Sektion Rosenheim

DAV

des Deutschen Alpenvereins e. V.
   


Höhenwege in den Ötztalern, 24. - 25. Juli 2004

Geleitet von Michaela Stark

Trotz sehr unterschiedlichen Wetters konnten - mit Übernachtung in Vent - zwei Höhenwege im Gebiet der Wildspitze (3 772 m, höchster Berg Tirols) erfolgreich begangen werden.

Teilnehmer:
Dorle, Maria, Renate, Christine, Michaela, Walter, Jürgen, Gotthard, Uwe
Text:
Gotthard, Michaela
Bilder:
Jürgen,Gotthard

Samstag, 24.07.04

Panorama-Höhenweg: Tiefenbach - Vent (von 2 800 m auf 1 900 m); 11 km, 4 - 5 Std.
Anfahrt mit den Autofahrern Walter und Jürgen nach Sölden. Mit dem "blauen Ötztaler" (Bus) fahren wir weiter auf der Mautstraße zur Talstation des Tiefenbachferners (2 800 m). Nach entspr. Akklimatisierung beginnen wir mit einer kreisförmigen Wegfindung auf einem endlosen Parkplatz im frisch eingefallenen Nebel. Schließlich ist der richtige Startpunkt geortet, hinein gehts in den bekannten Panorama-Weg. Promenademäßig ist der Anfang des Weges, zick-zack geht's hinunter ins Seiterkar - hier ist der Weg nur noch handtuchbreit. Über Schneefelder, Blockwerk, Steintreppen, stellenweise auch mit Drahtseilen gesichert, führt der Weg weiter.Weisskar 2830m Aber heut haben wir nicht Cinemascope, sondern Microscope mit Bleaml und Schaferl. Auch schön. Nur kurz zwischendurch erscheint hoch drüben der Ramol-Kogel. Was wär a gscheiter Nebel ohne Regen? ... trotzdem zweitbeste Stimmung! Bei Halbzeit des Weges halten wir Rast: Ein Wegweiser mit Stempelkasten für alle muss ein erstes Gruppenfoto Wert sein und evtl. können wir es ja auch noch als Gipfelfoto benötigen - wenn die Sicht nicht besser wird?

Michaela
<<=== Michaela hat uns schon im Bus gedopt mit "Gute-Laune-Drops" aus der Bergradler-Szene ... sauer macht lustig, erst recht wenn's nass ist!

Allmählich kommen wir tiefer, verlassen die Wolken und unser Tagesziel wird sichtbar: Der steile Abstieg zum Feldkögele über weiche nasse Grasböden geht noch einmal ordentlich in die Knie. Wir landen in Vent, einem ehemals winzigen Almererdörferl an der wilden Schlucht der Rofenache gelegen. Kirch, Friedhof, Prrrost-Kastl, Bauernstadl, winziges Feuerhäusl (brenna derfs hier aber net...) werden untersucht. Morgen ist Kirchfeschtl mit Prozession und alle Weda. Ankunft im avisierten Wirtshaus, 0 Stern, knarzt, mufflt. Aber der Keller heizt und trocknet, der Apfelstrudl am Nachmittag und die Halbpension schmecken prima. Die alten und die jungen Wirtsleut zeigen Tiroler Charme und es gibt Nachschlag - das sind die Sterne, die für uns zählen! So schön es hier eigentlich ist und so gut es schmeckt - aber es regnet. Immer wieder und immer heftiger - doch es hält uns nicht von einem abendlichen Verdauungsspaziergang durchs Bergdorf auf und wir vertreiben's Wetter durch Ratschn über ALLES.

