Sektion Rosenheim

DAV

des Deutschen Alpenvereins e. V.
   


Komfort-Skidurchquerung der Kitzbüheler Alpen
27.02. - 03.03.2005

Geleitet von Christian Maas

An alle 6 angemeldeten, dann aber nicht einbezahlten und auch nicht teilgenommenen Skitourengeher und -geherinnen sowie Gönner und Freunde der DAV Sektion Rosenheim.

Teilnehmer: 1 Arbeiter, 1 Techniker (2 Machos), 1 Genießer und 1 Eisprinzessin oder die erwähnten Personen beim Namen genannt: Martin, Christian, Dieter und Ingrid

Text: Dieter Schemm
Bilder:
Ingrid Embacher

Sonntag 27.02.05

Treffpunkt der Brettelunternehmung war um 6 Uhr früh auf dem Park & Ride Parkplatz in Pfraundorf. Dort luden wir das Skitourenequipment ins Auto ein und fuhren (düsten) nach Wörgl, dem eigentlichen Ausgangs- und Endpunkt der tirolerischen Wintersporttage. (Für die genauere Wegstrecke besorgen Sie sich bitte entsprechendes Kartenmaterial oder fragen Sie einen der Teilnehmer, er oder sie wird Ihnen die gewünschte Information sicher zukommen lassen. Aber besser, Sie lesen erst weiter, was Sie sicher nicht bereuen werden!)

 

Von der zuvor angesprochenen Stadt am Inn brachte uns ein Postbus nach Inneralpbach, von wo wir über 5 Täler einschließlich 4 Übernachtungen das Vorhaben skitechnisch begannen. Deshalb ohne Umschweife zu Einzelheiten:

Der 1. Tag brachte Überraschungen ohne tourentscheidende Folgen. So schien am Morgen die Sonne im Alpbachtal und wir hofften, das Wetter möge so bleiben. Doch da war der Wunsch „der Vater der Gedanken“ und nach 2 Stunden Aufstieg war es vorbei mit dem wolkenlosen Horizont. Es fing leicht zu schneien an, Nebel setzte zwischenzeitlich ein, die Sicht wurde zunehmend schlechter und es begann ungemütlich zu werden. Auf dem Bergkamm (Schatzberg, Joel, Lempersberg), der das Alpbachtal von der Wildschönau trennt, sah man keine 200 Meter mehr. Doch wir ließen uns deswegen nicht vom eingeschlagenen Weg abbringen und verfolgten unbeirrt unseren Plan.

Im meterhohen Tiefschnee ging es nun über drei Gipfelhöhepunkte einschließlich eines Grates Richtung Lempersberg. Irgendwo dort oben mussten wir den Durchschlupf für die Abfahrt in die Wildschönau finden. Dies war angesichts der sehr verwaschenen Sicht nicht ganz so leicht. Doch wer sucht, der findet und nach einigen Mühen war kurze Zeit später der entscheidende Punkt gefunden. Auf Grund der Wetterbedingungen und des Windes zogen wir es dann vor, dem Gipfel (Lempersberg) nur kurz einen Besuch abzustatten und nach wenigen Minuten abzufahren. 2 Stürze waren dabei zu verkraften, wobei der von Ingrid schwerwiegend, der von Martin unter den Tisch zu kehren ist. Auf den schlimmeren werde ich später in meinem Bericht näher eingehen. Doch letztendlich kamen wir alle mit mehr oder weniger ausgeprägten oder gar keinen Blessuren ins Tal. Da wir nach der Abfahrt vom Berg ziemlich am Ende des Hochtals der Wildschönau waren und wir talauswärts mussten, war der Weg noch nicht abzusehen, was in Folge der Wetterkapriolen all unsere Ausdauer abverlangte. Doch wir gaben alles und schafften dieses Unterfangen, so dass wir erschöpft aber zufrieden in der Frühstückspension (Auffach), wo Christian am Morgen des Tages angerufen hatte und unser Erscheinen ankündigte, ankamen. Dort hatte jeder sein eigenes Zimmer, das Abendessen wurde zu einem 3-Gänge-Menü mit Zuschlag und auch sonst war fast alles paletti!

Montag 28.02.05

Der 2. Tag verlief ähnlich wie der erste, diesmal aber ohne Verletzungen an Leib und Seele. Morgens schien die Sonne, nachmittags mussten wir mit schlechtem Wetter vorlieb nehmen und am Abend wartete ein Zimmer mit Dusche auf uns. Ingrid hatte sich von gestern inzwischen einigermaßen erholt, Martin ging es bestens und nur am Feldalpenhorn konnte man erahnen, was Mode ist. Diesen Berg umgingen wir jedoch großräumig. Bei der Abfahrt am Mittag vom Schweigberghorn war die Lawinensituation zu beachten, doch dank entsprechender Vorsichtsmaßnahmen und den Anweisungen von Christian wurde daraus ein kalkulierbares Risiko. Am Abend des Tages gönnten wir uns dann in einer Gastwirtschaft in Kelchsau ortsansässige Köstlichkeiten, sodass die Kälte der Nacht (10 - 20 Grad Minus dürfte es gehabt haben) den Bildern der Sehnsucht wich!


