Sektion Rosenheim

DAV

des Deutschen Alpenvereins e. V.
   


Kleine Haute Route
22. - 26. April 2007

Teilnehmer und Autoren: Conny, Karin, Gaby, Hannelore und Wolfgang
Tourenbegleiter und Zusammenfassung des folgenden Berichtes: Christian Maas
Bilder: Wolfgang

Sonntag, 22.04.07

Am Sonntag vier Uhr morgens war Treffpunkt in Pfraundorf am Park & Ride-Parkplatz für die Walliser Skidurchquerung „Kleine Haute Route“. Wolfgang hat sich liebenswerter Weise als Fahrer gemeldet. Er hat einen Bus mit Dachträger, in dem wir sechs Teilnehmer plus die viele Ausrüstung gut Platz hatten. Als fast alles gut verstaut war, fragte Christian so nebenbei, ob jeder seinen Ausweis griffbereit hat. Ha! … zwei erschrockene Gesichter - und schnell noch mal heim und die vergessenen Ausweise geholt.

Gegen halb 5 Uhr konnten wir losfahren. Die 650 km lange Fahrt verlief problemlos über München, Bregenz, Zürich, Bern, Montreux nach Martigny. Dort stellten wir gegen 11 Uhr das Auto auf einen Coop-Parkplatz, wo man kostenlos auch über mehrere Tage parken kann.

Die Skitourensachen angezogen, die Ausrüstung gecheckt, alles noch mal richtig sortiert, den Rucksack gepackt und hergerichtet ging es zu Fuß in ca. 15 Min. zum Bahnhof von Martigny. Dort fuhren wir um 12:11 Uhr mit dem Zug inkl. kurzer Busfahrt aufgrund Schienenersatzverkehrs in Richtung Orsieres und stiegen in Le Chable kurz vor Verbier aus. Von Le Chable ging es mit dem Lift ins Skigebiet Verbier unserer ersten Unterkunft der Cabane de Mont Fort (2 457 m) entgegen, die noch im Skigebiet Verbier liegt. Nach zweimaligem Umsteigen sind wir zuletzt noch in einer riesigen Großraumgondel zum Col de Gentianes gefahren und haben zwischendurch bestaunt, wie wenig Schnee auch hier liegt. Vom Gipfel des Mont Fort (3 328 m), auf den man von dort einen tollen Blick hat, fand gerade ein Geschwindigkeitsrekord-Versuch eine beeindruckend steile Piste hinab statt. Es konnte jedermann teilnehmen. Wir schauten einigen Fahrern zu. 218 km/h hatte der Schnellste bis dahin geschafft. Nicht übel, dachten wir. Ist aber für uns nun wirklich nichts.

Die Abfahrt zur Cabane de Mont Fort auf den Pisten des Skigebietes war nicht sehr lang, aber der schwere Rucksack drückte und man war dieses Gewicht ja (noch!) nicht gewöhnt. An der netten Hütte angelangt, die auf einem sehr schönen Platz liegt, bezogen wir unser Lager und setzten uns danach relaxt in die Sonne. Der Blick von der Hüttenterrasse ist gigantisch schön. Wir genossen diesen Ausblick und noch das eine oder andere teure Schweizer Büchsenbier und die Probier-Wurscht von Wolfgangs Metzger nicht zu vergessen. Christian zeigte uns die Scharte „Col de Chaux“ (2 980 m), die am nächsten Tag unser erstes Zwischenziel werden sollte und von der Hütte aus gut erkennbar ist. Wir verbrachten einen gemütlichen Abend auf der nicht vollen Hütte und waren recht gespannt auf die nächsten vier Tourentage.

 

Montag, 23.04.07

Unsere Tour beginnt an der Cabane de Monte Fort. Um 07:20 Uhr starten wir, super pünktlich wohlgemerkt! Nach dieser sehr gut geschlafenen Nacht müssen wir ja schließlich fit sein. Da die Hütte halb leer war haben Conny, Gaby und ich schon vorzeitig die Flucht ergriffen, bevor wir durch nächtliche Schnarchattacken gestört werden!

Nun gut … zurück zur Tour, anfangs Querung des Skigebietes, weiter über das "Col de Chaux" Richtung Rosa Blanche (unser Gipfel für den heutigen Tag!). Unterhalb des Gipfels machten wir unser Skidepot, zu Fuß schnell auf den Gipfel und genossen die Umgebung bei super Sonne!

