Sektion Rosenheim

DAV

des Deutschen Alpenvereins e. V.
   


Wanderfahrt nach Kreta vom 14.-28. Mai 1998


Geleitet von Kurt Möller und Elias


Nahezu alle geplanten Touren - darunter die Besteigung von drei bedeutenden Gipfeln der Insel - konnten bei schönstem Frühlingswetter durchgeführt werden. Sehr schön, interessant und auch etwas anstrengend.

Teilnehmer:
Britta Dahbi, Martha Döhring, Sepp und Edeltraut Feistl, Annemarie Ferber, Irmi Furtner, Anna Gruber, Gabi Heinz, Gebhard und Barbara HolzmannScholz, Harro und Olga Kranzbühler, Rolf und Helga Kühnert, Paula Kummer, Marga Leingartner, Adi und Gitti, Kurt the Möller, Alfons und Isi Niedermaier, Otto und Dicki Niklas, Christa Rein, Gerhard mitn Kappi, Regine Schneidawind, Wolfgang und Friedel Sieber, Margit Sondershaus, Lona Spehlmann, Hanna Titze, Gotthard und Ingrid Weiser, Ludwig und Uschi Wieland, Wast Wierl.
Und last not least: Kultur-Elias und driver-Nico.
Text und Bilder:
Gotthard Weiser

Donnerstag, 14.5.1998 - Anreise
Venezianische Treppe in Chania Nachmittags schöner Flug nach Chania. Das Flughafengebäude dort ist mit blütenweißem Marmor ausgelegt - was sonst in Griechenland. Wir fahren abends mit Niko und seinem Bus "Gruppe Möller" ins schöne Hotel Sirios Village. Chania ist verwinkelt und südländisch durcheinander. Das Hotel liegt schön, lauter kleine Häuschen, ein Schwimmbad in der Mitte, Bananenbäume dazwischen. Kurt, unser großer Organisator sagt, morgen gehts um acht Uhr ab. Wir nehmen ein gutes, spätes Abendessen ein und schlafen ausnahmsweise ohne Mücken.


15.5. Gingilos
Erste steile Bergfahrt mit Niko's MAN-Turbodiesel, 350 PS, wie er stolz verkündet. Niko ist bullig wie sein Fahrzeug, dick, rund, sehr kräftig, mit glänzend polierter Plattn. Ein Grieche wie man ihn sich vorstellt, er kann lachen wie ein Kind. Seinen MAN steuert er meisterhaft auch durch die engsten Gassen. Wir kommen durch ein Dorf, das mit seiner malerischen Kirche genau auf einer Sattelfläche liegt. Kreta - keine Insel, sondern ein Kontinent - ist in der Tat sehr gebirgig, fast ein einziges Gebirge. Doch zwischen den Bergketten tun sich immer wieder überraschend Hochtäler auf, eben und fast rund.
So auch die Omalos-Hochebene, 1300m, die unseren heutigen Ausgangspunkt zur Besteigung des Gingilos bildet. Wir fahren noch bis zu einer Paßhöhe, die auch Ausgangspunkt zur Samaria-Schlucht ist, und gehen von dort los, nicht ohne uns vorher in einem Laden proviantiert zu haben. Der Rosenheimer Gaudiwurm, etwa 35 Leute diesmal, setzt sich mit eifrigem Steckerltackln in Bewegung. Nach kurzer Zeit entfernt sich, wie stets, die Spitzengruppe. Der mittelsteile, gewundene Pfad führt durch dorniges Gestrüpp nach Westen aufwärts, die Sonne scheint warm und immer wärmer. Nun wird es ebener, wir durchschreiten ein wildes Felsentor, an steilen Wänden entlang, kurze Brotzeit an einer Quelle. Dann weiter auf einen Sattel, von wo wir zum ersten mal aufs libysche Meer blicken, Richtung Afrika. Kaddafi schickt von dort dummes Wetter sagen die Kreter. Es weht schon etwas.

Die Weissen Berge vom Gingilos aus

Der Anstieg vom Sattel auf den Gipfel ist felsig, man muß manchmal etwas hinlangen. Nicht alle machen das mit. Aber dann schöne Aussicht vom Gipfel übers weite Meer; eigentlich ist es eher ein Nebengipfel. Der Hauptgipfel wird von Marga bestiegen, wegen Foto. Die "Weißen Berge" gegenüber haben noch einiges an Altschnee. Etwas für einsame Skitouren? Der Abstieg auf gleicher Route, nun wird auch der Blick frei für die exotischen Pflanzen am Weg. Kühles Amstel auf der Paßhöhe (Sponsored by Amstel Breweries), dann zurück an die heimischen Fleischtöpfe. Otto pfeift zufrieden eine Mozartmesse.

Heimische Flora am Gingilos

16.5. Rodopou
Wir wollen heute auf der westlich gelegenen Halbinsel Rodopou wandern, und zwar zuerst vom Dorf Rodopos zur Kapelle Agios Ioannis, dann an der Küste zurück zum Ausgangspunkt. Nun ist auch Elias eingetroffen, unser zusätzlicher griechischer Reiseführer aus Athen. Ein kleiner, etwas beleibter Gemütsmensch und mehr für die Kultur zuständig.
Auf der Fahrt nach Rodopos kommen wir zuerst am deutschen Soldatenfriedhof Meleme vorbei und Elias erzählt uns einiges über die Kämpfe im letzten Weltkrieg. Er plädiert für den Frieden und wir besichtigen die Gräber von mehr als 5000 deutschen Soldaten, von denen die meisten an nur wenigen Tagen im Mai 1941 gefallen sind. Etwas nachdenklich noch starten wir später unsere Wanderung.
Auf breitem, sandigen Fahrweg geht es schwülwarm und langsam ansteigend in immer ödere Karstflächen hinein. Schafe, Ziegen die auf Bergen fortgeschmissener Orangen sich den Bauch vollhauen. Geier in der Luft. Gelegentlich ein einheimischer Bauer im Japaner-Pickup, zerbeult aber fahrbereit. Dann sind wir auf der Kimme eines Gebirgszuges, der Blick öffnet sich plötzlich weit nach Norden und wir steigen steil ab Richtung Kapelle.

Agios Ioannis auf Rodopou
zum Vergrößern bitte anklicken!

Die liegt in einem schüsselförmigen, fruchtbaren Hochtal aus roter Erde. Der Fußpfad ist steinig und altehrwürdig, über Jahrhunderte der Weg für zahllose Esel. Nun kommen wir Freizeitkünstler hinzu. Schließlich erreichen wir die Kapelle. Elias erzählt uns viel über Ikonen, Schutzheilige, Kindstaufen und Schafeklauen. Letzteres ist verboten, zur Bewirtung der Taufgäste aber unerläßlich. Die Griechen lösen dieses Problem durch aktives Wegschauen beim Schafeklau. Brotzeit. Ein paar versorgen sich mit Wasser aus der Zisterne, es wird sich bald darauf bemerkbar machen.Der Rückweg führt erst an die Westseite der Halbinsel und biegt dort Richtung Süden ansteigend ab. Ein Joch ist noch zu überschreiten, bevor wir unseren Ausgangspunkt wieder erreichen.


Flora auf Rodopou







Der Pfad führt in mittlerer Höhe über der Küste entlang und vermittelt einen weiten Überblick über eine Meeresbucht bis zur westlichsten Halbinsel von Kreta. Wirklich schön. Auch schön warm beim Gegenanstieg. Die Mannschaft trennt sich wieder in Roasn und Schleicher. Elias wird am ersten Tag mit uns gleich ganz schön ins Wasser geschmissen. Er schwitzt höllisch, die Schuhe drücken ihn und er sagt wir sind gedopt. Ich nehme ihm das nicht übel, denn er raucht und unterstützt mich somit. Außerdem hat er recht, denn zurück in Rodopos dopen wir uns sofort mit einer kühlen Halben, mindestens.


