Sektion Rosenheim

DAV

des Deutschen Alpenvereins e. V.
   

Wanderreise nach Lanzarote

2. - 11. November 2003

Begleitet von Kurt Möller

Text: Ingrid Dirrigl, Irmhild & Micha Keller, Gotthard Weiser;
Bilder: Otto Niklaus, Gotthard Weiser.
Teilnehmer: Keller Irmhild & Michael, Ludwig Regine & Peter, Niklaus Dicki & Otto, Bohnheim Erika, Lamm Marianne, Dirrigl Ingrid, Reichl Carmen, Ettmayr Jutta, Weithmann Christl, Gruber Anna, Schmid Lydia, Knabl Herma, Sondershaus Margit, Möller Kurt, Weiser Gotthard, Rogler Gerhardt, Wachs Gerd, Wierl Sebastian, Ade Brigitte, Dahbi Britta, Molewski Hildrun & Klaus.

Bei meist idealem Wetter konnten alle geplanten Ziele besucht werden: Pico Redondo, Krater Caldera Blanca (458m), Krater Monte Corona (609m), Lavahöhle Cueva de los Verdes, Atalaya de Femes (608m), Tal der 1000 Palmen, Guardilama (603m), Grüne Lagune El Golfo, Brandung von Los Hervideros, Papagayo-Strände ( 0,0 m ), Nationalpark Timanfaya, Teguise, Haus von Cesar Manrique.

 

Sonntag, 2.11. Anfahrt

Daheim geht grad garnix, aber wir sind "Furt mit Kurt" (Kurt müsste eigentlich Jakob heißen, Jakob Billig. Aber wir wissen das auch so).10 Uhr Bahnhof Rosenheim. 23 AV-Senioren haben sich eingefunden um eine Woche in die Wärme Lanzarotes zu fliegen. Aber halt! Kurt zählt nochmal... 21, 22, ja wer fehlt denn da? Der Gotthard! Daß die Reise um einen Tag vorverlegt wurde hat er beim Vortreffen wohl verpennt. Das ist seine Spitzenleistung bisher: sich selber daheim zu vergessen. Kurt zieht sein Handy und siehe da - Gotthard ist fast mit uns am Flughafen. Wir, der Rest, steigen in den Zug. Beim Umsteigen gibt es ein wenig Verwirrung, da die Flughafen-S-Bahn heute wegen Bauarbeiten auf einem anderen Gleis fährt. Peter's Regine hat, vielleicht vor lauter Reisefieber, ihren Rucksack im Zug weiterreisen lassen. Frisch verheiratet, hat sie ihren Kopf nur bei Peter. Wie wir sehen, kommt aber alles ins Lot: der Nachforschungsantrag (nach dem Rucksack) läuft, Gotthard ist in Kurt's Handy gespeichert und alle Flöh sind eingefangen, denn Kurt mag keinen Schwund vor der Reise. Vollzählig, mit einem Rucksack weniger, sind doch alle am Abfluggate. Mit einer halben Stunde Verspätung erhebt sich unser Flugzeug in die Luft und landet nach 4 1/2 Stunden ruhigem Flug in Arrecife - Hauptstadt Lanzarotes.Der Hotelbus steht bereit und bringt uns nach Puerto del Carmen zum Hotel Flora. Es ist bereits dunkel und nicht mehr viel zu sehen - aber es ist warm. Nach der Zimmerverteilung - was heißt hier Zimmer, Terasse, Wohnzimmer, Küche, Bad und Schlafzimmer - gehen wir zum Abendessen. Hildrun und Klaus Molewski, die schon eine Woche hier sind, erwarten uns am Büffet. Da wir doch müde sind, wird der Abend nicht sehr ausgedehnt. Ab in die Heia, alles in Butter, nur einige Kakerlaken stören Otto im Bett. Wir sind gespannt, was die nächsten Tage bringen werden.


Montag, Pico Redondo.

