Sektion Rosenheim

DAV

des Deutschen Alpenvereins e. V.
   

Durchquerung der Tuxer Alpen, 8. - 12. Februar 2002


Begleitet von Christian Maas

Text und Bilder: Gotthard Weiser

Bei sehr unterschiedlichem, überwiegend gutem Wetter konnte die sehr schöne Durchquerung vollständig zu Ende geführt werden. Wegen Sturm bzw. Schneemangel waren Hobartjoch und Rastkogel nicht zu besteigen. Erreicht wurden Geier (2857m), Torspitze (2663m), Waxenjoch (2360m), Halslspitze (2574m), Rastkogelübergang (2660m) und Gipfel (2445m).

Teilnehmer: Regina Guthold, Robert Jahn, Christian Maas, Martin Rapolder, Wolfgang Scharrer, Dieter Schemm, Michaela Stark und Gotthard Weiser

 
Anfahrt zur Lizumer Hütte, 8. 2.  
Diesmal verspricht Christian nichts Sattes, sondern Flüssiges - soll heißen eine flüssige An- und Heimfahrt per Eisenbahn. Ausgerechnet damit sei man flexibler, meint er. Gleich vorweg: sowohl satt als auch flüssig wurden erreicht. Die flüssigste aller Anfahrten beginnt bei Regen in Kolbermoor (Perle des Mangfalltals) und endet nahe Matrei unterm Brenner. Dazwischen, in Kufstein Gleis 41, verspricht die Bahn uns langweilig dahinstiefelnden Ski-Touris einen flotten "Tiroler Takt". Der wird vom Zugschaffner intoniert und klingt so: "Ramts enkch nit bol her do!". Ja, man isch freundlich in Tirol. In Innsbruck-Zentral ziang ma uns Pizza mit Kaffee nei. Und in Matrei kommt tatsächlich der vom Internet versprochene Kleinbus. Der Fahrer schaut aus wie ein wettergegerbter, wirtshauserprobter Bauernstiefel. Er karrt uns gutmütig hinauf zu unserem Ausgangspunkt ins hübschgelegene Kirchdorf Navis (Perle des Navistals).

Wir müssen nur noch ca. 1,0 HKM zum Klammjoch aufsteigen, dann sind wir schon fast auf der Lizumer Hütte (die Naviser Hütte lassen wir aus, zwengs Verpreißung derselben). Erst mal langer Straßnhatscher zum Ratschn und Blödln; ein Tiroler Herrgott am Wegesrand, drüber der kühne Gipfel des Reckner. Endlich gehts bergauf zur Klammalm. Wolfgang und Dieter, beide aus Mittelfranken, treffen ausgerechnet hier zusammen und spuren für uns im luftigen, steilen Triebschnee. Nun müssen die berühmten reichsfreien Städte Spalt (mittelstes Mittelfranken) und Rothenburg (mittleres Nordwestmittelfranken) geländehalber sehr eng kooperieren, was sie sonst nie tun würden. Mal verschwindet Wolfgang im Schneespalt, dafür taucht Dieter aus dem Nichts auf. Wir haltens Maul und wissen: man muß Gott für alles danken, besonders aber für Mittelfranken. So gehts hurtig hinan, die einsame Klammalm fliegt fast vorbei. Aber halt - erst nochmal brotzeitln hier mit Blick auf die Innsbrucker Dolomiten unterm dunklen Föhnschirm (das Wetter übrigens hat sich ganz passabel entwickelt seit heut früh). "Rappl" Martin tut im Stillen sein Fahrgstell ver"tapen" damits Bluad auf de Blosn besser rutscht. Gams und Adlerpärchen schaun uns zu. Herrschaftseitn diese Fluggeier - neidisch könnt man schon wern. Tun keinen Schlag und lassen sich dort nauftragen wo wir nie hinkommen. Dafür aber wissen sie nichts von den Freuden eines Skiaufstiegs im Pappschnee!
 Nun kommen die lumpigen letzten 0,4 HKM zwischen uns und dem Hüttenschnaps, also weg damit! Die ziehn sich aber noch elendig lang dahin. Das Klammjoch ist eigentlich eine kilometerlange Mondlandschaft aus bizarren Windschneegestalten, umgeben von formschönen Schneegipfeln und jetzt überflutet vom Abendschein. Wir können uns grad noch davon losreißen, durch Pulver gehts hinab zur Lizumer Hütte (2019m).
Jetzt haben wir doch grad den Kaiserschmarrn verpasst! Reinhard der Wirt sagt, den gibts bloß bis vier Uhr wegam Herd und de Abendgäscht. Er muß es wissen, denn er ist g'lernter Doktor, ja, so richtig für d'Leit kuriern. Aber recht bald ausgrissn ist er und auf die Hüttn rauf, da ist er unabhängig. Am meisten, wenn er wochenlang mutterseelenallein eingschneit ist. Das gibt ein Mords Gefühl, sagt er. Und an was so ein Doktor alles krank werden kann. Vor allem weiß er schon davon bevors passiert, auch wenns garnicht passiert. Da hilft nur Tiroler Gottvertrauen.
  