Sonntag, 17.5.
Imbros-Schlucht
Die für heute vorgesehene Samaria-Schlucht ist wegen der gestrigen Gewitter gesperrt. Sie muß deshalb leider ganz ausfallen, da sie später fahrmäßig nicht mehr zu bewältigen wäre. Wir begehen statt dessen die kürzere, aber sehr reizvolle Imbros-Schlucht, etwa 600 m Abstieg von Imbros (Elias setzt einen kurzen Kaffee durch) nach Komitades. Das Tal hat einen eher idyllischen Charakter, zuerst relativ breit, dann aber verengt es sich immer mehr, bis senkrechte kompakte Felswände auf etwa 1 m zusammenrücken und in Schlangenlinien durchs Gebirge führen. Der Bach ist trocken und hat scheints lange Zeit nicht viel Wasser gehabt.

Inneres der Imbros-Schlucht
Auf halbem Wege Rast bei einem improvisierten Getränkeausschank mitten in der Schlucht. Elias kennt natürlich auch diesen "Wirt" und ist bestrebt, für unser Wohl und das des Wirtes zu sorgen. Er hat übrigens frische Schuhe und fühlt sich darin sauwohl, dem Hermes sei Dank. Am Ende der Schlucht landen wir in einer Taverne nahe der Küste am libyschen Meer. Nach einer Doping-Halben gehts im Bus zu unserem neuen Domizil, Hotel Alianthos im Badeort Plakias.
Die Fahrt - erst auf Meereshöhe, vorbei an der Burg Frangokastello (auch hier haben einst die bösen Türken Kreter gemetzelt) - gerät zunehmend abenteuerlich. Die Straße steigt nun an, in immer steileren Windungen mit weitem Blick übers Meer. In einer besonders engen Kurve hat man die eine Hälfte der Straße neu unterfangen, vorbildlich. Die andere Straßenhälfte ist einfach weg, vielleicht kommt sie später mal dran. Nico turnt mit vollem Bus am Abgrund vorbei. Gleich anschließend ist die neue Straße abgesackt, mit einem plötzlichen Loch in der Mitte. Nachtfahrer aufpassen!

Nico wummert unbeeindruckt weiter, die Dörfer werden mit Handbreit Abstand durchfahren. Plötzlich ein herrlicher Tiefblick auf unseren Zielort Plakias, an einer malerisch von Bergen umrahmten Badebucht gelegen. Aaahh...ooohhh... Aber noch sind wir nicht dort. Der Bus muß noch einige sehr steile und sehr enge Kehren nehmen hinunter zu einer sehr, sehr schmalen Brücke, die so aussieht als würde sie gerade noch halten. Aber Nico kennt sich aus, fährt die Kurven "auf zweimal" und peilt haarscharf über die Brücke. Anschließend begeistertes Klatschen für diese Bravourleistung.Später einchecken im Hotel, gemeinsames griechisches Speisen in einer etwas gammligen aber wirklich gemütlichen Taverne an der Traummeile des Ortes. Je dicker die Wirtin, umso besser das Essen. Der Elias hat uns gesteuert und kennt, glaub ich, auch diese Wirtin. Ich selber schmecke davon heute leider garnichts, habe Mordskatarr und bekämpfe diesen mit zwei großzügigen Ouso's. Gabi macht mich entrüstet darauf aufmerksam, daß mich die Griechen nun für einen Säufer halten. Es war aber Medizin, denn am nächsten Tag ist der Katarr weg, meine Stimme auch.


18.5. Aradena-Schlucht
Weil das Schluchteln so schön war, probieren wirs heute gleich nochmal. Vorgesehen ist die Aradena-Schlucht, die von Anopolis - kleines Bergdorf auf 800 m - in einem Bogen hinabzieht zur Marmara-Bucht an der Südküste. Ingrid macht heute Urlaub vom Urlaub. Nico fährt uns die gleiche Gruselpiste wie gestern zurück, bloß noch weiter in steilen Kehren hinauf nach Anopolis und bis zu einer Behelfsbrücke, die über die tief eingeschnittene Schlucht führt.
Elias erzählt während der Fahrt zur Beruhigung alle Schandtaten der alten Götter, mit Kronos beginnend, der seinen Vater Uranos entmannte. Aber es sollte ihm nicht gut bekommen, und sein Sohn Zeus fiel auch nicht weit vom Stamm. Wir überqueren besagte Pionierbrücke zu Fuß und erreichen den Boden der Aradena-Schlucht, durch ein verlassenes Dorf und dann absteigend über einen steilen Pfad. Die Schlucht ist hier vielleicht 20 m breit mit gut 100 m hohen senkrechten Felswänden, eindrucksvoll. Der Grund der Schlucht ist - Zeus sei Dank - schattig bei der heutigen Hitze und übersät mit toten Hunden und toten Ziegen, völlig ausgetrocknet. Die Geier kreisen hoch droben und warten auf uns, sie bekommen alles mit. Ist die Wand auch noch so steil, paar Goaßn meckern allaweil. Man glaubt nicht, wo diese Viecher sich überall halten.
Plötzlich von hoch droben ein schreckliches Donnern - Steinschlag. Welchen Gott haben wir beleidigt mit unserem frechen Eindringen in diese geweihte Stätte? Etwa gar Poseidon, den Erderschütterer? Nein, es war höchstens Automobilos, der Schutzheilige der Fuhrleute. Das Lawinengeräusch kommt nämlich von der Brücke, über deren Holzbohlen ein Eselskarren donnert, Xylophon auf kretisch.
Beruhigt machen wir uns auf den Weiterweg. Bald aber wird doch noch wahr, was Kurt angedroht hat: wir müssen einen hohen Absturz abklettern, der durch einen Bergsturz gebildet wurde. Natürlich ist unsere tapfere Truppe durch sowas nicht zu erschrecken und nimmt die Schlüsselstelle elegant über eine eiserne Leiter, die wir immer dabei haben. Notfalls hängen sogar noch paar Ketten hier herum, zum Abkettln per Hand. Nach dieser schweren Prüfung ist eine Brotzeit fällig, dann gehts weiter schluchtab, nun nicht mehr so wild. Wir stoßen auf Schafherden, kleine Viecher mit langem zotteligen Fell. Weiter unten beginnt aufeinmal wilder Oleander - was man bei uns zuhause mühsam und mit Stolz heranzüchtet, wächst hier in rauhen Mengen, büscheweis und ganz umsonst. Wir raufen uns durch den Oleander, der Weg ist schwer zu finden. Es wird sehr warm, heute kriegen wir doch noch einen Durscht zsamm, dem Dionysos sei dank.