Gleich vorweg: das Wetter ist immer bestens während dieser Tage! Keine Selbstverständlichkeit, aber wenn WIR kommen... Nach dem Abholen unserer sehr preiswerten Leih-Autos starten wir zur Umrundung des Pico Redondo bei Femes im Südwesten. Der Zauber dieser wüstenhaften Vulkaninsel beeindruckt mich sofort. Zahlreiche Bergkuppen lockern die Ebene auf. Sie sind nicht hoch, aber ausnahmslos vulkanischen Ursprungs und heute alle erloschen. Lanzarote ist praktisch ein einziger Vulkan, ca. 800 qkm groß, davon ca. 200 qkm junge Lava vom großen Ausbruch 1730-36. Die Sahara liegt nur ca. 100 km östlich übers Meer, der Passat weht ausdauernd, und würden die einheimischen Campesinos der Meeresluft nicht tropfenweise Wasser abluchsen - Lanzarote wäre genauso wüst wie ihr Nachbar Fuerteventura. Der Boden - Asche und Lava in allen Farbschattierungen - wäre jung und gut, aber Stickstoff fehlt. Drum hilft man nach mit Nitrophoska weiß und blau, teure Körndl von BASF aus Alemania. Nur wenige Arten von Wüstenpflanzen gedeihen hier überhaupt, und das nur in sehr wenigen, äußerst sparsamen Beständen. Jedes Pflanzenwesen hier ist eine kleine, stachlige Oase. Auf leichtem Wanderweg erreichen wir einen Sattel mit Ausblick nach dem künstlichen Badeort Playa Blanca im Südwesten, umrunden den Pico und können dabei allerhand abenteuerliche Formen im Vulkangestein registrieren - ausgedehnte bogenförmige Strukturen im alten Bimsgestein, manchmal durchzogen von schmalen, hohen und sehr langen Bahnen junger, schwarzer Lava. Hier ging aber auch alles drunter und drüber! Wir steigen etwas durch die Wüste ab und wenden uns mit leichtem Anstieg zurück nach Femes - zu Cerveza und Knoblauchbrot in der Touri-Bar. Der Nachmittag wird abgerundet mit Schwimmen im Atlantik am Playa Papgayos, Wasser über 20 Grad, sanfte Wellen, super ! Auch viele spanische Urlauber bruzzeln in der Spätsommersonne. Abends bummeln wir kurz im Alten Hafen von Puerto del Carmen. Spanische Cerveza-Bar Giganto, irisches Harbour Inn und selbst ein braves Freß-Restaurant sind knallvoll. Europa macht Zwischenurlaub. Unsere kleine Mannschaft kann sich nicht entschließen, zwei halbleere Tische im Handstreich zu nehmen. Wir ziehen ab, Kurt ist voll frustriert und sagt "also, sowas mach ich nicht nochmal hier". Jetzt wissmas. Zum Ausgleich tanzen abends im Clubraum unseres Hotels drei bildhübsche "Flamenco"-Mädchen anmutig - wenn auch nicht ganz stilrein, wie Margit meint - zu einem frühmodernen spanischen Orchesterstück. Eigenwillig, aber nicht schlecht. Zum Tagesabschluß gibts gottseidank Tinto bei Otto+Dicki für fast alle. Kurt ist versöhnt, ich reiß einen spanischen Stopselzieher ab (wer hätte das gedacht?), die Flasche wird trotzdem entstopselt, wir gehn ins Bett, Kurt schläft den Schnarch des Gerechten, mir ists wurscht und Otto träumt von den Kakerlaken - schöner kanns kaum sein!

 

Dienstag, Caldera Blanca, Timanfaya.

Die Überschreitung des riesigen Kraterrandes der Caldera Blanca ist unser heutiges Ziel. Es scheitert aber schon im Ansatz. Wir rollen grad auf der Linealstraß durchs schönste Lavafeld, da mosert Carmen von hint her: "Du, unser Auto stinkt aber". Da kann doch nix stinken, ist doch alles ok. Kurt vor uns bremst plötzlich grundlos, macht einen Linkshakl, im Staub steht der Karrn. Von der Leich des Vorderreifens geht der Rauch auf. Carmen ist rehabilitiert - es stank beträchtlich, nur nicht bei uns. Jetzt gehts los! Das Reserverad ist zwar rund aber um an Bauernschuh kleiner wie mans braucht. Es reicht bis zur nächsten Werkstatt, steht aufm Blattl - da ist aber keine. Kurt nimmt a anders Radl das passt - ist aber völlig glatt. Wurscht, hier frierts eh nie auf der Straß, was brauchmada a Profil, nur zwengs der Versicherung? !

