Sektion Rosenheim

DAV

des Deutschen Alpenvereins e. V.
   

Silvretta-Durchquerung 27.02.-02.03.2007

Teilnehmer: Conny Schmidt, Michael (Mike) Depping, Wolfgang und Georg Eder, Martin Rapolder (Rappi), Ingrid Embacher

Tourenleiter: Christian Maas

Text: Ingrid

Bilder: Wolfgang, Georg, Mike, Ingrid

Panta Rhei - alles fließt (Heraklit)

Aus Niedere Tauern wurde Silvretta, aus Gotthard und Michael S. wurde Conny und weil aus drei vier wurde, wurde auch aus fünf vier. Im Klartext: Wegen Schneemangel in den Niedern Tauern entschied Christian die Silvretta anzusteuern. Wir hofften, dort auf ausreichend Schnee für eine Durchquerung zu treffen. Irgendjemand muss das Hoffen dann leider übertrieben haben, denn als nach tagelangem Schneefall am vierten Tag der auf fünf Tage angesetzten Tour die Lawinenwarnstufe auf vier stieg, traten wir den geordneten Rückzug an.

Dienstag, 27. Februar 2007

Bahnhof Landeck

Unsere Damen Zunächst geht es mit dem Zug von Rosenheim nach Landeck und von dort weiter mit dem Bus nach Ischgl. Mit Hilfe einiger Lifte und Pistenabfahrten dazwischen erreichen wir relativ kraftsparend das Zeblasjoch. Nach einer kurzen Abfahrt legen wir auf dieser Tour das erste Mal die Felle auf und beginnen den Aufstieg zum Piz da Val Gronda. Ziemlich zeitgleich beginnt es zu schneien und hört so schnell auch nicht wieder auf. Da keine Spur vorhanden ist, ist Christian gleich doppelt gefordert. Er verdichtet den Schnee und kümmert sich gleichzeitig um die richtige Wegfindung. Nachdem die Sicht immer schlechter wird, kein einfaches Unterfangen. Aber wie so oft schon beweist er, mit Karte, GPS und wohl auch Intuition umgehen zu können und zieht wie vorgesehen knapp unterhalb des Gipfels des Piz da Val Gronda vorbei. Die Abfahrt zur Heidelberger Hütte gestaltet sich wegen der schlechten Sicht, diversen Stürzen und Problemen mit den Fellen (jawohl, wir sind mit Fellen abgefahren!) langwierig. Mit dem letzten Tageslicht erreichen wir die Hütte.

Zum Zeblasjoch

Dienstag, 27. Februar 2007
So wie es aussieht, hat es die ganze Nacht geschneit. Leider ist es schwerer Pappschnee, der unaufhörlich weiter vom Himmel fällt. Unser Ziel für heute ist die Jamtalhütte. Christian lässt uns abwechselnd spuren, er selbst geht an zweiter Stelle. Jeder kommt also alle halbe Stunde für fünf Minuten zum Spuren dran und darf sich dann hinten einreihen. Damit wir auf Kurs bleiben, gibt Christian von hinten Kommandos. Etwa so: „mehr Höhe machen“, „leicht nach rechts“, „flacher“, „halte auf den Felsen da vorne zu“ usw. Sehr schön, man kommt sich vor wie ferngesteuert. Außerdem sind die Anweisungen zum Teil gar nicht so einfach umzusetzen, nachdem man nicht sieht, ob bzw. wo es bergauf oder bergab geht. Das kann man nur anhand der einzusetzenden Kraft fühlen. Christian verfügt anscheinend über einen Radarblick, denn er leitet uns sicher an Geländehindernissen und Spalten vorbei.
Nach etwa 4 1/2 Stunden erreichen wir das Kronenjoch (2980 m). Eine Gruppe Franzosen, die mit wechselndem Abstand hinter uns geht, hat uns nicht eingeholt, obwohl die im Gegensatz zu uns eine fertige Spur haben. Das macht uns sauer und stolz zugleich. Angesichts der anstrengenden Spurerei, der schlechten Sicht und der unbekannten Abfahrtsverhältnisse verspüren wir keinerlei Drang, die am Weg liegende Breite Krone zu besteigen. Wir fahren vom Joch ab Richtung Jamtalhütte. Wegen der Schneemassen bleiben wir manchmal fast stecken.