Oleanderwald in der Aradena-Schlucht
In der kleinen malerischen Marmara-Bucht angekommen, stürzen sich unsere Wasserratten ins Meer, natürlich auch Kurt und Gebhard, der Spezialist für Überschwemmenlassen durch Meereswogen. Er legt sich einfach in den Sand und läßt sich das Meer überlaufen, völlig passiv. Sowas! Da lob ich mir schon die aktive Innenbefeuchtung, die andere in der nahen Taverne bevorzugen. Amstel überall, Griechenland fest im Griff der holländischen Bierbrauer.
Der Heimweg birgt noch leichte Hindernisse. Wir müssen zu Fuß, schön über dem libyschen Meer entlang, ins nächste Fischerdorf Loutro, um von dort mit der Fähre zum Bus zu kommen. Loutro liegt in einer verträumtem kleinen Bucht, von schroffen Hängen und Felsen umgeben. Fischer sind keine mehr zu sehen, statt dessen batterieweise kleine Hotelchen frisch aus dem Boden gestampft. Im Winter Geisterorte, sagt Elias.
Nach weiterem Flüssigkeitsausgleich, wahlweise Heineken, gehen wir der Fähre entgegen, die mit einer gewaltigen Rußfahne am Horizont auftaucht. Mangels eines Landesteges schwimmt das riesige Schiff mit geöffnetem Maul direkt auf den Sandstrand zu, um die Passagiere aufzunehmen. Habe sowas vorher noch nie gesehen, einfach genial. Die Fähre ist gesteckt voll Urlauber, die haben sich aber alle nicht so mit dem kretischen Gelände herumgeprügelt wie wir. Am nächsten Hafen, Sfakion, wieder raus, rein in den Bus, Gruselstrecke mit Applaus für Nico zurück nach Plakias. Abendessen diesmal in einem anderen Lokal, aber nicht so gut wie bei Mammi am Boulevard. Ich hau mir den Zeh am Bettbein an und wir schlafen irgendwann trotz sirrender Mücken.

19.5. Preveli
Wir besichtigen das Kloster Preveli samt seiner alten, prächtigen Kirche. Ikonen, eigener Bischofsstuhl mit Halbsitz. Elias erzählt u.a., daß die Klöster während der Besatzungszeiten durch heimlichen Unterricht die griechische Sprache und Kultur im Volk bewahrt haben. Und Griechenland samt Kreta war meistens besetzt. Ansonsten herrscht in Griechenland eine völlige Trennung von Kirche und Staat. Trotzdem sind Bischöfe, Popen etc. Staatsangestellte und auch die Klöster werden vom Staat unterhalten. Besuchen erlaubt, Fotografieren verboten!
Wir setzen den obatzt'n Tag fort mit einem Gang zum Palmenstrand von Preveli, auch am libyschen Meer. Einige trauen sich ins kühle Wasser, ich hab noch Schnupfen und kühle mich von innen. Ein kräftiger bayrischer Urlauber läßt es sich nicht nehmen, einige unserer Damen durch den kalten Fluß zu tragen um auf den Weiterweg zu gelangen. Kurt zieht mit und läßt sichs auch nicht nehmen. Ja, auf so einen Führer ist Verlaß!

 Strand von Preveli

Anschließend heftige Beratung über den Weiterweg, alle wichtigen Leute reden mit. Man macht den schweren Fehler, Einheimische nach dem Weg zu fragen. Schließlich setzt sich die göttliche Eingebung des Hermes durch und die wichtigen Leute entscheiden sich für den einzigen Weg der da ist, nämlich die gut geschotterte Fahrstraße. Einige Abkürzer können wir dem ungepflegten kretischen Gelände doch noch abtrotzen, und sei es nur um feindlichen Motorrädern, Jeeps und anderen Freizeitrittern zu entgehen, die auf dem Schotter ihr Offroad-Erlebnis suchen.

 Kakteen überall Über Schafalmen absteigend - es duftet nach allen Suppengewürzen gleichzeitig - erreichen wir ein lauschiges Wildbachtal mit kristallklarem Wasser und wieder Massen von Oleander. Nach kurzem Gegenanstieg über kahlgefressene Wiesen erreichen wir den Bus, der bei der alten venezianischen Brücke an der Straße steht. Das Wappen der stolzen Stadt prangt, fein in eine Steintafel gemeißelt, an der Brücke, die hochgewölbt ist als müßten Gondeln hindurchfahren. Auf diesem Wildbach gibts aber keine Gondeln. Macht nix, in Venedig baut man Brücken so und nicht anders. Die Kreter waren schon immer geduldig. Sie denken sich ihren Teil und machen bloß von Zeit zu Zeit einen Aufstand.
Am Nachmittag verlassen wir Plakias in Richtung Norden zu unserem neuen Domizil, Daedalos Village in Koutouloufari, Nähe Iraklion. Zum letzten Mal schaukelt uns Nico über die sehr,sehr schmale Brücke durch den Abgrund des Kronos. Der fraß bekanntlich seine eigenen Kinder - uns verschmähte er bis jetzt. Nach einer weiteren interessanten Kretadurchquerung am Zielort angekommen, verlassen wir den Bus. Plötzlich sind die flotten Rosenheimer weg, verschluckt von den Gassen des Ortes. Wir finden mit einheimischer Hilfe trotzdem Daedalos Village und richten uns im "Pferdestall" gemütlich ein.

Mit den Rosenheimer Damen beim Gyros und griechischer Musik. Ein berühmter Sänger, den man aus jedem Radio hört, schmettert ausdrucksvoll exotische Melodien. Das Gyros ist nicht ganz optimal, der Landwein aber schon besser. Daheim Blick über das dunkle Meer und die Sterne. Der Polarstern steht ungewöhnlich tief, wir sind schon weit im Süden. Spät abends sinken wir ins Bett und schon sirren die Staunzen. Das Laken über den Kopf gezogen schützt etwas, den Rest muß man wegstecken.

20.5. Museum, Knossos, Jouhtas.
Heute ist Kultur angesagt, Schlag auf Schlag. Zuerst ein Rundgang durchs archäologische Museum in Iraklion. Vor dem Eingang schlangenweise Schulklassen, die ihrem Pflichtbesuch entgegenharren. Sie finden irgendetwas lustig an unserer Germaneninvasion, denn wir werden von einigen frechen Lümmeln lauthals belacht. Wir belachen sie unsererseits und man versteht sich. Aber wir dürfen voraus, denn mir san mir.
Im Museum drinnen ein Saal nach dem andern, in jedem Saal massenhaft Schaustücke in Vitrinen oder einfach so. Wer soll das alles anschauen? Riesige Amphoren, Tonkrügerl mit irrsinnig langen Schnäbeln, Ölfunzeln, völlig vergammelte, riesige Bronzeschwerter, Figuren, Siegel, Bernsteinketten, Goldschmuck fast wie heute, minoische Doppelaxt wo man hinschaut, und und und... Bald schwirrt uns der Kopf, Elias ist nun voll in seinem Element.
Er erzählt viel über die alte Kultur der Kreter, die durch einen bösen Vulkan gestört wurde. Sein Deutsch ist nicht immer gut verständlich, trotzdem bleibt von dem was da durch mein Hirn rinnt etwas hängen. Viel genug um zu staunen über diese alte Zeit. Die Kreter verstanden es auch damals schon zu leben und Feste zu feiern. Beliebt war der Handstandüberschlag über den leibhaftigen Stier, auch von Frauen ausgeführt. Später landete der Stier dann auf dem Gyros, wie sichs gehört. Nach anstrengenden zwei Stunden raus zum Bus. Der ist mittlerweile eingemauert von anderen Bussen. Kein Problem in Kreta, alle Busfahrer sitzen im gleichen Kafenion und verständigen sich zu einem lustigen Busverschiebe-Domino. Plötzlich sind wir frei und auf gehts zum nächsten Kulturschlag nach Knossos.