 

Weiter gehts, wegen Formalien lassn wir uns die Caldera nicht versauen! Da dies ein wüstes Land ist, kommt man ohne Kamele nicht aus. Da sind sie schon! Früher hat man mit denen gepflügt, behaupten alte Bilder. Heut testet man damit Touristen auf Seekrankheit. Gleich neben der Straß hatschn sie so einen verbotenen Feuerberg hinauf, die Kamele. Die Touris dürfen hier nicht gehn, prohibido. Also rauf mit den Touris auf die Kamele, diese rauf mit den Touris aufn Berg. Aber nur a bisserl, dann geht ihnen die Luft aus, sie drehn um und man sieht, daß auch für Kamele der Abstieg schwieriger ist als hinauf. Wären diese Kamele hier Kamele, so könnt man auf jeden Höcker einen Touri setzen. Da aber die meisten Kamele Dromedare sind, hat man nur einen Höcker und man hängt einen Touri links und einen rechts ans Kamel, gibt auch zwei.Und schon noch einen Stuhl darunter. Genauso schaukeln sie dahin und sind mit Schwanz und Nase aneinandergefesselt, die Kamele. An Beißkorb habns auch, sind bösartig scheints. Da endlich rührt sich was - eine Karawane verschlingt sich ineinand, die cameldriver (spanisch: camelador) plärrn, die Touris werden blass, die geparkten Kamele grunzen, die Busfahrer suchen nach der Vollkasko, ist Kamelpanik eingeschlossen? Bevor sich das klärt, hat der Chefdriver mit seiner Goaßl das verursachende Mistvieh zur Räson gebracht, die Karawane entschlingt sich und alles geht wieder seinen normalen Trott. Links rauf den Feuerberg, aber nur 20 Hm, wenden, runter, Touris abwerfen, wieder rauf, den ganzen Tag
Familie Wiesebrink hoch zu Kamel

. Um fünf trotten sie heim nach Yaiza, heißt es. Erstaunlich wie der Mensch mittels des Kamels die Vulkane nutzt. ...Entschuldigst scho den Schmarrn, aber bei dene Viecher kann einem wirklich nix g'scheits einfalln. Nur eins sieht man hier nicht: Reklame für Camel. Weil den hat der Krebs furtg'ramt. Dafür ist mir ein Kamelschuss gelungen: Familie Wiesebrink hoch zu Kamele, dokumentiert by Minolta. Auch von den Kamelen lassen wir uns die Caldera nicht versauen.


Jetzt sind wir da! Der Zugang zur Caldera führt durch die endlosen Lavafelder der 1730-er Katastrophe. Dieses schwarze Zeug ist tief zerklüftet, scharfkantig und praktisch unbegehbar, schlimmer wie Büßerschnee. Man hat einen Weg hier durch gebahnt und wir kommen uns vor wie in einer riesigen Kokerei. Endlich am Fuß der alten Caldera angelangt - schon wieder ein Lavastrom, noch mächtiger als bisher. Wo kommt das Zeug zum Teufel alles her ? Endlich können wir in geordneter Marschlinie den Rücken des einstigen Ungeheuers erreichen, treffen dort auf eine unvermeidliche spanische Schulklasse (die Ninos haben ihre Gaudi mit unseren Antriebstöcken, die wir ständig mitführen), kontaktieren den Krater-Raben, erobern den spanischen Gipfelbolzen und können das unheimliche Gebilde endlich bei geruhsamer Brotzeit inaugurieren.

