Sektion Rosenheim

DAV

des Deutschen Alpenvereins e. V.
   


Silvretta-Skidurchquerung 31.03. - 04.04.2005


Ausweichtour für die Skidurchquerung der Ötztaler Alpen

Organisiert von Christian Maas

Teilnehmer: Doreen Albrecht, Michaela Stark, Gotthard Weiser, Michael Depping und Till Rehm
Text:
Michael Depping
Bilder:
Michael Depping und Gotthard Weiser

 

Mittwoch, 31.03.2005, Anfahrt und Aufstieg zur Tuoi-Hütte, 2250m.

Am Parkplatz in Guarda

Zwei Fahrzeuge und sechs Personen, mit dieser „Idealbesetzung“ starteten wir (Christian, Michaela, Doreen, Till, Gotthard und Mike) am relativ späten Morgen, so gegen halb 9 Uhr, zur Fahrt nach „Guarda“. Das Wetter war eigentlich gar nicht so schlecht, aber da uns der Wetterbericht bereits vorgewarnt hatte, waren wir nicht allzu enttäuscht, als wir bei leichtem Nieselregen unsere Rucksäcke auf den Buckel hieften. Die Tatsache, dass in Guarda kein Fitzelchen Schnee mehr lag war eher beunruhigend, aber als dann nach ca. 50 Minuten die Ski zum Einsatz kamen, war alles nur noch relativ. Der Anstieg an sich war ja kein Problem, nur zog er sich ganz schön in die Länge. Der Grund lag daran, dass man nicht allzu viel sehen konnte, und die Wolken sowie der ab ca. 1900 m einsetzende Schneefall wurden doch bald eintönig. Die „Tuoi-Hütte“ war dann zwar sehr einfach eingerichtet, aber das Essen war wie im vorhinein bereits angekündigt gigantisch. Uns wurden für sechs Personen acht Schlafplätze zugewiesen, was bis auf eine Teilnehmerin, von uns als sehr ausreichend bewertet wurde. Die Steppdecken !!! mit Überzug !!! garantierten einen kuschlig warmen Schlaf.

 

Donnerstag, 01.04.2005, Dreiländer Spitze, 3197 m.

Im Aufstieg zur Dreiländerspitze

Der nächste Morgen präsentierte sich recht vielversprechend. Die Wolkendecke, die im Talgrund lag und fast blauer Himmel waren nicht nur für Gotthard ein Foto wert. Nachdem uns Christian bereits am Vorabend sehr ausführlich mitgeteilt hatte, dass er unter abmarschbereit nicht versteht, dass man draußen vor der Hütte erscheint, sondern dass man zur Piepserkontrolle voll angezogen zu erscheinen hat, waren wir tatsächlich bereits um 07:10 Uhr unterwegs zur Dreiländer Spitze.

Gipfel der DreiländerspitzeBereits nach einer Stunde Gehzeit mussten wir feststellen, dass das mit dem schönen Wetter wohl nichts werden würde. Je näher wir dem Vermuntpaß, 2797 m, kamen, umso windiger wurde es und zu schneien hatte es auch bereits begonnen. Die Querung im Nebel hinüber zum Aufstieg der Dreiländer Spitze war dann, wegen fehlender Spur, ein Vorantasten ohne Sicht. Nichts desto trotz fanden wir die richtige Felsnase fast ohne Höhenverlust und bereits eine Stunde später kam die obere Ochsenscharte in Sicht. Allerdings nicht nur die, sondern auch Kolonnen von Mitanwärtern für den Gipfel. Der Gipfelanstieg im Schneetreiben war nicht ohne, so dass Christian für den Abstieg ein Fixseil legen musste.

 

Trotzdem, der erste Gipfel war bestiegen, da konnte auch dass Wetter unserer guten Laune nichts anhaben. Die Abfahrt war dann sowieso ein Traum, 30 cm Pulver und kaum Spuren, was will Mann oder Frau mehr.

Traumpulver!

 

Freitag, 02.04.2005, Übergang zur „Silvretta-Hütte“

Übergang zur Silvrettahütte unterhalb des Piz BuinObwohl kaum einer von uns so richtig gerne die Tuoi-Hütte verlassen wollte, brachen wir am nächsten Morgen zur „Silvretta-Hütte“ auf, denn es sollte ja eine Durchquerung werden. An diesem Morgen war dafür aber klar, dass uns ein Traumtag bevorstand. Nicht das kleinste Wölkchen war zu sehen, und der nach Westen geneigte Silvrettagletscher ließ jetzt schon wieder auf eine Pulverschneeabfahrt hoffen. Die Sonne im Rücken tauchten auf unserem Weg zum Silvrettapass nacheinander Piz Fliana, Piz Buin, Piz Linnard und andere fantastische Gipfel auf, denen man aber an diesem Tag nur begehrliche Blicke zuwerfen konnte. Der Gipfel an sich, das Silvrettaeckhorn, 3147 m, war für heute nur eine Zugabe, die wirklich nur das I-Tüpfelchen des Tages bot.