 Klassische Formen in Knossos
Mittlerweile ist es Mittag und ganz schön heiß. Wir pilgern mit den Inhalten anderer Busse schwitzend über die geheiligten Trümmer - heilig vor allem wegen der Devisen, die sie einbringen. Fotografieren erlaubt, wo gibts denn das! Die alten Minoer waren so kultiviert, daß sie das Badewasser übers Stianglander haben ablaufen lassen damit das Treppenhaus kühl bleibt damit die Hofdamen net so schwitzn. Auch haben sie die geopferten Viecher in extra gemauerte riesige Gruben geschmissen, damit niemand dem Zeus was wegfrißt. Aber irgendwie warens doch gschlampert, die alten Kreter. Wie nämlich das schwere Erdbeben war vor etwa 3500 Jahr, ist der Palast stehen geblieben, aber runterbrennt. Warum? Weils ihre Ölfassl so gschlampert higstellt ham daß umgfalln sind. Und die Ölfunzeln sind von de Wänd runtergfalln und ham das ausgelaufene Öl aus de Fassl ozündt. Und obwohl man sich das hat denken können, hams keine Feuerwehr ghabt, selber schuld. So is dahiganga mit der tollen minoischen Zivilisation. Andere aber behaupten, die alten Kreter hätten den Poseidon beleidigt und drum hat er sie mit Bimssteinen eingedeckt, frisch aus dem explodierten Berg Santorin.
Wir können das nicht entscheiden und dopen uns noch schnell, denn gleich gehts weiter zum Jouhtas-Berg, den wir über das Dorf Arhanes ansteuern.Von einer paßähnlichen Höhe aus starten wir also, um dem "schlafenden Zeus" auf der Nase herumzutanzen. Auf mäßig ansteigendem breiten Weg können wir die wachsende Aussicht über das zentrale Weingebiet Kretas genießen. Vom Gipfel schöner Blick nach Iraklion, rundum sieht man die meisten hohen Berge der Insel. Außerdem ist der Gipfel gespickt mit alter Technik - das Bimmelwerk einer Kapellenglocke - und neuer Technik, Sendermasten. Interessant für den ordnungsliebenden Germanen ist der souveräne Umgang der Griechen mit moderner Technik überhaupt, im hiesigen Fall, wie das Senderkabel durch ein provisorisches Loch in einer kleinen würfelförmigen Hütte verschwindet, aus der offensichtlich die Energie für den Sender strömt. Das Loch ist viel zu groß, Schnee und Sturm werden in die Hütte eindringen - macht nix, es sendet ja, was will man mehr? Das ist Überlegenheit, das kennt nur, wer Perser, Römer, Venezianer, Türken, Engländer, Deutsche und anderes Gschwerl überlebt hat. Ja, und der Abstieg führt uns direkt zum angenehmen Ab-Dopen in eine biergartenähnlichen Taverne in Arhanes. Daheim im Pferdestall erholen wir uns, denn "selbst die schlimmste Gipfeltour schlaucht nicht so wie ein Tag Kultur". Und beides gleichzeitig - ein echtes Kurt-Möller-Intensiv-Programm.

 Weinbau bei Arhanes

21.5. Psiloritis
Heute wollen wirs genau wissen, hat Kurt beschlossen. Wir wollen dem höchsten Berg Kretas, Psiloritis im Ida-Gebirge, aufs Dach steigen (2456 m). Zu diesem Zweck schraubt sich Nico wieder mal die Berge hoch, immer einsamer und wilder. Wir fahren durch Dörfer, die im letzten Krieg Stützpunkte für Partisanen gegen die Deutschen waren. Manche dieser Dörfer wurden zerstört und die Einwohner ermordet. Wohlstands-Deutsche von heute sollten das nicht ganz vergessen.
Schließlich erreichen wir unseren Ausgangspunkt, die Nidha-Hochebene, nachdem eine Lücke in der Straße von Nico umschifft wurde. Die schüsselförmige Ebene ist von Schafen übersät, wir noch garnicht mitgezählt. Elias hat uns mal gefragt: was sucht ihr da droben auf den Bergen? Habt ihr was gefunden? Keine Antwort. Sind wir nun schlauer als all die tausend Schafe, die hier friedlich grasen?

 Wilde Kalla am Psiloritis

Wir steigen erst einem kleinen Joch entgegen, das uns zur Alm Kollita führt. Am Wegesrand blüht wilde Kalla. Kurze Brotzeit, Aufschließen. Die meisten gehen weiter zum Psiloritis, den wir nach weiteren guten 2 Stunden teils über Schneefelder erreichen. Quellwolken, dann aber doch gute Sicht nach allen Seiten. Auf dem weitflächigen, runden Gipfel dieses Rumpfgebirges ein aufgeschichteter großer Steinbau mit engem Eingang und Bimmelglocke - wozu? Zum Brotzeitläuten natürlich. Wir genießen dabei den Rundblick auf alle möglichen Meere und Gebirgszüge. Es ist sehr karg und wild hier droben, ganz nach unserem alpinen Geschmack. Steine, Himmel, Sonne, Brotzeit - und unser Inselschiff schwimmt mitten im Meer. Es ist etwa 2 Uhr und die Sonne steht nun beinah im Zenith, man weiß garnicht mehr, aus welcher Richtung das Licht kommt.

 Land, Luft und Meer vom Psiloritis aus

Jetzt aber ist schon wieder Schluß, die Zeit drängt, denn wir sind frisch gedopt und haben noch 1200 m Abstieg vor uns. An der Alm Trinkpause, die andern sind schon auf dem Weg nach unserem Talort Kamares, von wo aus wir unser neues Domizil ansteuern wollen. Die Steinbauten der Alm enthalten sogar noch einige einfache Gebrauchsgegenstände. Der Weg senkt sich erst gegen Westen, gabelt sich dann. Der rechte Zweig mündet in eine beginnende Schlucht, die aber später hoffnungslos abbricht. Es sind da auch keine Trittspuren zu sehen. Wir wählen links, steigen etwas an und hören bald einen waschechten Jodler von Gebhard, unserem Urviech. Nach einer Wasserstelle fällt der Weg steiler nach Süden ab. Es geht lang und anhaltend weiter über alte Wassergerinne, durch Olivenhaine, Kieferngehölz. Unser Material protestiert gegen die unaufgeräumten kretischen Fußpfade. Von meinen Schuhen - bereits das Reservepaar - löst sich eine Sohle, hält aber noch. Auch Gabis frisch besohlte Stiefel kriegen plötzlich ein offenes Maul, sie wird es dem Flickschuster heimgeigen. Aber erst mal runter hier. Ich halte Kontakt zwischen Ingrid, Gebhard &Co hinten und dem Rest der Mannschaft vorn. Schon ist Kamares in Sicht, aber der Weg kann sich nicht entscheiden wo er hinwill. Der große Haufen ist auch plötzlich weg. Unsere Nachhut entscheidet sich für den friedlichen Weg der Dorferoberung, nämlich durch einen Goaßnhof. Die anderen mußten derweil mit fürchterlichen kretischen Hunden kämpfen.
Die Dorfbewohner empfangen uns freundlich und können eine gewisse Belustigung nicht verhehlen. Zwei Burschen auf dem Moped lachen schallend über unsere Liebe zu den Goaßn, die Hundebesitzerin bändigt mit Mühe ihre Wadlbeißer. Eine andere Frau jammert über die Germaneninvasion die nicht enden will. An die vierzig Steckerlschwinger auf einen Schlag - das hat das Dorf noch nicht erlebt. Die Nachhut übrigens findet keinen Bus im Dorf und erlebt auf Anhieb die berühmte griechische Gastfreundschaft: ein Einheimischer meint auf die Frage nach unserem Bus, der Bus nach Iraklion fahre morgen früh ab und wir könnten ja hier übernachten. Wir finden dann aber doch noch unseren Bus, denn der hat sich bei der Taverne versteckt und so brauchen wir nur dem Biergeruch nachgehen.
Bei Amstel überall lecken wir unsere Wunden, bald gehts auf nach dem Hafenstädtchen Agia Galini. Dort werden wir vom Hotel Petra an die Pension Calypso weiterverschachert, die sich mehrere Stockwerke an steiler Felswand hochwinkelt. Ingrid und ich, wir erwischen das einzige Zimmer mit Fenstern übers Eck. Obwohl alle andern wieder so schnell waren. So können wir die bösen Staunzen mit Durchzug überlisten. Schöner Blick über die Ortschaft, die wie ein Schwalbennest in der engen Meeresbucht klebt. Abends über steile Stufen hinab auf die Meile. Wir wählen die letzte Taverne und werden von einem der zahllosen Nico's bedient. Er ist überaus freundlich und schäkert etwas mit Ingrid, was gut fürs Trinkgeld ist.


