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Anzeigenkollektiv zum Umbau der Hochrieshütte

Noch riecht es überall im Anbau der Hochrieshütte nach frischem, gebürstetem Fichtenholz. Sofort stellt sich ein Heimatgefühl ein, erst recht, wenn der Blick aus den bodentiefen Fenstern fällt: weit hinein über die Chiemgauer Berge, vom Watzmann bis zum Großglockner, vom Kaisergebirge bis zur Zugspitze, zum Chiemsee tief unten oder nach Grainbach und Törwang.

Traumhaft sind diese Ausblicke und so vertraut. Wer will da nicht eines der neuen Zimmer für eine Nacht sein eigen nennen und hinausschauen, bis die Sonne langsam untergegangen ist? Möglich gemacht hat dies die Sektion Rosenheim des Deutschen Alpenvereins, die Eigentümerin der Hochrieshütte. Die Mitglieder (insgesamt 9500) haben 2015 einem Masterplan zugestimmt, den Schatzmeister Dieter Vögele ausgearbeitet hatte. Es ging um die zeitgemäße Komplettrenovierung samt Errichtung eines modernen Neubaus. Kostenpunkt: rund zwei Millionen Euro. „Das war unser Limit, darüber hinaus ging nichts“, meint Vögele. Die Hochrieshütte, eine der ganz wenigen Alpenvereinshütten oben auf einem Gipfel, musste dringend saniert und gewandelten Bedürfnissen angepasst werden. Denn trotz laufender Instandhaltungs- und Verbesserungsarbeiten stand nach knapp 60 Jahren seit dem letzten großen Umbau die Frage im Raum: Zusperren oder zeitgemäß renovieren? Hinzu kamen unterschiedliche Standpunkte der Rosenheimer Sektion und des Dachverbandes des Deutschen Alpenvereins (DAV). Dieser wollte partout keine Zuschüsse gewähren - nur Hütten mit alpinem Stützpunktcharakter seien förderungswürdig. Außerdem müsste sich eine Hütte, zu der eine Seilbahn fährt, doch selbst finanzieren können, so das Argument aus München. Keine finanzielle Hilfe kam auch von den Anliegergemeinden und den regionalen Tourismusverbänden, die sonst gerne die „gut markierten und in Schuss gehaltenen Wanderwege“ sowie die „schönen Einkehren und Übernachtungsmöglichkeiten“ loben. Das sorgte beim Vorsitzenden der Sektion Rosenheim Franz Knarr sowie der gesamten Vorstandschaft für Verstimmung. Doch abhalten ließen sich die Rosenheimer nicht! Vögele und Knarr suchten nach Wegen, das „Projekt Hochrieshütte 2015 Folgejahre“ umzusetzen. Zusammen mit dem Architekturbüro Kammerl+Kollegen in Pfaffing wurde effektiv entworfen, geplant und ausgeführt. „Wir fühlen uns dem Erbe unserer Väter verpflichtet und wollen es solide an die nächste Generation weiterreichen“, bekennen die zwei Herzblut-Bergsteiger. Schon für den Bau der ersten Schutzhütte für Skifahrer auf der Hochries 1914 mussten etliche Hürden genommen werden. Auch um die Folgebauten 1934 und 1958, als aus dem Holzbau ein Haus aus Stein wurde, mussten begeisterte DAV-Anhänger nicht nur finanziell kämpfen. 130 Tagwerk Hochriesgrundstücke mussten verkauft werden, um den 58er-Bau durchführen zu können. Weiter ging es 1980 mit dem Bau der „Rosenheimer Stube“, 1994 mit der Erneuerung der Gaststube samt Küche und 2006 mit dem Neubau des Windfangs. Stets mussten alle Mitglieder anpacken, stets wurde um die Finanzierung gerungen. „Doch immer ging es darum, den Wanderern – ob Bergfexe, Senioren oder junge Familien – die Freude an den Bergen durch einen passenden Stützpunkt am Hochries-Gipfel zu ermöglichen“, machen Vögele und Knarr deutlich. Das ist ihnen jetzt nach einem Jahr harter Arbeit und mit überwiegend einheimischen Handwerkern gelungen. Gastraum, Küche, Haustechnik und Personalzimmer strahlen in neuem Licht, der massive Holz-Neubau schmiegt sich perfekt an den Altbau. Es war keine übliche Baustelle