Nach 25 Jahren übergibt Reinhard die Hütte, denn es hat sich für ihn ein Job an der Uni in Innsbruck angebahnt, entwickelt sozusagen. Ein bisserl nachgeholfen hat er aber schon. Es geht da um Info-Management, Netz, Links, ... was man heut so hat. Irgendwas hat er von dem bärenstarken Tiroler Rettungswesen erzählt. Vielleicht greift er da mal durch und verlinkt die eigensinnigen Hubi's zur Tiroler Adler-Flotte.
Das wär alles halb so wild, hätte er nicht ein Nachfolgeproblem für seine Hütte. Das Problem - eben die Nachfolger - ist heut auch heroben. Es besteht aus Papa (meistens unsichtbar), Mama (knallrot und gut gefedert), Tochter (mit Jugendstil-Logo auf ihrem Reservespeck eignadlt, lernt auf "Alpinbetreuungsfachfrau") und Hunderl (bellt lautstark den Ofen an) . Das Quartett wird in die Besonderheiten von Haus und Gästen eingewiesen. Wie schaufelt man die Kohln, schenkt gleichzeitig zwei Weizen ein, rechnet Schilling in Euro und und und... Wir prüfen die ISO-Qualität zu diesem Anlernprojekt ... äh, Knowhow-Transfer-Process, coached by Stark&Maas Teamware, Inc. Wie auch immer, wir kommen wieder und werden feststellen, ob Tochters Logo noch im Limit liegt. 
 
Lizumer Rei'm, 9. 2.
 
Diese lohnende Runde bei schönster Föhnlage - das wollen wir uns keinesfalls entgehen lassen. Nach dem Frühstück gehts in die Kampfrüstung, auspiepst wird und auf gehts zum Geier (2857m). Nach dem wohlbekannten Tal- und Karhatscher wird die dichtbevölkerte Gipfelkuppe Mittags erreicht. Reizvolle Ausblicke auf fleece-wechselnde Skidamen und die schneeblinkende Olpererfamilie entschädigen uns für die Mühe des Aufstiegs. Wir wenden uns abfahrmäßig Richtung Norden, lassen den Reckner liegen weil wir noch mehr vorhaben und stürzen uns statt dessen lustvoll in unberührte Pulverhänge Richtung Klammalm. Wolfgang der Ex-Turner macht die kürzesten Mikroschwünge, ganz wurscht wie der Schnee ist (sieht fast aus als tät er am Seitpferd üben). Nun tüftlt Christian an einer leicht alpinen Querung, sein GPS muß das hergeben. Das sagt: "Unterhalb dera Nosn". Wir glaubens, queren einzeln und treffen auf - Gegenverkehr von unten! Die Ami-Satelliten können nicht wissen daß hier eine Horde Bundesjager übt - schwerer Gepäckaufstieg mit Gehbrettern im gamsigen Gelände. Touris und Jager begrüßen sich erleichtert - da wo die runterfahrn werden wir auch naufkommen! Weiter gehts genüßlich durch unverspurtes Gelände bis zu einem Brotzeitfelsen mit Blick auf Felsarena über uns, 1000m Superhänge drüben undsoweiter. Die Weiterfahrt zur Klammalm versackt plötzlich im metertiefen Triebschnee. Schneetratzn mögen wir nicht - also gleich hinauf zum Klammjoch wie gestern, aber zeitiger. Die Schlappe mit dem Kaiserschmarrn darf uns heut nicht mehr passieren. Zurück auf der Hüttn gibts tatsächlich grad noch den Kaiserschmarrn oder Jager als Gulasch mit Halbpension. Manche bestellen beides und bringens dann nicht runter. Kein Wunder - z'erscht frißt ma die Jager und dann den Schmarrn als Nachspeis, net umkehrt!