22.5. Rouwas-Schlucht
Da wir gestern nur ein einziges Ziel hatten, wird das heute ausgeglichen. Fischerort Matala mit Höhlenwohnungen, Ausgrabungen in Phaestos, Rouwas-Schlucht im Aufstieg. Während der Höhlenwohnungen halte ich Frühschoppen. In Phaestos ein Odeon, Freiluft-Gesangstheater mit Bühne und Zuschauersitzen, sozusagen eine altgriechische Disko. Daneben eine frühchristliche Basilika römischer Bauart. Als Zuckerl hinterm Odeon eine Halle mit dem berühmten minoischen Gesetzeskodex in Marmorplatten gemeißelt, Original. Die Tore zur Halle sind nachträglich vergittert.Der Kodex enthält auch ein Familienrecht. Jeder damals sollte das lesen, der lesen konnte. Später haben es die Römer für ihr Recht verwendet. Und wir von den Römern. So hat sich die altgriechische Familie bis zu uns vererbt.

 Höhlenfelsen von Matala

Gegen Mittag erreichen wir den Ausgangspunkt zur Rouwas-Schlucht, eine der schönsten in Kreta sagt man. Aber unser Elias sagt immer, sowas kann man nie sagen. Alles ist einmalig. Der Ausgangspunkt scheint ein Vorzeigeobjekt des kretischen Touristikministeriums zu sein: großzügiger Busparkplatz, schattige Taverne mit zwei Biersorten bestens gekühlt, ein umzäunter Naturweiher mit fetten Forellen und zwei Gänsen davor, die auf alles aufpassen. Note eins. Wir haben aber keine Zeit und tackeln sofort los, die vorderen vorn und die hinteren hinten, wie immer. Am unteren Schluchtteil entlang gehts immer steiler hoch. Eine Wasserstelle inmitten der unvermeidlichen Goaßn. Der Vorderteil der Mannschaft leistet Pionierarbeit und rennt nach rechts zwischen hohen Felswänden den Bachgrund hinein. Endlich wirds richtig schluchtig. Der Bachgrund endet aber an einer unüberwindlich hohen, glattpolierten Steilstufe. Also ein Verhauer, viele sind ihn schon gegangen wie man an den Trittspuren sieht.
Zurück marschmarsch, jetzt wird auch das gutversteckte Stoamandl gesehen, das nach links weist.Kurt sammelt die Mannschaft, alle sind aufzufinden - außer Ingrid. Keine Ingrid oben und keine Ingrid unten. Wir dürfen von Glück sagen, daß wir überhaupt nur eine Ingrid dabei haben, eben die meine. Ansonsten kann unser Haufen nämlich mit mehreren Ingrids aufwarten, das ganze Alphabet, von Alt bis Türriegel, äh, Dirrigl. So aber ist wenigstens das Problem eindeutig - Ingrid geht ab. Könnte sie etwa an uns vorbeigezogen sein? Kurt meint, das sei unmöglich, das mache Ingrid garantiert nicht, einfach so weiter aufsteigen. Also ist sie abgestiegen, sie ist ja nicht gut drauf hat sie gesagt. Ich entscheide mich sicherheitshalber, ihr nach unten nachzugehen, ich kann ja dann den anderen wieder nachlaufen. Von dem geplanten Souflaki, das Elias als Rohmaterial dabei hat, werden sie mir schon noch was übrig lassen. Also, Servus bis später.
Unten aber auch keine Ingrid, nicht am Weiher, nicht bei den Gänsen oder Katzen, nichtmal in der Taverne. Nico hat sie auch nicht gesehen. Er ruft Elias mit dem Handy, aber kein Kontakt, Elias steckt tief in der Schlucht im Handy-Loch. Wahrscheinlich ist Ingrid beim Abstieg weiter unten falsch gelaufen, an einer Stelle, die ich schon kenne. Dort steht ein schöner roter Pfeil, aber falsch. Ich gehe zu der bewußten Stelle hinauf, dann in die falsche Richtung abwärts.
Eine endlose Wanderung durch kretische Olivenhaine beginnt. Ich schaue rum, rufe ab und zu, sehe aber nur eine angehängte Goaß am Fluß und höre nix als das tausendfache Summen der Bienen in den Olivenbäumen. Einfach betäubend und traumhaft klingt das, ganz nach tiefem Süden. Aber mir ist nicht ganz wohl, denn wo könnte Ingrid sonst noch stecken? Hoffentlich ist ihr nichts ernsthaftes zugestoßen. Zum dritten mal steige ich den unteren Teil der Schlucht hinauf, es gibt dort einige Stellen, die keinen Fehltritt vertragen. Die Schlucht wieder im Grund hinab - niemand. Vielleicht ist sie doch da oben bei den anderen!
Ich gehe zurück Richtung Taverne, treffe dort die Faistls, die auch nix wissen und bitte Nico, es ab und zu mit dem Handy zu versuchen. Derweil kühle ich mich möglichst gelassen von innen ab.Schließlich kommt Nico gemessenen Schrittes heran und eröffnet mir, daß Ingrid bei der Truppe ist. Ich bedanke mich gelassen bei ihm, aber der Zentnerstein plumpst gewaltig bei mir. Zum zweiten mal auf dieser Reise. Echter Urlaubsstreß. So ist das unmögliche dritte doch passiert.
Später erzählt sie mir, sie sei einfach weitergegangen und als erste oben angekommen. Der Wierl Wast kurz darauf meinte, was, du bist scho da, wia gibts denn des! (Hase und Igel lassen grüßen). Als nächster kam Kurt und ihm ist das Gsicht eigschlofn. Dann wurde von Elias ein Souflaki zelebriert, so war das. Unsere Wiedervereinigung wurde gleichmal begossen. Marga will uns vor die Linse bekommen, aber wir sind keine Promis, soviele Zuschauer sind wir nicht gewohnt. Übrigens, Marga war mir nach unten entgegengegangen um mich zu benachrichtigen, hatte mich aber nicht getroffen, denn ich war ja grad bei den Olivenbäumen. Ja, so kann man auf einem kleinen Stückl Kreta ganz schön im Kreis rumlaufen.
Wir laden Nico und Elias für heute abend in die heimische Taverne ein - sie haben nichts dagegen. Elias gibt mir ein griechisches Bussi. Im Schwalbennest angekommen, treffen wir uns mit ihnen im Zephyros am Hafen. Gebhard und Barbara sitzen auch von ungefähr dabei und wollen sich an der Zeche beteiligen. Alles schmeckt prima, besonders auch der heimische Landwein. Gebhard das Urviech erzählt dem Elias massenhaft Witze. Wenn der sich vom letzten Witz erholt hat, übersetzt er ihn für Nico aus boarisch nach griechisch. Nico der massige Turbodriver lacht kichernd wie ein Kind. Es ist ungeheuer ansteckend, wir müssen immer nochmal mitlachen. Eine Mordsgaudi heut abend. Ja, so haben wir uns wieder, unversehrt, so ein Glück!