Das Weltkulturerbe


Diese alte Caldera ist wirklich riesig, das Loch wohl 1 km groß. In der Mitte des Kraterbodens sind einige konzentrische Steinringe ausgelegt - Spaßvögel, Vulkanologen, Ureinwohner oder Däniken ? Der dramatische Gegensatz zwischen der alten Vulkanwüste und den neuen Lavaflüssen wird von hier oben aus besonders klar erkennbar. Sehr, sehr tief unter dem schwarzen Teufelszeug begraben liegt die schöne, fruchtbare Tiefebene von Timanfaya. In diesem Zustand ist sie zwar nicht mehr nutzbar - aber, nicht tot zu kriegen wie der Mensch mal ist, haben die Überlebenden von damals gelernt, den genügsamen Wein auf der neumodischen schwarzen Asche zu kultivieren. Da es hier nichts mehr gibt als schwarze Lavabrocken, baut man hieraus um jeden flachkriechenden Weinstock ein Mäuerl, das den Wüstenwind abhält und den Tau einfängt. Sowas neues probieren Bauern nur aus, wenn sie am Verhungern sind. Das gibt dann ein Weltkulturerbe - ja, echt. Man weiß nie, wozu man das nochmal brauchen kann auf unserem unruhigen Planeten. Der wenige, so gewonnene Wein jedenfalls ist hervorragend. Darüberhinaus gibts sogar Erdäpfl auf Lanzarote, nicht nur Kameläpfel. Die landschaftlich eindrucksvolle Umwanderung des Riesenkraters (Wüste, Ozean und Urkräfte bilden eine ersichtliche Einheit) müssen wir durch die mittäglich aufgeheizte, große Kokerei zu Ende bringen. Das wird schon fad.

Otto's Leih-Renault ists auch zu heiß geworden - er verweigert wie der texanische Esel, springt nicht an. Wir schieben den sturen Bock durch die Asche - da kommt er doch tatsächlich! Man muß dem Texaner nur aufs Hirn hauen, daß er aufwacht; das ist bekannt. Wie der Rest des o'batztn Tages ums Eck zu bringen sei, unterwirft Kurt nun seinem berühmt-berüchtigten Entscheidungsritual. Es beginnt mit seinem harmlosen Hinweis "Ja, also, wenn einige hier was anderes machen wollen, dann können sie ja auch statt dessen...". Nun entwickelt sich Demokratie pur; keinem werden Vorschriften gemacht, jeder hat Keine Meinung, zum Schwimmen ist es zu weit, zum Saufen zu früh, die dreieckerte Sonne (ja, das gibts hier) ist noch nicht untergegangen, das Museum hat schon zu, die Kaktusse sind abgeblüht, eine starke Minderheit will immer noch Vulkane anschaun, einige wolln das erst morgen wenn überhaupt... Meinungsgebirge ballen sich zusammen wie halbscharige Gewitter, unentschlossen wo sie zuschlagen sollen, fallen wieder auseinander. Zuletzt machen alle das, was grad noch geht. Bis auf zwei, die packens übermorgen.

Jetzt sind alle zufrieden - genau das, was Kurt will. Äh... was wollten wir eigentlich? Ach ja, Busrunde durch den Nationalpark Timanfaya (Montana de Fuego). Also erst mit dem Auto anstellen am schwarzen Lava-Wachhäusl, halbe Stund nur, 33 pro Auto. Nicht Pesetas wie früher sondern TEURO. Eine Gasse durch die wirklich unpassierbare Lava leitet die Autos zur Touri-Station auf dem Spitz des Übels.