Nach kurzer Pause ging's frisch gestärkt zu unserem nächsten Etappenziel, der Cabane de Prafleuri. Jetzt war Piz Buin angesagt (O-Ton Christian). Wir hatten ja Zeit, da es erst 12:30 Uhr war! Also ganzer Nachmittag zur „freien“ Verfügung! Solche Nachmittage können schon recht lang werden, aber mit Kaffee und ein „paar“ Bierchen (die man-frau gut verträgt, grins) bekamen wir auch den Nachmittag rum.

Bis dann endlich das heiß ersehnte Abendessen kam. So haben wir unsere erste Strecke der Durchquerung gut überstanden!

 

Dienstag, 24.04.07

Nach einem nicht gerade üppigen Frühstück steigen wir gegen 7 Uhr zum Col des Roux (2 804 m) auf. Unser Ziel ist heute die 2 928 m hoch gelegene Cabane des Dix. Das Bergwetter zeigte sich wie jeden Tag von seiner besten Seite, sodass uns auch der nicht gerade gführige Schnee nicht aus der Fassung brachte. Vom Col beginnt eine ewig lange Querpassage (ideal zum Blasenlaufen) zum Lac des Dix mit seiner angeblich höchsten Staumauer der Welt. Nochmal legen wir die Felle an und erreichen über den Pas du Chat den Cheilon Gletscher. Conny und Karin ziehen sich noch eine Fleißaufgabe rein und besuchen noch den Col de Cheilon. Der Rest der Gruppe genießt bei einem kühlen Bier die herrlichen Ausblicke zu den umliegenden Gipfeln mit ihren Gletschern. Auf der Hüttenterrasse lassen wir den Tag, unter den Beobachtungen von Conny mit den dazu führenden Kommentaren (in der Hoffnung, dass es zu keinem Einzelgespräche führe), fröhlich ausklingen. Nach einem nachschlaghaltigen Abendessen suchen wir zufrieden unsere Lager auf und denken schon an den nächsten Tag, der uns 1 400 Höhenmeter bescheren wird!

 


Mittwoch, 25.04.07

Vorab kurz zu meiner Person: Mein Name ist Wolfgang Heinz, bin 52 Jahre und wohne in Oberaudorf. Vor 2 ½ Jahren bin ich aus dem Raum Siegen zugereist. Der Grund waren die Berge, meine Leidenschaft zum Skibergsteigen und die vielen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.

Eckdaten der Etappe: von der Cabane des Dix (2 928 m) über Arolla zur Cabane de Bertol (3 311 m)
Höhenmeter: ca. 1 400 m, Wetter: tagsüber sonnig, abends bewölkt. Gehzeit ca. 7 1/2 Stunden.

Nachdem wir von einem Heli der Air Zermatt pünktlich um 5 Uhr aus unseren Betten gerissen wurden, (Hubschrauber landete bei Dunkelheit zum Abtransport eines Verletzten) frühstückten wir und waren dann nach Vorgabe von Christian um 6 Uhr bereit zum Aufbruch. Die erste Aufgabe bestand darin, den „knüppelharten“ Hüttenhang runter auf den Clasier de Cheilon zu bewältigen.

Nach kurzer Querung über den Gletscher ging es gleich zum nächsten Highlight. Ski auf den Rucksack und mit ein wenig „Krummeln“ im Bauch über senkrecht angebrachte Leitern rauf zum Pas de Chèvres.

Am Ende der Leitern flatterten uns tibetische Gebetsfahnen entgegen, die ein wenig Sehnsucht zu „den ganz hohen Bergen“ aufkommen ließen. Nun, die Ski wieder unter den Füßen (da wo sie hingehören), fuhren wir zunächst im Gebiet Montagne de Arolla weiter durch das bereits geschlossene Skigebiet, durchsetzt mit einzelnen Tragepassagen, runter nach Arolla. Hier war noch mal ganz deutlich zu sehen, was der Natur durch die Betreibung von Skiliften und bis zum letzten ausgenutzten Schneefetzen angetan wird! Grauselig! Bis hierher waren wir nun ca. 2 Stunden unterwegs und standen mitten im Grünen.