 

Dienstag 01.03.05

Der 3. Tag brachte Sonnenschein pur am Lodron und am Steinberggipfel, Probleme mit den Steigfellen beim Autor, sowie das übliche.

Mittwoch 02.03.2005

... ein Frühstück a la cart im Steinberghaus (Windautal), gesundheitliche Defizite bei Martin und einen Geheimtipp am Gerstingerjoch mit dazugehörigen wolkenlosen Himmel.

Donnerstag 03.03.2005

Am 5., den letzten Tag war das Wetter dann wechselhaft und unbeständig. Zwar schien am Morgen noch die Sonne, aber auch an diesem Tag, war auf das Gebaren am Himmel kein Verlass. Nach einer langen Taldurchquerung mit Wind, Schneefall und Graupel erreichten wir einen unbedeutenden Passübergang, von wo es nicht mehr weit bis zur abschließenden Abfahrt in das gegenüberliegende Tal war. Ein kurzer Bergaufschwung, eine einfache Querung eines Bergrückens und er hatte uns, der Kulturschock des Skigebietes am „Pass Thurn“. Nachdem wir dies mit unseren Gewissen verantworten konnten, gab es eine kurze Pistenabfahrt, ehe es nach einem unbedeutenden Gegenanstieg auf einen Forstweg zur Gaststätte am Jochbergwald ging. Da der Bus nach Kitzbühel noch auf sich warten ließ gönnten wir uns in der Wirtschaft gleich neben der Haltestelle eine kleine Stärkung in Form von Speis und Trank, ehe uns ein vollbesetztes öffentliches Verkehrsmittel zum Veranstaltungsort der Streif, ein bedeutendes Skirennen, in Kitzbühel brachte. Zur anschließenden Zugreise nach Wörgl später mehr.


Um nicht zu Ende zu kommen, zu weiteren erwähnenswerten Fakten und Details! Einzelzimmer ohne Zuschlag, Duschen ohne Angst zu haben, das Wasser reicht nur für das Einseifen und Frühstücke, ohne auf die Kalorien zu achten waren positive Beigaben der Skitour, doch es kommt noch besser:

Herrlicher Pulver in unverspurten Schneehängen, bekannte Bergeshöhen, auf denen bei unserer Durchquerung zur großen Freude die Stille und Einsamkeit Einzug hielt, eine Winterlandschaft, die Balsam für Körper und Seele darstellte und Sonnenschein für alle Fälle! Spaß war aber auch durch 4 Teilnehmer der etwas anderen Skitour gegeben.

Diese sollen nun mit einigen ihrer Unzulänglichkeiten und Fehlern während der Tour ein bisschen vorgestellt werden.

Martin „Spitzname Rappi“ - groß gewachsen, schlank, unverheiratet und für jeden Unfug zu haben - erkrankte an einer Darmgrippe und litt kurzweilig an allen Symptomen und Nebenwirkungen, die dazugehören. Dabei entdeckte er eine schlaflose Nacht, als notwendiges Übel. Trotzdem zeigte er sich den Umständen zum Trotz nicht als Memme, sondern als Mann!

Ingrid, unsere Eisprinzessin war nicht nur optisch eine Augenweide. Mit ihrem Lächeln brachte sie jeden Kältepol zum Schmelzen, zudem erwies sich dies Mädel als absolut pflegeleicht und unkompliziert. Des weiteren als berg- und sturztauglich, da sie tapfer und hingebungsvoll, nachdem sie in der ersten Tiefschneeabfahrt der Durchquerung stürzte und sich die Lippe an einem Stein blutig schlug, bis zur Unterkunft des Abends durchhielt.

 

Dieter, der Autor des Textes, hat noch kein graues Haar, herzerfrischenden Humor, einige Lebensfalten auf seinem Gesicht und war womöglich die tiefgründigste Person unter den Teilnehmern! Doch wie es auch dazu kam irgendwie übertrieb er es mit der Sorglosigkeit der Klebefelle an einem eiskalten Wintermorgen.