Der Spitz des Übels

 

Ein Einsiedel wohnte einst hier droben, auf dem frischen Höllenberg. Sein einziger Freund war ein Kamel, heißt es (kein Wunder, es muß ein dummes Kamel gewesen sein). Er tat hier wohl Buße für die Sünden seiner Landsleute seinerzeit, welche die Katastrophe heraufbeschworen hatten. Und weils hier droben im stürmischen Winter schön warm ist. Am alten Vulkanschlot gleich neben dem Vulkanklo grillt man nämlich heut noch Hendl, pausenlos. Wenn der Wind richtig steht, kann man in den finsteren Schlund hineinschauen - sonst nicht, da sengts dir alle Haar ab. Erloschen seien die Feuerberge jetzt, sagen die Vulkanologen. Vorsichtshalber haben sie aber Sonden ausgelegt an allen verdächtigen Stellen der Insel. Neben der riesigen Touri-Bar (alles in exakt geschnittenen, schwarzen Lavasteinen gelegt - nicht gemauert!) lassen hochqualifizierte Blaumänner der Administracion Royal dos Volcanos Espanoles trockenes Unkraut auf dem heißen, nackten Gestein sich selbst entzünden oder schütten Wasser in gebohrte Löcher, wo es dann mit Knall herausspotzt. Auch hat man von hier eine gute Aussicht auf die dichteste Kratersammlung der Insel - 30 Krater pro Quadratmeile oder so.
Das war die Kornkammer der Insel

Die Bustour verläuft über eine abenteuerlich angelegte Rundstraße. Zuerst gehts an einem Schlot vorbei der aussieht wie das Tor zur Hölle, man kann so richtig reinschauen. Hier und an paar anderen Stellen stoppt der Bus, wegen Fotos, läßt aber keine Leut raus. Betreten des Parco Nacional absolut verboten! Dreisprachig und im Tonfall einer Leichenrede erfahren wir: Die größte Katastrophe seit Beginn der vulkanologischen Aufzeichnungen ereignete sich ausgerechnet hier und dauerte von 1730 bis 1736 mit fast pausenlosen Ausbrüchen. Die Zahl der Umgekommenen ist nicht bekannt; die Überlebenden flohen, kehrten zurück, flohen wieder, mehrfach. Jedenfalls standen sie vor dem Nichts; die einzige wirklich fruchtbare Ebene der Insel war weg, statt dessen eine Glutwüste.

 

Aus diesem Nichts entstand letztendlich das bereits erwähnte Weltkulturerbe. Der Bus fährt nun bergab durch eine oben offene Lavaröhre, kleinere Höllenrohre liegen gleich daneben. Scharfe Kehre, Asche orange, hinten nächster Vulkan aus Asche rot, drauf wachsen paar winzige grüne Trockenpflanzen, weite sanfte Hänge, "Tal der Stille" heißt das. Wieder rauf, Stopp, weiter Blick über die Mondlandschaft bis zum Ozean, dort nagt die Brandung mit weißen Brechern an der Lava, Urkräfte wetteifern miteinander. Wir Touri's sind bestens kanalisiert, sehr steil bergauf gehts plötzlich, Stopp direkt am Rand eines großen, sehr tiefen roten Kraters. Auf der drüberen Talseite ist nun das riesige Kratermaul des ersten Übeltäters zu erkennen, der seinerzeit die Hölle losließ. Der damalige Pfarrer von Yaiza berichtet: "... Am 1. September 1730 zwischen 9 und 10 Uhr abends" (wo also die abgeschafften Bauersleut schon im Bett liegen) "öffnete sich in der Ebene von Timanfaya die Erde. In kurzer Zeit entstand ein gewaltiger Berg, der 16 Tage lang Feuerstrahlen in den Himmel schoss..." Das war aber erst der Anfang. Jahrelange Erdbeben waren vorausgegangen. Sollten die Leut deshalb auswandern? Schicksal, das Leben geht weiter. Auf der Rückfahrt erfahren wir noch von Strömen heißen Wassers und rasend schneller, superheißer Lava, mit der die Natur ihr Zerstörungswerk hier vollendete. Dann ist das makabre Thema beendet, nix wie heim, im "Flora" warten die neuen Gaumenkitzel von "Chefe" auf uns. Er freut sich, wenn man sein leckeres Büffet mit "bueno" würdigt.