Aufeinmal sind da auch wieder die Bundesjager bei uns herin zum Relaxen. Der Kapo krallt sich eine Gitarr vom Ofenbankerl, schrubbt was drauf und die Jager singen was über ihren Dienst - diesmal mit zivilen Zuhörern. Man hört was über Maderl, Schlacht, Bluad, Fallschirmjäger und - kein Gesangsfehler - die Insel Kreta. Der Soldatenfriedhof dort fehlt im Lied, könnt man nachbessern. Wir machen deshalb keine Weltanschauung und gehn über zum berühmten allaanigen Steirerbua nach Fürschtenfeld. Da sind wir alle wieder beisammen! Auch unser Dieter trägt was musikalisches bei zu der grandiosen Völkerverständigung zwischen Südbayern und Nordtirol.
 
Lizumer Hütte - Weidener Hütte, 10. 2.

 
Dieser Übergang gerät glatt zur Schlüsselstelle der Überschreitung. Nach dem Quali-Check der neuen Lizumer Wirtsleut müssen wir nämlich einen weiteren Hauptauftrag erledigen: Else von der Weidener Hütte wird von unserer Chefin Micha mit einem Stoß frischer Kreuzworträtsel für trübe Tage versorgt - Gebirgspost mit Direktzustellung. Unsere Tour dient hierzu nur als sportlicher Vorwand.
Wir starten guten Mutes, guten Wetters und gründlich piepsgeprüft Richtung Torspitz.