 

Die Ski wieder am Rucksack ging es dann vorbei am Heliport (Christians Augen glänzten) talaufwärts bis zum Auslauf des Clasier de Arolla. Mit dem Gedanken, noch ca. 1 000 Höhenmeter vor uns zu haben, gingen wir dann wieder mit Fellen durch recht kopiertes Gelände, das mächtige Massiv des  M. Collon im Blickfeld, Richtung Dents de Bertol und somit zur gleichnamigen Hütte. Es war heiß. Was uns anspornte, waren zwei Gruppen, die das letzte große Schneefeld vor dem Col de Bertol zügig passierten.

Angekommen am Col, stellten wir Ski und Stöcke am Felsen ab und bereiteten uns auf den sehr interessanten Hüttenanstieg vor. Der Anstieg erfolgte dann die letzten knapp 50 Hm ausgesetzt über Leitern zur viergeschossigen Hütte und die Aussicht auf die umliegenden klassischen 4 000der war grandios! Schade, dass es am Nachmittag neblig wurde, und das Hörnli nur noch schemenhaft zu sehen war.

Am Abend wurde es dann noch mal recht lustig, als Karin beim Versuch der Wiedergutmachung eine Runde durch die Hütte robben sollte, was aber dann doch nicht zur Ausführung kam, da Christian und Karin sich nicht über die Regeln (z. B. an der Ziellinie Rotwein vom Boden auflecken) einigen konnten. Conny, die auch involviert war, verabschiedete sich schon am Anfang mit dem Satz: „aus dem „Robbenalter“ bin ich raus. Wir gingen dann um ca. 21:00 Uhr zum Schlafen, mit Vorfreude auf den Tag 5.

 

Donnerstag, 26. 04 07

Cabane de Bertol (3 311m): Wir stehen kurz nach 5 Uhr auf und genießen das vor allem aus löslichen (Kaffee-, Milch-, Kaba-, ...) Pulver bestehende Frühstück. Wasser zum Waschen gibt es nicht, und auch der luftige Gang auf das ammoniumdurchtränkte Klohäusl geht zwangsläufig zügig vonstatten. So brechen wir bald auf: Noch etwas müde und verschlafen, mancher motorisch noch unkoordiniert! Doch dieser Zustand ist nur von kurzer Dauer! Der Abstieg von der Hütte zum Skidepot über die fast senkrechte Eisenleiter – knappe 50 Hm hoch! – erfordert im 1. Licht des Tages so viel Konzentration, dass jeder nunmehr hellwach ist.

Wir fellen am Col de Bertol an und erreichen nach ca. 2 Stunden über den Glacier du Mont Miné unseren heutigen Gipfel, die Tête Blanche (3 724 m). Hier beginnt unsere letzte Abfahrt: über den Col de la Tête Blanche auf den Stockjigletscher, dann die steile Einfahrt auf den Tiefmattengletscher und schließlich über den Zmuttgletscher Richtung Zermatt. Traumhafte Hänge meist idealer Neigung, (überraschend) gut zu fahrender Schnee, vorbei an imposanten Eisbrüchen und schließlich – als das Wetter ganz aufreißt – Aug in Aug mit dem Matterhorn! Doch auch im Wallis hat der schneearme Winter seine Spuren hinterlassen!

Wir müssen auf ca. 2200 m unsere Ski abschnallen und gute 2 Stunden über zunächst holpriges Blockgelände nach Furi gehen – mancher auch stolpern! Von Furi bringt uns dann die Seilbahn ins blühende Zermatt hinunter, wo uns – Gott sei Dank! – der Coop vor dem Vertrocknen bewahrt!

Weitere 2 Stunden Zugfahrt von Zermatt über Visp durchs Rhônetal nach Martigny – zu unserem Auto - ließen uns langsam von der Walliser Bergwelt Abschied nehmen. Allerdings – so haben wir beschlossen – nur einen Abschied auf Zeit! Wir kommen wieder!!!

Fazit: Es war eine schöne genussvolle Skitourenwoche mit super Wetter und bester Stimmung. Wir haben viel gesehen und erlebt. Einen herzlichen Dank an Wolfgang fürs Autofahren und Fotografieren. Danke auch für das tolle Nachtreffen.