Caldera Corona, Manrique-Kircherl und Kartoffeln

Mittwoch, Monte Corona, Cueva de los Verdes. Der heutige Krater liegt im Nordosten, ist kleiner aber höher und erfordert leichte Kletterei. Die ihn umgebenden Lavafelder sind wohl sein eruptiver Beitrag im Nordosten der Insel. Der Corona ist vielfarbig, innen rot, aber auch aus altem Eruptivgestein aufgebaut. Es geht landschaftlich sehr reizvoll an seiner z.T. sehr steilen Kraterkante herum - immer im Blick ein weißes Schlössl, das schon jahrelang zum Verkauf ansteht. Nachdem "Kletterer" und "Marschierer" wiedervereinigt sind, wird noch ein nordwestlicher Mirador besucht. Der ist im Manrique-Stil erbaut und bietet einen umfassenden Rundblick auf Steilküste, Salinen, Ozean, Brandungsbucht La Caleta und Nachbarinselchen Graziosa. Zwar unvermeidlicher Massenbetrieb, trotzdem ein wirklich schöner Umweg ins Wirtshaus. Jetzt haben wir uns die Einkehr im "Volcano" redlich verdient. "Erst marschieren, dann schnabulieren" - so streng sind bei Kurt die Bräuche. Hervorragender Einheimischer (Wein natürlich) und frisch gebruzzelte Landesspezialitäten sind eine Zwischenstärkung zur nächst anstehenden Kulturarbeit: die Höhle "Cueva de los Verdes" ist noch unbedingt zu besichtigen. Auch sie ist, samt sehr großem Parkplatz, bestens touristisch erschlossen. Man versteht sich hier darauf, die Touris lückenlos zu kanalisieren. So müssen wir hinab in die Cueva - ein enorm ausgedehnter Lavatunnel nicht sehr tief unter der Oberfläche des Lavafeldes, das der Monte Corona bei seinem letzten Ausbruch über diesen Inselteil gegossen hat.

.Vulkan-Kraxln auf Lanzarote

Im Lavatunnel "Cueav de los Verdes" Dieser Tunnel - durch Erstarrung der fließenden Lava entstanden - zieht sich doch tatsächlich mehrere Kilometer bis zum "Corona", den wir heute bestiegen haben. Das ist gigantisch, gibts nicht. Gibts aber ! Die etwas heisere Führerin erzählt in iberischem Englisch gutwillig, was es zu wissen gibt. In einem Raum, der auch Konzerten dient, pausieren wir. Hier teilt sich der Riesentunnel (zwei Züge würden leicht reinpassen) nochmals in eine obere und untere Hälfte. Wir sind oben, an der bekannten "Echostelle". Die Tunnelfrau bittet unsere Erika, einen Stein hinabzuwerfen um das Echo zu hören. "Platsch" machts, der Tunnel ist bloß mehr halb da und Wellen auf der spiegelnden Wasserpfütze... Nach der heiteren vulkanischen Täuschung gibts zum Abschluß noch Schwimmen am Strand von Arieta.

 

Donnerstag, Atalaya de Femes. Von Yaiza aus - dem heutigen Musterdorf am Rande des Feuermeeres - machen wir bei steifem Passat eine landschaftlich sehr schöne Höhenwanderung auf die Atalaya, heute ein Haupt-Kommunikationsmuggl der Insel. Die Wegführung bietet bei wolkenlosem Himmel vielfältige Einblicke in die Feuerberge und die sonstige vielfarbige Wüstenlandschaft samt Siedlungsformen. Nach Rundblick auf dem windigen Gipfel des antennengespickten Altvulkans vervollständigen wir diesen Tag mit einem Abstecher nach El Golfo an der Westküste. Dort liegt, erreichbar wiederum durch einen wohlgehüteten TouriKanal, der Brackwassertümpel "Laguna Verde". Steter Tropfen höhlt den Stein
Die lustige grüne Lack hat sich launisch zwischen einer hundertmetrigen Bimssteinwand und dem Meeresufer eingenistet. Die unweit gelegenen Brandungshöhlen von Hernandaya dürfen wir unmöglich auslassen.Hier begegnen sich am Rande eines mehrere Kilometer breiten Lavafeldes die Urgewalten Feuer und Wasser. Die Katastrophen-Lava ist doch glatt 10 oder 20 meter dick und bildet hier eine Lücke, durch die die Brecher hineinstürzen, sich aufbäumen und in diversen Höhlen wechselseitig vernichten. Dabei spritzts gewaltig (...wanns a Wasser hättn na spritzatns's o ) und die Touris können sichs von kleinen Nebenhöhlen aus anschaun. Es ist ein richtiger Urzeit-Irrgarten, clever gestaltet. Zum Abschluß gibts wieder Sandbad und Schwimmen im Ozean, diesmal am Rande der Siedlungswüste Playa Blanca.