23.5. Kofinas

 Golf von Mirambello bei Agios Nikolaos

Fahrt Richtung Nordosten nach Istro am Mirabello-Golf zu unserem letzten Hotel, dem Elpida. Wir haben wieder Glück mit unserem Zimmer, es hat Terasse, Abendsonne, Blick auf Dattelpalme und Swimmingpool, Radio, Durchzug und besonders viele Mücken. Anders gehts halt nicht. Das Abendessen-Büffet ist prima, Xerlei Salate, schöne Fleischerl und Fischerl, und was alles dazugehört. Der weiße Landwein ist wieder bestens. Lona meint, daß wir das mit dem Wein ganz gut beherrschten. Warum auch nicht, schließlich hat man nur einmal Urlaubsstreß. Jedenfalls lassen wir uns keine Noagerl in der Flaschn bis morgen früh aufheben. Aber ein anständiges Hotel macht das, der Gast ist König.

 Insel Spinalonga im Golf von Mirambello

Sonntag, 24.5.
Kritsa-Schlucht
Wir begehen die Kritsa-Schlucht vom kleinen Bergdorf Tapes aus im Abstieg. Die Bergstraße hinauf wird sehr, sehr eng. Nico stoppt den Turbo an einer breiteren Stelle, denn er weiß nicht, ob er da droben wenden kann. Die Befragung eines einheimischen Pickup-Fahrers bringt Klarheit: wir könnens riskieren. Der einzige Tavernenwirt von Tapes - alt, würdig, mit kretischem Troddelkapperl - will uns sofort zu einer gigantischen Zeche verhaften. Dann wäre für ihn die halbe Saison schon gelaufen. Aber daraus wird nix, er kennt nicht unsere eiserne Disziplin - erst wird gschwitzt und dann gesoffen - und muß uns ohnmächtig ziehen lassen. Wir sind dank der vorzüglichen Fleischtöpfe des Elpida frisch gedopt und nichts kann uns halten.

Ausgang der Kritsa-Schlucht
Ein erstes Probestackeln durch die Olivenhaine in der falschen Richtung - neue Blumen werden gesichtet - läßt uns den richtigen Weg erkennen. Die Schlucht beginnt wiederum ganz harmlos mit einem lieblichen flachen Bachbetterl und wird dann immer tiefer und enger. Als Sondereinlage - nicht "wo ist Ingrid", die ist heute daheim - als Zuckerl also haben wir diesmal Drahtzäune zu überwinden, die ab und zu quer durch die Schlucht laufen. Sie sollen wohl das Klauen von Goaßn erschweren. Der überlegene griechische Einsatz der Technik erlaubt uns, den Maschendraht einfach wegzuziehen. Die allgegenwärtige Schwerkraft - Poseidon sei Dank - läßt das ganze dann wieder zusammenklappen und macht es dicht für die Goaßn. Man darf der Natur eben keine nutzlosen Widerstände entgegensetzen, dann läuft alles ganz einfach.
Wir haben das nette Schluchterl bald durchlaufen und müssen noch etwas entlang der Straße bis nach Kritsa. Ortsbummel, Bierchen, Fahrt zum uralten Wallfahrtskircherl Panagia i Kera. Elias erzählt viel über die in der Kirche freigelegten Fresken, die man in einer Bilderstürmer-Phase vor langer Zeit zerstören mußte. Man hat sie deshalb - überlegener griechischer Technikeinsatz - durch Überputzen unsichtbar gemacht. So konnten sie später freigelegt werden. Warum war die Zerstörung so schlimm? Früher konnten die wenigsten Leute lesen, und so wurde mit Bildern erzählt, gerade auch religiöse Inhalte. Also sprach Elias, unser Kulturprophet. Auf der Rückfahrt schauen wir noch in Agios Nikolaos vorbei, unsere nächstgelegene Stadt. Auch hier venezianischer Baueinfluß, pittoresker kleiner Naturhafen, eine Touristenmeile. Am neuen Hafen in der Seefahrerkneipe abschließende Einnahme eines obligaten Amstel (wenn von der Stirne rinnt der Schweiß, säuft man alles was nicht heiß).
Im Hotel ist heute kretischer Volksabend. Es erscheint eine kleine Tanzgruppe in Volkstracht, ein Madl, vier Buam, und ein Lautsprecher wie ein Kühlschrank. Die Größe verheißt nix Gutes. Bei Perpendiki und Sirtaki gehts noch, aber bald spüre ich die Kilowatt in der Magengrube. Das Hotel reicht rassen Raki, genau das richtige für meinen immer noch abklingenden Katarr. Die Tänze sehen sich einfach an, sind aber verzinkt und man muß sie genau kennen, so wie Zwiefachen oder Schuhplattler. Kriegstänze sind auch dabei, ist halt lange Tradition in Kreta. Punkt zehn Uhr Schluß, es ist ein Hotel für Familien mit Kindern. Aber schön wars.

25.5. Tripiti
Wir entern zusammen mit einer Weilheimer Gruppe, die wir im Elpida getroffen haben, im steilen Anstieg das Bergdorf Tripiti. Es ist in einem Hochtal am Fuß des Afendis Stavromenos gelegen (das heißt, der gekreuzigte Herr). Eigentlich war vorgesehen, den Berg von Tripiti aus zu besteigen, doch die Straße dahin ist für große Busse nicht befahrbar wie unser braver Nico per PKW ausgekundschaftet hatte. So machen wirs nun andersherum, und bewegen uns auf schweißtreibenden Kehren erstmal durch schwülfeuchte Olivenhaine. Man sagt, es gebe eine Überproduktion von Oliven in Griechenland; die Griechen hakeln sich bei der EG mit den Portugiesen um eine günstige Quotenbemessung. Überall liegen dicke und dünnere schwarze Plastikschläuche zur Bewässerung herum, häufig auch selbst an den Hauptverkehrsstraßen. Die Schläuche sind kretischer Herkunft, Kritikos Plastika S.A., und billig zu verlegen. So haben die Kreter ganz tüchtig ein dicht vernetztes Bewässerungssystem geschaffen, das alle Quellen im Lande erfaßt. Oliven, Bananen, Tomaten, Gemüse sprießen nur so auf der fruchtbaren Erde, vom Wein garnicht zu reden. Die Dörfer durch die wir kommen schauen ziemlich verfallen aus, viel alte Leute hier. Die jungen arbeiten in der Stadt. Aber man sagt, die Landwirtschaft werde wegen der Maschinen nun auch wieder attraktiver für Neuanfänger. Sind das unsere Sorgen? Naja, Landwirtschaft dient allen sagt man, und auch der Tourist möchte sich ja nicht unbedingt auf einer Geisterinsel bewegen.
Nach kurzer Pause an einer verfallenen Kapelle gehts nun weniger schwitzig und flacher hoch, nach links unter schroffen Wänden vorbei und durch eine Mulde auf einen Sattel. Die Aussicht auf die Mirabello-Bucht, unsere letzte Heimat in Kreta, wird immer schöner. Vom Sattel aus gehts nun durch das kultivierte Hochtal etwas hin und her ins Dorf Tripiti. Ein Kafenion ist zwar nicht aufzutreiben, dafür der Dorfbrunnen, ein schlichter Wasserhahn an der Weggabelung. Wir zapfen an, Elias quatscht mit einem alten Dorfbewohner, erklärt ihm vielleicht den Grund unserer merkwürdigen Ausrüstung. Unversehens hält ein alter, dicker Bauer mit seinem Pickup vor uns. Er hat feine, frische Tomaten an Bord und hält uns der Gastfreundschaft für würdig. Er beschenkt uns überreichlich mit seinen Früchten, wir können nur immer wieder "efcharisto" sagen, denn wir haben nicht mal einen Schnaps dabei um uns erkenntlich zu zeigen. Dieser Mangel der Ausrüstung sollte behoben werden!
Unser Abstieg soll an die Straße im Tal führen, wo wieder der brave Nico wartet. Diese Straße verbindet Ieropetra (Eisenfels) mit Agia Nikolaos an der schmalsten Stelle von Kreta. Hier sind libysches und kretisches Meer nur durch eine flache fruchtbare Ebene getrennt, Wein, Gemüse wo man hinschaut. Über diese Ebene pfeift jetzt der Scirocco, es zieht sich zu, hoffentlich hält das Wetter noch aus. Wir wandern zuerst über die Sandstraße hinab, dann auf Pfaden durch abwechslungsreiches Gelände mit zunehmend schönem Einblick in die Ebene bis zum libyschen Meer. Durch eine tief eingeschnittene Schlucht kann man tief drunten ein Dorf mit Kirche erblicken, dahinter hoch die Dikti-Berge. Das hier ist eine besondere Welt. Doch wahrscheinlich haben die Menschen ähnliche Sorgen wie wir.

