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Ortler-DurchquerungArbeitstitel: Cappuccino-Tour
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| Tourenbegleiter: Christian Maas Teilnehmer: Hannelore
Siflinger, Michael Bauer (Michi), Michael Depping (Mike), Ingrid
Embacher Frei nach dem Motto „was interessiert mich mein dummes
Geschwätz von gestern“ verlegte Christian die Tour „Ötztal-Durchquerung
die Zweite“ einen Tag vor Abreise ins Ortlergebiet. Bei
fünf nicht auf ein bestimmtes Ziel fixierten Skinarrischen
kein Problem. Nur Mike’s Geduld als Fahrer wurde etwas
auf die Probe gestellt, bei der Suche nach Detailkarten vom Durchquerungsgebiet
in mehreren kleinen südtiroler Bergdörfern. |
| Montag, 27. März 2006
Die Anfahrt nach Sulden verläuft problemlos; wir passen zu fünft samt „Gepäck“ in Mike’s Passat. Als wir so gegen 11.00 h am Parkplatz des Skigebietes Sulden aus dem Auto steigen, ist es ziemlich warm (so wie es sich für Italien gehört!). Jetzt Jacke, Mütze oder Handschuhe anzuziehen wäre wirklich übertrieben. Also stopfen wir noch einige Kleidungsstücke, die wir eigentlich am Körper tragen wollten, in die ohnehin schon vollen und vor allem schweren Rucksäcke, die so auf 15 bis 18 kg geschätzt werden. Mir kommen leise Zweifel, ob ich nicht doch besser ein Wellness-Wochenende hätte buchen sollen… Mike outet sich schließlich als Weichei und schlägt vor, für den ersten Teil des Anstiegs die Gondel zu benutzen. Aus Harmoniegründen protestiert keiner. Wir tun es dann wirklich und schweben für schlappe 9 € in wenigen Minuten zur Bergstation auf 2581 m. |

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| Dienstag, 28.
März 2006
Nach einem guten und reichlichen Frühstück steigen wir auf zur Martellerhütte (2610 m). Hier erleichtern wir die Rucksäcke um Übernachtungs- und Gletscherzeug, das wir für unser heutiges Ziel, die Köllkuppe, nicht brauchen. Weil wir schon mal da sind, probieren wir auch gleich den Cappuccino dieser Hütte. Wieder vorzüglich! Beim anschließenden Aufstieg wird das Wetter schlechter. Es schneit jetzt heftig, die Sicht beträgt nur noch wenige Meter, wenn überhaupt. Christian setzt Karte und GPS zur „Mugelsuche“ ein. Nach zwei Kurskorrekturen kommen wir auf der Köllkuppe (3380 m) an. Auf dem Gipfel ist es ungemütlich; wir suchen uns einige Meter unterhalb ein Plätzchen und lauern abfahrtsbereit darauf, dass es mal kurz aufreisst. Beim ersten Aufhellen fahren wir sofort los, aber das Loch in der Wolkendecke war zu klein. Schon bald wird die Sicht wieder schlecht. Durch den starken Schneefall der letzten Stunden sieht das bisschen, was man von der Umgebung erkennen kann, bei der Abfahrt ganz anders aus als beim Aufstieg. Christian tastet sich vorsichtig den Berg hinunter, befragt mehrfach Karte und GPS und legt (weiss der Himmel wie er das macht) eine Punktlandung an der Martellerhütte hin. Die Anspannung fällt schlagartig ab. Uns wird ein 12er-Lager zugewiesen, hurra, da haben wir viel Platz und können unser Zeug schön ausbreiten. Nicht ganz so erfreulich ist das Abendessen, von dem einiges wieder zurück in die Küche wandert, was aber nicht an der Menge oder fehlendem Hunger liegt … |
| Mittwoch, 29. März
2006
Es hat über Nacht mindestens 30 bis 40 cm Neuschnee gegeben, gefallen unter starkem Wind. Wir wollen heute zur Brancahütte. Beim Aufbruch geht immer noch ein starker, böiger Wind. Auf dem Weg von der Martellerhütte zum Fürkeleferner haut es den Michi einmal glatt um. Dick in die Gorejacken eingepackt steigen wir auf Richtung Monte Cevedale. Etwa 270 m unterhalb des Gipfels zweigt Christian nach rechts ab und wir fahren zur Pizzinihütte ab. Unter den Anblicken von zerfurchten, blau-grauen Gletschern genießen wir die Abfahrt durch unverspurte Pulverhänge, dem Schneefall der letzten Nacht und der Kälte sei Dank. Auf der Pizzinihütte gibt es zum Aufwärmen eine Riesenschüssel Minestrone und, natürlich nur wegen des Vergleichs mit den anderen Hütten, einen Cappuccino. Als wir nach der Pause die Hütte verlassen, ist es nicht mehr ganz so kalt und sogar die Sonne wagt sich hervor. Vor uns liegt eine flache Abfahrt, dazwischen auch Schiebepassagen und am Schluss des Tages noch ein Anstieg von etwa 200 hm auf die Brancahütte (2487 m). An diesem Tag legen wir mit 18,4 km die längste Strecke der Tour (insgesamt 75 km) zurück.
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| Donnerstag, 30. März 2006
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Freitag, 31. März 2006
Heute geht es in umgekehrter Richtung wie am Mittwoch zur Pizzinihütte. Das Wetter wird immer besser, die Blicke schweifen zu Königsspitze und Co. Neue Bergziele formen sich in den Köpfen. Auf dem Weiterweg zur Casatihütte wird es fast kitschig schön, Bilder wie aus dem Bergkalender wohin man schaut. Das letzte Stück zur Casatihütte ist steil, durch die Windverfrachtungen ein bisschen knifflig zu gehen. Das Wetter macht auf dramatisch, der Wind wirbelt Schneefahnen auf, in Kombination mit der Sonne ein optischer Genuss. Nach einem letzten Cappuccino auf der Casatihütte geht es noch ein paar Meter hinauf zur schon bekannten Suldenspitze.
Schnell ein Foto mit dem Selbstauslöser und von nun an ging’s bergab.
Viele Höhenmeter vernichten wir am Stück, der immer noch gute Schnee macht es uns leicht. Fazit: Es waren fünf tolle Tage. Viel schöner als Wellness. Die Truppe hat sich gut organisiert, jeder zum Gelingen beigetragen. Mike hat uns hin- und heimkutschiert, Michi hat das Seil, das Hannelore zur Verfügung stellte, am fleissigsten getragen und ich habe diese Zeilen verbrochen. Ach ja: Und ganz vielen Dank an Christian für’s Führen. Du hast uns diese große Bergfahrt in verdaulichen Happen serviert. Mit viel Gespür für die Gruppe ein Tempo angeschlagen, bei dem man ge- aber nicht überfordert war, besonders auf den flachen Gletscherpassagen selbstvergessen vor sich hin träumen konnte aber trotzdem zügig vorankam. Aktivurlaub vom Feinsten eben. |