Weiter oben ein Blick zurück - da steht sie aufeinmal über Karwendel und Stubai so richtig schön dramatisch, die Wetterfront. Es wird doch nicht... Aber es wachlt eigentlich schon ganz schön die ganze Zeit. Wer mag kann sich winddicht anziehn meint Christian höflich. Alle mögen. Zum Gipfeltaferl nauf gibts Windgfrornen, Gras und a steife Bris. Bergheil, Null Aussicht, schnell nunter über die Nordseitn Richtung Vallruckalm. Da aber legt die "Störung" richtig los. Es soll an dem Tag Sturm bis 100 kmh gewesen sein - also die Hälfte reicht auch schon. Jedenfalls blasts den Schnaufer weg, die Sicht auch, eingheizt is eh net und der Fußboden im Vollrausch verlegt. So kratzn wir zickzack besagte Nordseitn runter; wenns gegen den Wind bergab geht muß man anschieben. Nix wie weg da, bald erreichen wir einen gewissen Windschatten, sammeln uns - kein Schwund! Christian, der sich hier schon mal rumgeprügelt hat, ortet die Vallruckalm, wo wir kurz im Windschatten tanken und die Route ändern. Die schöne Gratüberschreitung zum Hobarjoch geht heut nicht, wegen Sturm und Schneemangel dort droben. Also über die Waxen-Scharte hinab durch Lockerschnee mit abwechselnder Falltiefe Richtung Grafennsalm. Da erleiden wir den ersten Schwund - Mittelfranken überspringt einen Felsbrocken und wird spurlos verschluckt. Nach geraumer Zeit winkt ein einzelnes Fahrholz aus dem Schnee und der Schwund - Wolfgang - folgt langsam nach. Zuletzt gibts noch einen mäßigen Gegenanstieg durch schönen Zirbenhain zur Else, Post abliefern. Else ist hocherfreut.
Auf der Weidener ist heut Großkampftag, denn die berühmte Huber-Band ist zu Gast. Nicht die Bigwall-Hubers, sondern eine Traditions-Urlaubergruppe, seit Menschengedenken hier am Fasching zu Gast. So darf in der Stub'n geraucht werden, Gotthard darf drinnen süchtln und eine für Wolfgang mitdrahn. Außerdem erhalten wir umsonst "Schwäbisch Intensiv", ein Coaching-Seminar von und mit Regina aus Aalen. ?Heierda! Micha animiert uns zu Ratespielen im Kreis. Es geht um Mond und Elefanten, aber nur scheinbar. Gotthard sitzt auf der Leitung, Weißgott (an was er denkt) so sollt er heißen. Er zeigt sich aber seinerseits erkenntlich mit einem Salatmesser das man umdrahn muß. Das Messer will nicht und die Leut verhakln statt dessen ganz lustig ihre Pratzn. Natürlich treffen wir auch zufällig Manfred und Bianca outof Rosenheim. Heut greift Manfred zur Hüttnklampfe, spielt unsere Lieblinge und wir singen mit so falsch es geht. Da schließt sich die Tür zu den Hubers, sowas ist noch nie passiert hier drin. Wir lassen uns nicht beirren und musizieren weiter. Den Lawinenkurs am Nebentisch, den hamma auch scho nausbracht. Gehalten wurde er von einem angeschimmelten Professor mit der Fähigkeit zur Hochgeschwindigkeits-Korrektur. Der Professor hat rasch korrigiert! Und wir gehn dann auch in die knarzige Heia, einer sägt immer.

Weidener Hütte - Rastkogelhütte, 11. 2.
 
Beim Anschirren in der Früh fällt auf, daß die Weidener laut Hüttenschild von 1856m auf 1799m abgesenkt wurde. Das Gebirg ist ja ständig in Bewegung. Christian hat darauf hinbohrt daß das publik wird, sonst müßt er an seinem Höhenmesser oder an seinem Verstand zweifeln. Das ärgert die Sektion Weiden weil sie nun so tief unter 1800m gesunken ist. Aber es hilft nix, Ordnung muß sein.