Michaelas obligates Gesellschaftsspiel heut abend heißt "Unternehmensberatung", ja - wir helfen Jürgen unentgeltlich bei der Optimierung des Bergbahnenangebots im Rupertiwinkel. Man hat schon viel probiert doch nichts funktioniert. Mehr Preiss'n als da ankommen bringt man einfach nicht auf den Gipfel nauf. Strom machen ist einfacher - sagt Jürgen. Wir finden gleich mehrere Ideallösungen: Da gibts die Touri-Kanalisierung per Turnaround (auf Jiddisch: haste Pleite verpasst), also mittels Drehschwung-Kabine zwecks Gipfel-Express-Abhak-Option. Brauchst nicht aussteigen, wozu denn? Oder Gipfel-Wellness-Pool, Gipfel-Kindergarten... im Verbundtarif mit den Rosenheimer Stadtwerken. Flexibel voll! Jürgen will sichs überlegen (der gute Wille zählt).

Jetzt geht's über das Reizthema "Bergausrüstung". Ich platz heftig raus: ...und des kost hundert Eiro! Christine schaltet sich dazwischen: "Du sagst immer Eiro! Wos is Eiro?" A Naturalienwährung ebba? Naa, des wo de Jugo-Putzgeschwader "efro" dazu sagn. Aha, de neimodischn Verdruß-Kohln, wo uns in Ruin treibn. Nach dieser Klärung folgen weitere Ungewissheiten. Renate thematisiert das Hochjoch Hospiz. Wieso nicht Hütte, was ist überhaupt ein Hospiz?? "Das ist doch so ein Ort zum friedlichen Absterben" - meint Jürgen. Aha, Ziel für eine Seniorenwanderung, betreutes Erblassen im Hochjoch-Hospiz? Renate protestiert. "Das hab ich aber nicht so gemeint" kommts auf Thüringisch daher. Da Renate nicht grad riesig ist, glaubt jeder, man kann so Schabernack mit ihr treiben. Aber Mitteldeutschland ist gut drauf im Gebirg. Einschließlich Uwe, der begeistert von Achttausendern träumt, wenn er nicht grad zwölf Stunden am Stück auf dem Straßenfertiger sitzt. Der stinkt fürchterlich, der Fertiger, aber es bringt Eiro. Uwe ist trotzdem happy und wir quatschen über Gott, die Welt und die Scheißwirtschaft heute. Ein lustiger geselliger Abend und ... der Rotwein schmeckt!
S'regnt immer noch. Was morgen? Unsere Chefin schlägt statt einer Entscheidung ein Verfahren vor: "Erscht geng'ma moi, na seng' ma's scho, Rengschirm aufspanna könn ma immer no... nach dem Motto: da spannst dein Schirm auf und schiebst los, weil so a Regenschirm der is famos ..."


Sonntag, 25.07.04
Vent (1 900 m) - Rofenhöfe (2 014 m) - Hochjoch Hospiz (2 413 m) - Vernagthütte (2 766 m) - Vent.
Heut früh hats zwei Stunden lang nicht geregnet sagt die Wirtin, das ist verdächtig. Tagesbefehl von Senora Commandante: Fünf vor acht auf der Terrasse antreten zum Abmarsch, wie ist egal. Das ist eindeutig. Auf diesen Schock hin gibts gottseidank erst mal ein sattes Frühstück mit leckerem, frischen Rührei plus Nachbestellung - alles (HalbePension) für 33 Eiro. Es regnet immer noch nicht - also antreten. Gruppenbild mit fünf Damen, Blitz und Selbstauslöser. Dann los.

Wasserfall


Leider wird's aufgrund der Wetterprognose nichts mit dem geplanten Dreitausender (Wildes Mannle) und dem anschließenden bekannten Seufertweg (Breslauer Hütte - Vernagthütte). Flexibel - tolle Gruppe - starten wir eine Alternativtour :


Am mittelsteinzeitlichen Jägerkamp vorbei, durch Almwiesen und auf dem schwindelerregenden schaukelnden Drahtseil-Hängebrückerl ...