Abstieg von Tripiti
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Sehr stark ist hier der Zusammenhalt der Familie, ein Haus wird für mehrere Generationen geplant, man lebt wenn immer möglich zusammen. Ein letzter langer, verblockter Pfad leitet uns einen ausgedehnten Hang hinab, oben in den rötlichen Schrofenwänden schaut eine riesige Höhle wie ein Kyklopenauge in die Ferne. Zuletzt dreht der Weg zurück nach Norden. Kurt und der mitn gelbn Kappl springen plötzlich links ab durch die Oliven, habens wohl eilig für irgendwas. Die Meute erachtet diesmal Elias für kompetent um ihm nachzulaufen, bei einer Gabelung rechts. Eine hübsche Villa mit Hund wird sichtbar. Elias überwindet den Hund durch griechisches Zureden und erkundigt sich bei den Villa-Leuten nach dem Ort. Dann verkündet er mit biblischer Weisheit:
"Wir sind richtig, aber es ist falsch".
Das begreift jeder, und weil wir so richtig falsch sind, gehen wir nochmal ein halbes Stünderl auf staubiger Werkstraße zurück. Laster kommen uns entgegen, aber weil die griechischen Fahrer die Technik, wie gesagt, souverän gebrauchen, fahren sie ganz schön langsam wegen uns. Sie könnten uns auch gaudihalber ganz fürchterlich einstauben. Wir gehen an Kleingartenparzellen vorbei, meistens etwas schlampig, aber alle mit Wasser und Hund. Also wenn man die so anschaut - in Griechenland möcht ich kein Hund sein, nicht gschenkt.
Nun sind wir wieder alle bei Nico, nur Kurt fehlt diesmal. Er könnte doch schon längst fertig ein mit Olivenklauen. Schließlich taucht er auf und ärgert sich, daß immer noch so ein Hammer passieren muß am Schluß einer geglückten Tour. Ach, er ist ja ein Perfektionist und meint es sooo gut. Er hat bloß noch nicht gemerkt, daß es schlimmer ist einen Bus voll Wanderer zu hüten als einen Sack voll Flöhe. Noch dazu hat der Sack zwei Löcher, sprich Führer. Aber das ist ein Handy-Problem. Wäre Elias nicht im Handyloch verschwunden, hätte Kurt ihn...ja, wie mit meiner Oma. Ich glaube, wir brauchen nur alle ein Handy. Dann stehen wir dicht beieinander, kriegen keinen Kontakt und stellen einmütig fest, daß wir alle im selben Handyloch sitzen. Dann stimmt die Welt wieder.

 Hafen von Sitia




Nico läßt sich nicht lumpen und fährt uns auf einem großen Umweg heim, um uns seine Heimat vollständig zu zeigen. Statt zum Elpida geht es nochmal an die Südküste, auf kurviger Strecke an vielen kleinen Badebuchten entlang, Palmen, grauer feiner Sand, viele Hotels, urlaubsfähig. Der Bus schiebt sich durch das alte Städtchen Ieropetra, dann zurück durch Agia Nikolaos zum Hotel. Heute abend keine Tänze, dafür Grill an der Snack-Bar beim Swimmingpool. Es schmeckt, und wir haun so richtig rein. Wir sitzen draußen, schauen übers knallblaue kretische Meer, nippeln am Landwein und hecheln mit Kurt&Co nochmal alles durch. Es paßt so richtig.


26.5. Deads Gorge
Heute ist die Ostecke dran, die wir noch garnicht kennen. Nico kurbelt zuerst nach Sitia, einst kretische Hauptstadt unter den Venezianern. Erst an der Insel Psira - die Laus - vorbei, dann an der ausgegrabenen minoischen Siedlung Gournia. Die Insel namens Laus hatte früher Verbindung zum Festland bis der Vulkan Santorin die kretische Nordküste einfach um einige Meter absenkte. Ganze Dörfer sind dabei im Meer verschwunden (Atlantis?), die man bei ruhigem Wasser noch heute sehen kann. Die Straße steigt, vorbei an vielen neuangelegten Olivenhainen, terassiert zwischen schroffen steilen Felsen, fruchtbare rote Erde. Wieder öffnet sich plötzlich ein Traumblick auf die Ostküste und die Bucht von Sitia. Dort kurzer Halt, Bummel an der Uferpromenade, verschachtelt baut sich die Stadt unterhalb einer Festung an steilem Hang auf. Es langt für ein paar Fotos, dann weiter zu einem Bergdorf.
Von dort aus begehen wir das "Tal der Toten" im Abstieg. Wiederum erst ein harmloser Bachgrund zwischen Weingärten, allmählich mit immer höheren Felswänden. Gebhard legt sich mit einem Olivenbaum an, Schramme an der Birne, wird von seiner Frau Barbara, Ärztin, versorgt. Er hat richtig geheiratet! Im Schluchtgrund ein altes Wassergerinne, noch in Betrieb. Die Felswände, rötlich, sind nun mit Höhlen übersät wie ein Schweizerkäs. Zu hören sind Rebhühner und Falkenjunge, eine ganze Brutkolonie hoch droben. Wir machen kurze Brotzeit.
Elias meldet sich, er spielt auf einer selbstgebauten Panflöte, nur ein Rohr und ohne Löcher, "el condor pasa". Deutlich zu hören, klingt garnicht schlecht. Er hat sichs selbst beigebracht, muß ganz schön schwierig sein. Nur ein Rohr, hineinblasen und el condor pasa, Respekt, heftiger Beifall.

 El Condor pasa in Deads Gorge
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Trotzdem müssen wir weiter. Wo sich die Schlucht zu ihrem Ende öffnet, hat man in den Höhlen minoische Gräber gefunden. Wir schauen uns schnell von außerhalb den freigelegten minoischen Palast Kato Zakros an. Es wäre überhaupt auf Kreta noch viel mehr auszugraben, aber wer bezahlt das? Auch braucht das einfach viel Zeit, denn hastige Grabungen zerstören viel. Bei uns überwiegt der Hunger, ab ins naheliegende Fischerdorf, Elias sitzt schon in der Taverne seiner Wahl. Restauration bei Amstel und griechischem Salat. Weiter gehts zum Kloster Toplou mit einer herrlichen Standikone, an der der Künstler 14 Jahre gearbeitet hat. Dargestellt ist der ganze christliche Glaube auf einem Bild.
Noch kurz am Strand Vai mit den Dattelpalmenhainen vorbei und zurück nach Sitia. Dort findet endlich der heißersehnte Badetermin statt. Marga gibt eine kurze Probe ihres bauchtänzerischen Könnens, ein junger Kreter gleich hiebei glaubt er sieht nicht richtig. Was denkt der sich über die germanischen Volkstänze? Ist uns wurscht, wir haben schon wieder Hunger und endlich gehts zurück ins Elpida zu den ausgezeichneten Fleischtöpfen.