 

Freitag, Tal der 1000 Palmen. Am Freitag fuhren wir zur Ermita de Las Nieves, nicht wegen der Kirche, die wie so oft geschlossen war, Schnee war auch nicht vorhanden, sondern wegen der fantastischen Aussicht auf Risco de Famara, die Steilküste an der nordwestlichen Küste mit der Insel La Graciosa, den davor liegenden Sandstränden und die Brandung,die gegen diese Küste donnert.Hier gibt es den höchsten Berg Lanzarote´s namens La Penas del Chache. Auf dessen Flanke wanderten wir nach Haria, im Tal der 1000 Palmen. Statt diese zu zählen bevorzugten wir eine Stärkung auf der Plaza Leon y Castillo, die Kirche war übrigens auch geschlossen.Hier in Haria befindet sich die letzte Wohnstätte und das Grab des Künstlers Cesar Manrique,dem wir in Lanzarote auf Schritt und Tritt begegnet sind und dessen Museum wir an diesem Freitag nachmittag besichtigt haben.
Manrique-Siedlung am Vulkan Lanzarote verdankt Manrique eine gemäßigte touristische Entwicklung ohne Hochhäuser und ähnliche Auswüchse. Manrique gestaltete als Architekt, Bildhauer und Maler riesige Windspiele,ein Denkmal für die Bauern (El Campesino), und mehrere touristische Ziele: u.a. die Höhle Jameos del Aqua, den Aussichtspunkt Mirador del Rio, einen Kakteengarten,ein Restaurant in Yaize und das Restaurant El Diablo im Nationalpark Timanfaya.Seine Bilder sind in seinem ersten Wohnhaus bei Tahiche ausgestellt, das er unter Ausnutzung mehrerer unterirdischer Lavablasen in einen erkalteten Lavastrom hineingebaut hat. Mit einer Besichtigung dieser zum Museum ausgebauten Wohnstätte beendeten wir das Freitagsprogramm und suchten uns wieder einmal durch viele Kreisverkehre zurück in unser Hotel.

 