im Tal, der aufwendige Materialtransport erfolgte mit der Hochriesbahn und über 543 Hubschrauberflüge. Großes Lob ist den Wirtsleuten Elke und Flori Robl zu zollen. Zusammen mit der Familie und den Mitarbeitern in Küche und Service ist es ihnen gelungen, die Bewirtschaftung unter oft misslichen Umständen aufrecht zu erhalten. Auch die Gäste mussten so manchen Baustress kompensieren und fanden nicht wie gewohnt die verdiente Ruhe. Der frisch gewählte Hüttenreferent Radu Sandbrand stand ihnen dabei mit Rat und Tat zur Seite. Das Ergebnis aller Mühen kann sich jedenfalls sehen lassen! Aus dem etwas in die Jahre gekommenen „Entlein“ ist tatsächlich ein „schöner Schwan“, ein Schmuckstück hoch oben auf dem Gipfel des Rosenheimer Hausbergs, geworden: wohltuend frisch, zeitgemäß und mit einer gehörigen Portion Alpenvereins-Heimatgefühl. Von den Wänden leuchtet dem Wanderer das typische Grün der Organisation entgegen. Das Edelweiß wurde von einem Schreiner ehrenamtlich in die neuen Holzbetten gedrechselt oder es prangt glitzernd weiß auf grünem Grund. „Auf diese Identifikation haben wir großen Wert gelegt. Wir sind kein normaler Beherbergungsbetrieb, wir sind DAVler. Und das wollen wir zeigen“, sagen Vögele und Knarr unisono. An den Wänden hängen Fotos aus längst vergangenen Bergsteiger-Tagen, von der Hebfeier der ersten, kleinen Schutzhütte bis zu Faschingsfeiern mit einstigen Wirtsleuten. Traumhafte Bergbilder ergänzen die Sammlung, doch eigentlich muss der Besucher nur aus den Panorama-Fenstern des neuen Salettls blicken. Über neue Brandschutztüren, denen man ihre Verwendung zumindest äußerlich kaum anmerkt, geht es in den neuen Anbau. „Wir haben so viel wie möglich erhalten oder wiederverwendet und die Kosten stets im Auge behalten“, erklärt „Finanzminister“ Vögele. Richtig teuer war der Brandschutz und die Hygieneauflagen. „Das ging ordentlich ins Geld.“ Erneuert wurde die Haustechnik. Geheizt wird nun mit Pellets, einer Luft-Wärme-Pumpe, eine Solaranlage liefert Strom. Eine automatische Be- und Entlüftung der Toiletten wurde konzipiert, die kleinste Kläranlage Deutschlands sorgt für Sauberkeit. „Übrigens schon seit 1973“, sagt Knarr. Seit 1976 ist die Hochrieshütte an die gemeindliche Strom- und Wasserversorgung Samerberg angeschlossen. Im Erdgeschoss des Neubaus, der auf Frasdorfer Gemeindegebiet steht – die anderen Teile der Hochrieshütte gehören zu Aschau oder Samerberg - sind die Haustechnik, die Anlagen für Mobilfunk, die wetterunabhängige Be- und Entladestation der Materialseilbahn, Lager- und Trockenräume sowie Personaltoiletten untergebracht. Spektakulär wird es im ersten Stock: sechs Zimmer mit 22 Stockbetten und jeweils einer Toilette mit Waschbecken, mit Traumpanorama, WLAN, Steckdosen und kleinem Leselicht am Bett. Ergänzt wird der Komfort durch zwei moderne Allgemeinduschen. „Unser Blick geht in die Zukunft. Wir müssen auch für die nächsten 50 Jahre attraktiv bleiben. Nicht nur für unsere jungen Mitglieder, auch für ältere Wanderer oder Touristen, die sich das, Erlebnis Berg‘ einmal gönnen wollen“, betonen Knarr und Vögele. Mit Power, Durchhaltevermögen, Feingefühl und dem Meistern von unendlich vielen kleinen und großen Hürden während der Sanierungs- und Neubauphase haben Knarr und Vögele die Hochrieshütte erneuert und frisch gemacht. Vor allem aber haben sie eines geschafft: das einmalige Flair dieser Hütte für die Alpenvereinsmitglieder und die Allgemeinheit im Naherholungs- und Fremdenverkehrsgebiet Rosenheimer Land und im Wanderparadies Samerberg zu erhalten! 

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