Der erste Sturz

Jetzt endlich holen uns die Franzosen ein. Der Anführer bedankt sich galant für die Spur und lässt seine Teilnehmer kreuz und quer in unsere Gruppe fahren und stürzen. Ganz übel treibt es ein etwas beleibter Franzose, von uns „der Dicke“ genannt. Dieser besagte Silvretta-Durchquerer wagt es doch tatsächlich, dem Wolfgang bei einer Schussfahrt in die Spur zu fahren. Das kommt beim bis dato ruhigen Wolfgang erkennbar nicht gut an. Das wahre Ausmaß seiner Verärgerung sollte sich allerdings erst am folgenden Tag zeigen.
Ohne weitere erwähnenswerte Zwischenfälle erreichen wir etwa um 15.00 Uhr die Jamtalhütte. Da gibt es zuallererst eine Runde Schnaps und dann, welch’ Überraschung, noch die Mittagssuppe, welche im Preis für die Halbpension inbegriffen ist.
Donnerstag, 1. März 2007
In Bezug auf das Wetter gibt’s keine Veränderung. Schneefall, Wind und schlechte Sicht wie gehabt. Wir wollen heute über die Ochsenscharte zur Wiesbadener Hütte. Die Franzosen haben den gleichen Plan, wie wir mitbekommen haben. Obwohl wir uns in der Früh Zeit lassen und hoffen, heute mal die Franzosen spuren zu lassen, sind wir doch als erste auf den Skiern. Also wird wieder gespurt, das System ist ja inzwischen bekannt. Wieder gesteuert durch Christian’s Richtungsangaben erreichen wir in etwa 3 ½ Stunden die Ochsenscharte (2977 m), von den Franzosen ist weit und breit nichts zu sehen. Wir rätseln, ob die nicht können oder nicht wollen. Wolfgang hat die gestrige Vorfahrtsmißachtung noch lebhaft vor Augen und droht für den Fall, dass ihm der Dicke heute erneut zu nahe kommen sollte an „den stäß’ i obe, wenn der des heid wieda machd“. Da wir die Franzosen heute aber überdeutlich abgehängt haben, können wir die Abfahrt unbehelligt genießen. Zum Jamtalferner

Vor der Ochsenscharte

Ein Genuss wird es tatsächlich, nachdem es aufhört zu schneien und sich sogar die Sonne zaghaft hervor wagt. Endlich sieht man was von der grandiosen Landschaft. In der Wiesbadener Hütte angekommen muss erst mal der Zugang zum Skikeller freigeschaufelt werden, dann gibt’s Cappuccino und Kuchen, Wiedereinsetzen des Schneefalls und den Entschluss, die weitere Tourenplanung von der Wetter- und Lawinenlage abhängig zu machen.

 

Freitag, 2. März 2007

Skiraum Wiesbadener Hütte

Der Wetterbericht sagt für heute und morgen schlechtes Wetter an. Noch schlimmer ist, dass die Lawinenwarnstufe von drei auf vier gestiegen ist. Sinnvolle Skitouren sind damit in diesem Gebiet nicht möglich. Es heisst also Abbruch der Tour. Von der Wiesbadener Hütte bis nach Wirl sind es 15 km; wir haben somit auch heute noch Gelegenheit, ein paar Kalorien durch Bewegung zu verbrennen. Bis auf einen Hang gleich nach der Hütte, der allerfeinsten Pulver aufweist, ist die Strecke überwiegend flach, so dass sich die Angelegenheit zu einem Ganzkörper-Workout entwickelt. Unsere fünf Männer sind anscheinend dennoch nicht ganz ausgelastet. Spontan erfolgt eine Männerballett-Einlage, wobei der Schwerpunkt eindeutig auf der Individualität der Bewegungen liegt. Die gezeigten Figuren liegen irgendwo zwischen Volte, Pirouette und Hampelmann. Als Spaß für die ganze Gruppe entdecken wir das Ineinanderfahren zu einer Art Gaudiwurm unter gleichzeitigem Singen (Gröhlen) der einzigen uns bekannten Textstrophe aus dem Lied mit dem Bob und die lautet:

„Wir singen hey, hey, hey, hey, hey,
mir wolln’s ned langsam sondern schnell,
wir sind die Männer, mit einem harten Job,
wir fahren mit dem Bob“.

 

Resümee:

Außer uns waren kaum Leute unterwegs. Wir mussten alles selbst spuren und wegen der fast durchgehend schlechten bis ganz schlechten Sichtverhältnisse konnte und musste Christian sein Wegfindungstalent in verstärktem Ausmaß einsetzen. An Vorteilen war viel Platz in den Hütten sowie rascher und aufmerksamer Service zu verbuchen. Über die uns zugewiesenen Lager und Betten wie auch das Essen kann nur Gutes berichtet werden. Selbst Nachschlag gab es jedes Mal auf Verlangen. Während der ganzen Tour herrschte in der Gruppe eine super Stimmung, es wurde viel gelacht und geblödelt. Mit Vorliebe wurden am Morgen die Schnarchgeräusche der jeweils anderen imitiert und kommentiert und Rappi erzählte anschaulich, dass er in jedem Essen ein verdauungsförderndes Mittel vermutete.

Wie von selbst wurde aus sieben Ichs ein Wir. Jeder setzte seine Kräfte im Sinne und zum Wohle der Gruppe ein und der Alltag war weit weg.

Im Namen der Gruppe ein herzliches Dankeschön an Christian für die souveräne Tourenvorbereitung und -ausführung. Falls Du im nächsten Jahr die Niederen Tauern wieder anbietest, dürften Dir ein paar Anmeldungen ziemlich sicher sein …