 

Micha im Gipfelanstieg zum Silvretta-Egghorn Die Abfahrt zur Silvrettahütte vereinigte dann so ziemlich alles was man sich als Skitourengeher erträumen kann. Einen riesigen unverspurten Gletscher, 30 cm Pulverschnee, traumhafte Kulisse incl. passendem Wetter und noch genügend Kraft in den Beinen das alles genießen zu können. Einige hatten an der Hütte noch nicht genug und drehten unterhalb der Hütte noch einige Extrarunden im Pulverschnee um überschüssige Energie loszuwerden. Das anschließende Sonnenbad auf der Hausbank beendete dann diesen Tag.

Die Nacht durften wir dann im Winterraum verbringen - trotz Voranmeldung! Dafür aber für den normalen Übernachtungspreis. Nachdem das Essen auch nicht erwähnenswert war, stand für uns Teilnehmer fest, dass wir nicht so schnell wiederkommen werden.

Sonnenaufgang hinterm Silvrettahorn

Samstag, 03.04.2005, Silvrettahorn, 3244 m

Das eindrucksvolle Silvretta-HornDer nächste Morgen war wettertechnisch wieder vom Feinsten, bis auf die Tatsache stundenlang gegen die Sonne und einen eiskalten Wind anzugehen. Der direkte Anstieg zum Silvrettahorn, 3244 m, war uns aus Sicherheitsgründen verwehrt, aber der Umweg über die Fuorcola del Confin, 3043 m, war lohnenswert, und die zusätzlichen 200 Hm kein Ärgernis da diese uns anschließend wieder eine Pulverschneeabfahrt bescherten. Schade war nur, dass die offizielle DAV-Tour am Skidepot endete, und somit nur 5 Einzelpersonen und nicht die ganze Gruppe die Gipfelfreuden erleben konnten. Allerdings auch nur sehr kurz, da es am Gipfel saukalt war.

Autor und Fotograf am Silvretta-Horn

Die Abfahrt über den zerrissenen Ochsengletscher war anschl. wieder ein optischer Leckerbissen und war vor allem einfacher als befürchtet. Der abschließende Gegenanstieg zur „Wiesbadener Hütte“, 2443 m, war dann zwar heiß aber Gott sei Dank nicht mehr weit. Den verbleibenden Nachmittag nutzten wir ausgiebig, um gemeinsam den Flüssigkeitspegel wieder auf das richtige Niveau zu bringen und unsere Verpflegungsreste zu vernichten.

Der Abend wurde - wie es sich für so eine Tour gehört - richtig feucht und lustig, was dazu führte, dass wir alle, zum ersten mal wirklich alle, gut schliefen. Was aber auch darauf zurückzuführen ist, dass wir das Bergführerzimmer bekamen - mit eigenem Waschbecken und fließend Warmwasser - echt geil. Die Hütte als Ganzes hat einen hervorragenden Eindruck hinterlassen, und wir waren uns wieder mal einig, hierher auf alle Fälle zurückkommen zu wollen.


Sonntag, 04.04.2005, Heimfahrt

Am folgenden Tag begrüßte uns dann ein rot eingefärbtes Silvrettahorn, das von dieser Seite aus richtig beeindruckend aussieht. Am Vortag hatte sich Doreen anscheinend einen Sonnenstich eingefangen, was unsere Gruppe sehr verlangsamte (Till musste den gesamten Aufstieg frieren). An der oberen Ochsenscharte, 2970 m, musste sie dann aufgeben. Während der Rest der Gruppe den direkten Abstieg über den Vermuntpaß wählte, konnten der Till und ich noch eine Zusatzrunde auf die Hintere Jam Spitze, 3156 m, drehen. Schade, dass wir nicht alle hier oben sein konnten, denn die Aussicht bot ganz neue Eindrücke und die Abfahrt über den harmlosen Vad. Tuoi ist jeden Umweg wert.

Abfahrt von der Tuoi-Hütte nach Guarda

Nach einer hervorragenden Gemüsesuppe auf der Tuoi-Hütte waren wir alle wieder gestärkt, und die Rückkehr zum Auto erlaubte dann doch noch mehr Skifahren als befürchtet, so dass sich das Tragen der Ski auf 45 Min beschränkte.



Vielen Dank an den Tourenbegleiter ChristianIn der Nachbetrachtung:

  • Höhenmeter sind nicht alles, auch für 950 Hm kann man 4:30 Std. brauchen ohne langsam zu sein.
  • Es ist Unsinn zu glauben man bekommt auf jeder Schweizer Hütte gutes Essen.
  • Nicht nur bei der Bundeswehr gibt es einen genauen Zeitplan.
  • Auch eine inhomogene Gruppe kann zu einer Gemeinschaft werden.
  • Telefoniern geht auch noch im 40° steilen Gelände.
  • Es kann auch sehr viel Spaß machen wenn nicht immer die Sonne scheint.

Hoffentlich bis zum nächsten Jahr.