Christian, „unser Guide“ ist eine Person von kräftiger Statur, groß gewachsen, neigt zu etwas schütterem Haar und zeigte sich in den Tagen des Schnees als umsichtiger und gewissenhafter Führer. Doch gab es bei ihm einen Tag, wo das angesprochene Wesen aus Fleisch und Blut mit den ‚Skispitzen im Astwerk eines Baumes hängen blieb“. Die Folge davon war, dass er in den Schnee fiel, ungezwungen das gefrorene Nass küsste und nur durch fachkundige Mithilfe seiner Begleiter die Vertikale zum Abschluss brachte.

So trug jeder Teilnehmer dazu bei, dass keine Langeweile aufkam.

Jetzt ein paar Worte zu den Übernachtungen die ein Biwak nicht ausschlossen. Reservierungen hatten wir keine, doch wie anzumerken ist, hat auf einer solchen Art von Tour eine Nächtigung im Freien nichts zu suchen. Die Bettgeschichten und Träume des Schlafes waren deshalb angenehm und wohltuend, nur die letzte Ruhemöglichkeit während der Nacht warf einen Schatten auf die ersten 3 Herbergen. Mit dem schwarzen Schaf ist die „Oberlandhütte“ in Aschau gemeint. Glauben Sie es mir oder nicht, dort gibt es ein Zimmer, genauer gesagt ein 4-Bett-Lager, wo kuscheln zur eigentlichen Pflicht- (Sport-) aufgabe werden könnte. Denn klein, kleiner am engsten, hautnah anliegend und die Unschuld ist gerettet. Gerade deshalb waren wir uns mit dem Führer einig, bei der nächsten Skidurchquerung der Kitzbüheler Alpen diese Alpenvereinshütte nicht mehr ins Programm aufzunehmen und wie bei den Übernachtungen zuvor bei dieser Tour zu verfahren, um im Wiederholungsfall eine Skikomfortdurchquerung „Plus“ daraus kreieren zu können.

Die Morgen waren gerettet und die Abende weitgehend überschaubar, Busse und Bahnen Österreichs, die wir benutzten, zeigten sich fast immer stress- und sorgenfrei und gaben keinen Anlass zur Klage. Selbst das Parkhaus in Wörgl ließ sich angesichts von fließend warmen Wasser und Heizung in den Zimmern nicht lumpen und passte sich den Gegebenheiten preislich dementsprechend an, als wir dort das Auto für die Tage des Nichtbenötigens unterstellten.

Das leibliche Wohl kam während der Tour natürlich auch nicht zu kurz. Dafür wurden entsprechende Vorbereitungen getroffen: Martin hatte für unterwegs Beeren, Mandeln, Rosinen und Haselnüsse dabei, Ingrid erfreute uns mit ihrem Anblick und einem Kirschbonbon, Christian stellte fachkundige Informationen über Berge, Lawinensituation und Wegstrecke und Dieter, der Autor, den Lesern seine unnachahmlichen Ausführungen, so dass die Schwere des Rucksacks der Leichtigkeit des Seins wich! Schnaps gab es auf dieser Skitour sowieso, selbst Weintrauben fanden beim Frühstück den Weg in diverse Mägen. Wir konnten es uns sogar leisten, zwei ganze Tafeln Schokolade auf dem heimatlichen Nachttisch liegen zulassen.

Es ist auch zu erwähnen, dass auf dieser Reise irgendwie jeder seinen persönlichen Träger (Sherpa) dabei hatte, und sei es nur als Aufbewahrer eines 2-Mann-Biwakschlafsackes, als Verstauer eines Ersatzsteigfelles oder als Anbieter von Süßigkeiten sowie schmackhaften Gebäcks. Vereinzelt waren die rund 6 Stunden täglich in der freien Natur etwas anstrengend, doch im groben und ganzen küsste der Zauber der Berge uns so lieblich, dass wir die vorzügliche Tarnung eines Schneehuhnes übersahen und das Tier in seiner Mittagsruhe störten, ganz zu schweigen von einer Schar Gemsen auf Bergeshöhe.

Kleine Anekdote nebenbei. Der Wirt bzw. der Vermieter der Zimmer in einer der Frühstückspensionen meinte, wo und wie wir dem menschlichen Bedürfnis auf der Skitour nachgingen, also wenn wir mal aufs Klo müssten! Entweder war der Fragende noch nie auf einer Skitour oder es handelt sich dabei um „kein“ Kind der Berge!

Man kann zusammenfassend sagen, das es bis zum Schluss eine Komfort-Skidurchquerung war! Schließlich hatten die drei Helden und eine Heldin der Grate, Wechten und rießengroßen Steinhaufen auf der Heimfahrt von Kitzbühel nach Wörgl ein ganzes Abteil der ÖBB für sich alleine, dem Himmel sei Dank. Somit schließe ich nun meinen Bericht über diese Wattebauschtour in den Kitzbüheler Alpen mit den Worten „Berg Heil“ und hoffe, so manchen neugierig gemacht zu haben.