Wir machen uns - wieder bei gutem Wetter - auf den Weg zu Judith, Herrscherin im Rastkogelhaus. Dazwischen liegt der Rastkogel samt Spezialgelände. Mittelfranken spurt es gelassen an und wir landen nach ein, zwei Stünderl auf der Halslspitze (2574m) mit umfassender Aussicht über unsere bisherigen Schandtaten. Auch Federbettkees, Gfrorene Wand und andere Zillertaler leuchten zu uns herüber. Kurze Abfahrt in einen breiten Kessel, dann über eine Schulter Richtung Rastkogel. Der macht sich wieder zu, nur ein einzelner grablt unverdrossen hinauf, will heißen kämpft auf der Stelle mit seinem Schneeloch. Wir kennen das und machen uns lieber gleich an die Abfahrtsuche solang die Sicht noch reicht.
Unser Leadership-Team, bestehend aus Chef und Regierung, harmonisiert sich bezüglich der Route und rauft das geometrische Mittel aus unter den zahllosen absturzträchtigen Felsrampen die hier auf uns lauern. Bald aber ist das "Mittel" ausgereizt, links ein schrecklicher Steilhang, alles unberührt natürlich, rechts geht nix mehr, überall Nebel. Christian setzt seinen bewährten Longbody als Ausguck ein, findet aber nix als Wüste. Also einzeln hinein in den Schreckenshang. Mit dem Lahnenkarterl werden über 30 Grad Neigung ausgependelt - da lacht plötzlich wieder die Sonne als wär nix. Nun schaut der Hang schon passabler aus und es entwickelt sich in der Tat die letzte, längste und schönste Pulverabstauberei dieser Tage. Noch ein Foto, dann ist der letzte Film auch aus. Waas - überhaupt nix mehr mit fotografiern? klagt Regina. Ja, tut mir selber leid, hab nicht mit soviel Landschaft gerechnet hier. Aber werd mirs merken! Weiter unten nochmal eine lange steile Rinne - schon etwas zaacha "Puiva" mit Eisbatzen garniert - bringt unsere Leut in chaotischen Schneekontakt. Sammelaktion für Mensch und Material, wieder kein Schwund und wir schlappen nüber und nauf zu Judith auf der Rastkogl. HungerHunger, Schwaben spurt - hanooi! - und unsere Abfahrtsroute schaut aus der Ferne wirklich großartig aus. Ein vielfältig zerklüfteter Talkessel mit lauter Felsbarrieren, mordsalpin, echt sausteil und daaa durch? Die spinnen, tät man sagen.
Auf der Rastkoglhütte empfängt uns Judith mit Begrüßungsschnaps - schließlich sind wir angemeldet. Die Hütte ist frisch modernisiert mit neuer Gasheizung. Leider geht die nicht immer weil das Wasser für die Turbine immer weniger wird, und ohne Strom heizt sich garnix. Aber im Obergeschoß wartet ein tatsächliches, kampferprobtes Hochzeitszimmer auf unternehmungslustige Gäste. Einmalige Gelegenheit für unser Leader-Team sich endgültig zammzuraufen! Beim Abendschein (der Rastkogel steht in Flammen, der Große Löffler glüht) bewirtet uns Judith großzügig mit Schnitzl-Halbpension - ein Kaiserschmarrn als Nachtisch gehört dazu. Wir druckns weg, nix bleibt über.
Als Verdauungshilfe kriegen wir von Michaela Luftschlangen um die Ohrn blasn weil Fasching ist und Zündhölzl zwischen die Zähn, vorn und senkrecht! So sagst du deinem Nachbarn: a ein i ank (da Heinz is krank). Du wirst gefragt: o oda enn (wos hoda denn?). Jetzt gibst du Auskunft: a ungenenündung! (Lungenentzündung). Dann gehts an die nächsten in der Runde. Heinz wird immer kranker. Zuletzt hat er alles was die Zündhölzl zulassen: ungenenündung, ump, iawa, oiweh, tcheiaei, ochaneknocha, indamenünung, umpleba, heaimman... ein Wunder daß er noch lebt. Christians Volksbefragung am nächsten Morgen - woran denkst du bei "Rastkogelhütte"? - ergibt: die mehrern denken ganz real an Kaiserschmarrn, weniger an hehre alpine Sachen. Jede Bergtour is a Umweg ins Wirtshaus, heißt es.
 