Drahtseilakt


...wandern wir zum bescheiden-kleinen Feldkircherl neben dem pompigen Wellness-Bunker "Rofenhöfe" (höchstgelegene, ständig bewohnte Höfe Österreichs) mit Human- und Pony-Abteilung. Jetzt endlich reißt sich das Wetter ernsthaft zamm, der Planet siegt über die Regenfront und wir bekommen, wie im DAV-Programm angedeutet, Panorama pur. Ab jetzt ist Sonnenschutz angesagt!

Ein Blütenmeer links und rechts des Weges lässt das Fotografenherz höher schlagen...
Türkenbund
Eisenhut


Über der Rofenschlucht Neugierige Haflinger auf der Rofenbergalm wollen wissen, ob unsere Rucksäck fest sind gegen Pferdebiß. Sie sind es, den Haflingern stinkts und der Schoklad bleibt im Rucksack! Immer wieder bleiben wir stehen und genießen die ramontische Rofenschlucht, den bestens angelegten Titzenthaler Weg.




Wir überm Gletscherbach


Mittels hochgepflegter Balkenbrücken gehts über wild stürzende Gletscherbäche, vorbei an der Kreuzspitze.







Die Finailspitze



Im Anblick der kühnen Finailspitze gelangen wir langsam aber sicher zum am Vorabend vieldiskutierten Hospiz am Hochjoch.







Unsere Eiro sind dort sichtbar investiert - mit Dach und Kamin sind bereits glänzende Veränderungen passiert. Hier nehmen wir ein betreutes Mittagsmahl ein; Weißbier und Nockerlsuppe entsprechen voll dem Pflegestandard. Weil's uns mit dem Vererben noch nicht so pressiert, verlassen wir diese wohltätige Stätte umgehend, verzichten auf deren finale Dienst­leistung und wenden uns zurück Richtung Vernagthütte. Unsere Senioren nehmen wir auch wieder mit, wir lassen hier nix liegen.


Bellavista




Nun folgt die landschaftlichste Strecke, der Weg steigt in neue Höhen, die Aussicht auf den Hintereisferner mit Weißkugel ist gigantisch. Bellavista und Ötzi's Biwakplatz werden sichtbar. Auf die Finailspitz könnt man noch eine Skitour machen, so steht sie da.





Wasser und Fels






Es gleißt und glänzt mit Fels, Blankeis, Schnee, Sonnenwolken, Wasserfällen. Weißspringende Bäche gegenüber fädeln sich gleich tausend Meter die Bergflanken hinunter; allerhand Blühendes steht in den Hochmatten und am brösligen Wegesrand; Türkenbund sogar. Hoch vor uns, zu Füßen der immer noch umwölkten Wildspitze, winkt die Breslauer Hütte herüber; ein etwas unscheinbarer Bau. Es sollte heut nicht sein, ein Besuch dieser Hütte also ein andermal.















Vernagtspitze




Wir nähern uns der Vernagthütte, eine Einkehr ist zeitlich leider nicht mehr drin und so leeren wir unseren Rucksackproviant bevor es heißt:








"Von jetzt an geht's bergab - durchs Vernagt- und Rofental Richtung Vent!"


Blick hinab nach Vent




... und mit dem "blauen Ötztaler" (Bus) lassen wir uns zu unserem Ausgangspunkt sprich unseren Autos nach Sölden bringen.

Hier gibt's noch viele Lichtblicke nah und fern, Traumwandeln. Das entschädigt uns für den gestrigen Regentag gleich dreimal. Schön, wenn man's wieder schätzen kann! Wir begießen's auf der Heimfahrt im Cafe "Flori" in Huben - das muß ein g'standner alter Tiroler Schuppen sein. So ist es auch; die freundliche Bedienung zaubert ganz rasch Apfelstrudl, Gulaschsuppe, Hawai-Toast, Kaffee, Almdudler, Bier ... also viele gute Sachen herbei - man kann sich hier wohlfühlen. "Nach 8 Std. Gehzeit habn ma uns des verdient!" Wir prosten aufs Wetter, auf Michaela, ihre Idee, Organisation und ihren Regenzauber - dass der aufg'hört hat!