27.5. Lassithi
Letzter Programmtag. In zeitlicher Umkehrung gehts heute zuerst hinauf zur Lassithi-Hochebene, um dort den Elias zu verabschieden. Er muß am nächsten Tag in Thessaloniki eine Gruppe Lehrer übernehmen und möchte dazwischen noch kurz daheim in Athen brotzeiteln. Gebhard sagt, Lehrer sind besonders schwierig, denn sie wissen alles und machen alles besser. Also, wildes Hinaufschrauben mit Nicos Turbo, ein Sattel wird erreicht und hinab gehts in die Lassithi mit ihren berühmten Windmühlen. Die sind aber meist schon abmontiert, denn heute pumpt man das Wasser lieber elektrisch. Verrostete Gittermasten stehen massenhaft herum und künden von einstiger Mühlenpracht.
Wir erreichen einen großen, erhöhten Parkplatz mit dem Zugang zur diktäischen Grotte, wo Zeus mit dem Stier die Europa - Schmarrn, wo die Europa auf dem Stier den Zeus...ach was, da kennt sich doch keiner aus mit dem Göttergschwerl. Die Grotte ist gesperrt denn Zeus hat Urlaub, aber der Ausblick vom Parkplatz über die riesige fruchtbare Schüssel umrahmt von kahlen Bergen ist einige Fotos wert. Nico umrundet die Ebene, mit Handbreit Abstand durch die Dörfer. Zurück am Sattel gehts endlich auf in die dortige Touristentränke.

 Hochebene von Lassithi
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Elias sagt schon vorher, die Spezialität des Hauses sei heute ausgerechnet Schweinebraten. Aber keiner von uns ißt Schweiners heut, den Kellnern stinkts. Am Rande des Lokals die einzige Windmühle in Kreta die Wasser pumpt. Meistens steht sie still, nur wenn Äolos will dreht sie sich ein bißchen und spuckt etwas Wasser in ein Betonbecken. Der Haushund steht mit allen Vieren halsbrecherisch auf dem Beckenrand und schlabbert. Dann legt er sich neben Barbara ins Gras und schlummert friedlich mit ihr. Sie bräuchte ihn bloß noch mit nach Hause nehmen, wäre kein Problem. Gebhard fotografiert sofort das ganze, zum Beweis.
Endlich erhält Elias von Kurt seine verdiente Lobrede und vor allem Kurts Höhenmesser, auf den er so scharf ist. Das Trinkgeld für Nico geht auch gleich mit. Den finanziellen Teil hat Bankerin Hasemarie diskret gemanagt. Dann singen wir alle unter Gebhards Regie einige Gstanzl auf die Fahrt undsoweiter. Elias ist gerührt und sagt, wir seien eine prima Gruppe, obwohl wir uns dauernd dopen. Er sagt auch, er habe viel gelernt auf unserer Tour, von jedem etwas. Zum Beispiel von Gerhard mitm Kappi das richtige Schnaufen. Gerhard legts nämlich darauf an, beim Bergsteigen möglichst garnicht zu schnaufen, das schafft Reserven sagt er. Für Elias ist das gut, denn wenn er nicht schnauft kann er auch nicht rauchen. Elias meints mir übrigens auch sehr gut, hat mir empfohlen das Rauchen aufzuhören, ich huste so komisch. Es war aber nur der Katarr und ich hätte deshalb beinah das Rauchen aufgehört, weil ichs nicht mehr vertragen hab.

 Wiesenflora auf Lassithi

Wieder drunten in Agios Nikolaos verabschieden wir Elias endgültig. Er beklagt seine Berufskrankheit - immer wenn man sich kennengelernt hat, kommt das schlimme Wort Abschied. Wir bedanken uns nochmal gegenseitig und dann heißts Servus.
Wir fahren weiter nach Plaka um hoch über dem Meer zum Kap Agios Ioannis zu wandern. Nico fährt allerdings nicht ganz hinauf zum geplanten Ausgangspunkt, es ist nicht erlaubt für Busse. So langts halt zu einem kurzen Anstieg über die Bucht mit Fototermin für die einen, zum Baden für die andern. Heim, Fleischtöpfe, packen. Die freundlichen Bedienungen im Elpida-Restaurant kriegen ein Extratrinkgeld und freuen sich sehr. Die eine - mit kretischem Lockenschopf wie auf den Bildern im Museum - sagt, sie habe sich die einheimischen Tänze als kleines Mädchen selbst vor dem Spiegel beigebracht. Fast wie bei uns auf dem Land die Deandln beim Drah'n!


28.5. Abreise
Zur heutigen Heimreise -leider, leider - haben wir ausnahmsweise viel Zeit zum fertigmachen. So ist nach dem Frühstück noch ein gemeinsamer Frühschoppen drin, an der Snackbar mit letztem Blick übers weite tiefblaue Meer. Kurt hebt hervor, daß es auf der ganzen Reise keinen Streit gegeben hat, vielleicht ist er anderes gewöhnt? Er ist sehr zufrieden mit dem Verlauf, wir auch. Etwa um zwei Uhr ab nach Chania, wir fahren längere Zeit und sehen alles nochmal zum Abschied.
Während der Fahrt kriegt endlich auch Kurt sein Ständchen und Dankeschön von uns. Sein frisch geschenktes Kreta-Tshirt zeigt die Steintafel mit der nicht entzifferten minoischen Schrift. Er freut sich mächtig, vor allem daß wir so zufrieden sind mit dieser herrlichen, aber auch etwas anstrengenden Wanderreise.
Da Kurt bis zum letzten Augenblick noch was reingepackt hat ins Programm, machen wir noch einen Abstecher ins kleine Hafenstädtchen Rethymnon. Die Bauweise, die engen Gäßchen und hübschen Geschäfte verleihen ihm ein venezianisches Flair. Unsere restlichen Drachmes reichen genau für ein letztes Amstel-Doping an der Hafenpromenade. Beim Rückweg zum Bus finden wir die eigentlich netten Lokale. Im letzten Anlauf erreichen wir den Flughafen. Abschied von unserem treuen Nico, er hat sage und schreibe zwotausendfünfhundert km gekurbelt in diesen 15 Tagen, und auf was für Straßen muß man bedenken. Nico hat Weib, Kinder und Mama durchzubringen zuhause, so muß er also auch vorsichtig sein in seinem Beruf.

 Abschied von Kreta

Unser Abflug wird etwas verzögert durch Militärmaschinen, die mit Mordsgedonner in den dunklen Abendhimmel starten. Schließlich gehts hinein in eine MD80 von Crossair, die Runway rumpelt gewaltig. Chania liegt als Lichterkranz unter uns, später noch einige griechische Hafenstädte tief drunten. Dann nur noch die Sterne. Auf Dienstflughöhe bockt die Kiste, etwas ungewöhnlich. Später Innsbruck unter uns, erfahren wir vom Piloten in Schwyzerdütsch. Dann, ausgedehnt, die schöne Münchnerstadt, ein Lichtermeer. Der Schwyzer setzt die Kiste butterweich auf und wird beklatscht. Unser Bus wartet schon, auf nach Rosenheim. In einem letzten Sprint ergattere ich das einzige Taxi am Bahnhof, ab gehts mit uns und Regine nach Kolbermoor, der Perle im Mangfalltal.