Samstag, Guardilama. Dies ist ein Extra-Tag. Gestern ist schon getuschelt, g'manschlt, gekauft worden... Kurt, sonst immer zuerst auf den Beinen, ist doch drauf und dran, den Tag zu verschlafen. Aber nix da, um dreiviertel acht öffnet sich unsere Bungalow-Tür, man hat sich schon zusammengerottet und der laute Schall des Geburtstagsständchens reißt Kurt aus dem Bett zurück in die Realität. Überrascht und erfreut lacht er bis hinter die Ohren, nimmt die Lanzarote-Tshirts mit und ohne Feuerteufelchen entgegen, fragt mich "hast du das gewußt?" Klar, ich mußte ja die Tür aufschieben. Ja, und wie alt... Heinz würde nur sagen: Omei, wia Ih no so jung war! Nach dem geglückten Überraschungsschlag machen wir uns auf zum nahen Hausberg Guardilama mit Rundblick über die lebhafte, dicht besiedelte Südküste. Hier, in Arrecife-Hafen, steht das einzige Hochhaus der Insel, das Manrique nicht verhindern konnte. Von hier erstreckt sich eine ununterbrochene Lustmeile viele Kilometer bis Puerto del Carmen. Gschäfterl, Kneipen, Badestrände, Spielhöllen, Freßlokale aller Länder und und und, alles in x-facher Ausfertigung liegt es aufgereiht und hört einfach nicht auf. Hier spielt sich das Leben ab, hier saufen die Iren, fressen die Deutschen, näseln die Briten, zocken die Lanzarotero's mit dem Teuro daß es nur so staubt. Wir überblicken das wimmelnde Leben von entrückter Warte aus, machen uns aus dem Vulkanstaub und ansonsten für heute was wir wollen. Gerd's Auto fährt nochmal zum Timanfaya, ich hab jetzt einen Film drin. Zum letzten Mal schwimmen wir an einem entlegenen kleinen Strand in der sanften atlantischen Dünung, wälzen uns im schwarzen Lavasand. Nur wenige Touris bruzzeln im Adamskostüm aber man schaut besser weg nur mir san schee... Es wird Zeit, in der nächstgelegenen Bodega unseren Urlaubstropfen einzubunkern. Die erste hat zu, die zweite überzeugt nicht, die dritte hat Hochzeit heut abend. Da bleiben wir hocken! Der Saal ist tiptop gedeckt, die Bedienung ist nervös und schon tröpfelt im Dämmerschein die Gesellschaft heran. Mit Braut, Kind, Schwiegern und Schwägern rücken die Clans heran; man parliert gedämpft im rassigen Abendkleid, zeigt sich von der besten Seite. Aber dann, wenn später die Castagnetten durch die Megabox rasseln... dann sind wir leider schon beim letzten Abfüttern im "Flora". Aber man sieht schon jetzt: heut leben die Kanaren auch schon ganz locker und im Wohlstand, nicht zuletzt dank Tourismus. Vielleicht aber ist die Hochzeit auch vom Festland eingeflogen...


Sonntag, 9.11. Heimfahrt. Abschied vom netten Hotel; Bakschisch fürs Zimmermadl. Schließlich hatten wir keine Kakerlaken! Vor dem nachmittäglichen Heimflug schaut man noch beim Sonntagsmarkt in Teguise vorbei. Im früheren Hauptort der Insel herrscht buntestes Fußgängertreiben; von fetten Hispanos bis zu körndlgfuadade Edelgrüne ist wirklich alles unterwegs. Kinder quirlen rum, hochgemästete Riesenzwillinge werden im hydraulikgefederten Doppelspänner vom abgestressten Kindsvater durchs Gewühl geschoben. Mama erholt sich währenddessen von ihrem fertilen Doppelschlag indem sie softeisschlürfend ihre Lipoidbasis durch den Raum transportiert (allein davon könnt sie gut ein Jahr leben). Auch hier also bereits amerikanische Verhältnisse voll. Bevor wir uns auf Massenkämpfe einlassen, besuchen wir noch schnell die alte Festung auf dem uralten Vulkan. Sie ist relativ klein, hat eine Zugbrücke ohne Burggraben (wie geht denn das?) und kostet Eintritts-Teuro die wir uns schenken. Eine letzte Kraterumrundung beschert uns den Abschiedsblick über dieses bemerkenswerte Eiland. Dann gehts noch kurz in die langen Kirtagassen; des Glump is global des gleiche heut. Trotzdem nehm ich paar Tücherl heim, mit kanarische Ant'n drauf. Le canard = Ente sagt der Franzos! Was sind dann aber Kanarienvögel? Zoaserl im Käfig... Zuletzt rechnen wir noch Sprit ab mit unserem unerschrockenen driver Gerd. Wir schmiern ihn dabei aus, indem wir einfach ohne ihn abrechnen. Er nimmts gelassen; das nächste mal darf er dann uns ausschmiern. Der Heimflug startet verspätet wegen Gegenwind beim Herflug; der Jetstream bügelts heimzu wieder aus. Dafür aber wird unser Schorsch durch altbayrischen Talnebel dermaßen ausbremst, daß wir doppelt so lang auf seinen Bus warten müssen. So gegen drei bin ich bei Ingrid; auch die gemütlichste Bergwanderung ist erst vorbei, wenn du wieder - Kurt und Schorsch sei's gedankt - gut daheim bist!