Rastkogelhütte - Kolbermoor, 12. 2. 2002  

Bei tiefblauem Nordföhn nehmen wir Abschied von dem gastfreundlichen Haus mit dem herrlichen Ausblick auf die Zillertaler. Über den Gipfel (der heißt wirklich so) müssen wir den Zugang ins Hochfügener Skigebiet gewinnen, denn dort steht der Skibus ins Tal. Heut wird Gotthard das Leichtgewicht zum Spuren verdonnert; bisher hatte er immer eine Ausred wegen Fotografieren. Gehst mal bis zu dera Stanga da nauf, sagt Christian. Schlapp, los, bald ist das Stangerl in Griffweite - da hauts unsern Presseattachee aufan Schlag fast um so packt der Nordföhn an. Also, Schräglage bittschön, Maul gegen den Wind hilft beim Schnaufen, der Anorak dient als Aufstiegssegel. So tappt sich unsere Karawane übern Büßerschnee Richtung Gipfel. Es langt grad zum "Bergheil" so wachlts hier droben. Die Brotzeit wird weiter drunten an einer Alm nachgeholt, die wir erst durch Bruchharsch, dann sanfteres Gelände erreichen. Gotthard denkt wieder an weißgottwas und verliert beinah Handschuh und Sitzmatte durch Windwurf. Aber Christian hat die längern Haxn, und "Rappl" passt auf. Des kost a Runde Kleiner Feigling meint er. Jetzt noch nunter über die Bruckn, nausgschobn auf der Straß und die Einsamkeit hat uns ausgspuckt in die Pistlhölle Hochfügen.

Die Landessprach hier droben ist Nederlands. Es gibt "Käsköppe" die hier noch nachmittags(!) zum Kaffeezerln rauffahren und sei's nur um die Schwiegermutter im Getümmel zu verlieren. Unser Nahziel ist die Reg'nschirm-Bar, die man todsicher erreicht wenn man dem Lautsprechersound nachläuft. Der Saufumsatz dort ist bescheiden (zwei überstandig aufpolierte Zillertaler Schnösl stehn hinter der Theke scheinbar gelangweilt herum und taxiern schon die steilen Zähn für den heutigen Abend), aber der Schallumsatz ist gewaltig. ... umpf ä umpf ä umpfff ba ba BaabaBaabaBaaba ...äääähhh ... mehr Tecno brauchts nicht um selbst die mitgeschleppten Babys in die frischen Pampers pfludern zu lassen. Wir sind eine herrlich elementare Gesellschaft wenn wir nur die nötigen Kilowatt unterm Arsch haben! Dennoch fehlt mir noch der sinnliche Soundkitzel in der Magengrube, will mich aber wegen der fehlenden Kilowatt nicht mit den Schnöseln herumhakln. Vielleicht müssen sie Energiesparen, und abends gehts dann so richtig los. Übrigens, unser Damenkränzchen hat sich emanzipatorisch abgesetzt und kocht da drüben was aus, (fast) ohne uns: ein Dankschön-Karterl an Christian für Lotsentätigkeit und Organisation. In der Tat, Netzdurchforsten, Anmelden, Billettlkaufen, Geld eitreibn, Schneelöcher orten, Wetter beschwörn - das nudelt sich schon ganz schön zamm!
Jetzt aber müssen wir ab zum Bus. Ein letzter sehnsüchtiger Blick hinauf zu den blinkenden Höhen wo der Föhn rastlos die Schneefahnderl über den Graten dreht. Schaut malerisch aus von hier unten - wie das ist wenn man da drinsteht wissen wir jetzt. Gnadenlos nähern wir uns der zweiten Schlüsselstelle der Tour - das Gewissen des Pistenbusfahrers wird geprüft. "Fahrn Sie nach Fügen zum Bahnhof ?" wollen wir wissen. "Ihr saads aba nit mit mir naufgfahrn" kontert der Fahrer. Kleinlautes Nein. Wir müssten halt zahlen, aber dieser Bus fährt nun mal umsonst. Konflikt, Grübelgrübl - sowas mögen Tiroler nicht. Der liebe Fahrer taxiert uns als Pistler und die Chose läuft. Laß andere Amtsschimmel wiehern - Du glückliches Österreich sei großzügig! Nun gehts im rasenden Sog dahin - Fügen Hbf, 10min P, Zillertalexpress Jenbach, 5min P, ICE Kufstein, 10min P, Rosenheim, dahaam in Kolbermoor. Zwei bis drei Stünderl nur - da schau her. Ein wirklich flotter Abschluß unserer geglückten alpinen Durchquerung. Dankschön an Christian, seine Co-Pilotin, die Kameraden, das Wetter das erst morgen schlecht wird und den Schnee der uns durchlassn hat!