drahtseilversicherte "Gartl" zum Santnerpass aufzusteigen. Nach dem Motto „nur die Starken kommen in den Garten“ hatten wir nach ca. 1 Stunde die Gartlhütte erreicht und freien Blick auf die weltberühmten Vaiolet-Türme, in denen einige waghalsige Kletterer unterwegs waren. Wir deponierten an der Hütte einen Teil des Gepäcks und stiegen etwas erleichtert, einschließlich einer kleinen artistischen Einlage von Karola, die mit einer kl. Beule am Kopf endete, zum Santnerpass (2 734 m) auf. Dort gab es auch ein Gipfelkreuz und viele Klettersteiggeher. Leider blieb uns aber der Blick ins Tal durch immer wieder aufziehende Nebelschwaden verwehrt.

Wir mussten den gleichen Weg wieder ins Val de Vaiolet absteigen, konnten aber Gott sei Dank die Höhe durch einen Steig der Wand entlang, halten. Wir kamen wieder auf den von unten kommenden markierten Weg, der weiter zum Zigolade-Pass (2 579 m) führte. Ja, wir sahen ihn schon lange vor uns liegen und wussten, wenn wir da drüber sind, kann die Rotwandhütte nicht mehr weit sein.

Auf der Passhöhe konnten wir, wie so oft, die Hütte bereits von Weitem sehen und traten vorbei an pfeifenden Murmeltieren und einer Glockenblumenwand - in Erwartung von Speis und Trank beflügelt - den Endspurt für diesen Tag an. An der Hütte angekommen gaben wir gleich die Bestellung fürs Abendessen auf und bezogen unser Zimmer mit 2 Stockbetten. Zufrieden mit uns und dem Tag genehmigten wir uns am Abend den obligatorischen Südtiroler Rotwein und die Geselligkeit fiel um 10 Uhr der angesagten Hüttenruhe zum Opfer. Jedoch hatte Michaela heute noch einen äußerst schwierigen Aufstieg zu bewältigen. Gekonnt setzte sie beim Aufstieg ins Stockbett den einen Fuß auf das Bettgestell und das andere Bein auf das Nachtkästchen. Das war jedoch nicht als Aufstiegshilfe geplant und kippte durch den von oben kommenden Druck um. Ja, da mussten wir Michaela aus ihrer misslichen Lage zwischen Bettgestell und Nachtkästchen befreien und Jürgen fragte dann auch noch, ob jemand etwas zu trinken für ihn hat. Davon abgesehen hatten wir eine ruhige Nacht und auch der auf das Fenster prasselnde erste Regen der Woche konnte uns nicht beunruhigen!




Donnerstag, 01.09.2005
Rotwandhütte - Hirzlweg - Rosengartenhütte - Hanicker Schwaige - Tschaminschwaige
8 Stunden, 500 Höhenmeter

Der nächtliche Regen hatte sich wieder verzogen und aus den Nebelschwaden tauchte die Rotwand vor der Hütte (2 280 m) wieder auf. Heute wollten wir über den Hirzlweg zur Rosengartenhütte; somit die Rosengartengruppe umrunden und anschließend irgendwie wieder hinab zum Parkplatz. Nach unserem Ziel gefragt, hatte Karola dann auch gleich parat: „Wir steigen ins Tschamintal ab“ und wir gingen davon aus, dass es heute fast keine Höhenmeter zu bewältigen gab.

Das sah zuerst auch so aus, denn der Weg führte uns auf gleicher Höhe vorbei am „Cristomannos-Adler“ zur Rosengartenhütte (2339 m), die schon von weitem, nicht zuletzt durch die Liftstation, zu sehen war. Dort legten wir eine Cappucinopause ein und genossen den sonnigen Rundblick auf die vor uns liegenden, schier endlosen Gebirgsketten. Dann war es Zeit zum Abstieg in Richtung Nigerpass und wir gelangten über liebliche Almwiesen mit Blick zurück auf den Rosengarten auf die Wege Nr. 1 und 7. Michaela stellte uns vor die Wahl zum Niger-pass abzusteigen und mit dem Bus zum Parkplatz zu fahren, oder über den Weg 7 über die Baumann- und Hanicker Schwaige zu Fuß zu gehen. Wir entschieden uns für Letzteres, wussten jedoch nicht, dass wir dafür noch einige hundert Höhenmeter zu bewältigen hatten. Also folgten wir dem zum Teil neu angelegten Steig, der auch als Sagenwander- und Schneeschuhweg bezeichnet wurde und wir waren froh, als wir endlich an der Hanicker Schwaige (1 904 m), die direkt unter den Vaiolettürmen liegt, ankamen. Der Garten war am Berghang angelegt und ein aufgeweckter Bursche empfahl uns 2 Brotzeitplatten für 4 Leute, wobei der Schnaps dazu schon etwas gestreckt war! Dann gab es noch einen Kaiserschmarrn mit 4 Gabeln und vier Cappuccini mit 4 Löffel, oder sollten es doch 4 Kaiserschmarrn mit einer Gabel sein??? (laut Empfehlung des Burschen!) Wie auch immer, wir hatten viel Spaß und machten uns gestärkt auf das letzte Stück des Abstiegs. Am rauschenden Wildbach entlang, der auch mal einen Abstecher auf den Wanderweg machte, konnten wir noch einmal die schöne Natur genießen. Beim letzten Stück war Michaela noch einmal gefordert und wir fanden auch noch den Karrenweg durch die Pferdekoppel, der mit drei wunderbaren Parasol am Wegesrand an der Tschaminschwaige endete. Nun war der Kreis geschlossen und wir machten uns nach einer letzten Einkehr auf den Heimweg.

Dank der guten Führung von Michaela haben wir 4 Tage „Mit Sack und Pack durch die Dolomiten“ genossen und ich ziehe folgende Erkenntnis daraus: Wir hatten ausgefüllte Tage mit stetigem bergauf - bergab, aber ... das haben ja Höhenwege so an sich!