| Erstellt von OVB - Sigrid Knothe

DAS-Sektion Rosenheim setzt 1000 Euro zur Ergreifung des Übeltäters aus -„Das ist kein dummer Jungenstreich“

Ihm reicht’s jetzt: „Eine solche Zerstörung des frisch ausgebesserten Wanderweges auf der Hochries ist nicht mehr hinnehmbar“, schimpft Wegewart Gerhard Ritthammer von der DAV-Sektion Rosenheim. Deshalb hat die Sektion des Deutschen Alpenvereins nun 1000 Euro Belohnung zur Ergreifung des oder der Übeltäter ausgesetzt. Wütend ist aber auch Peter Brodschelm. Er ist Geschäftsführer des Bikerparks am Samerberg. „Ich wehre mich gegen die Pauschalverurteilung der Mountainbiker durch den Rosenheimer Alpenverein.“ Es könnten doch auch andere Interessengruppen gewesen sein, die gegen die Instandsetzung von Wanderwegen im Hochriesgebiet sind, gibt er zu bedenken.

Jedenfalls will Brodschelm nicht untätig zusehen, wie das eh schon ramponierte Image der Mountainbiker sich durch „haltlose Beschuldigungen“ weiter verschlechtert. „Es gibt in jeder gesellschaftlichen Gruppierung Mitglieder, die sich nicht benehmen können“, meint er. Doch dass die blinde Zerstörung des Wanderweges durch Mountainbiker passiert sein soll, das stellt er entschieden in Frage. Er pocht darauf, dass jeder, egal ob Wanderer oder Biker, berechtigt sei, in freier Natur seinen Sport auszuüben. „Freilich sollten wir mehr Respekt füreinander aufbringen“, fordert er. „Und zwar von beiden Seiten“, fügt er an. In anderen Ländern, etwa der Schweiz, funktioniere das Miteinander von Bergwanderern und Mountainbikern doch auch. Natürlich komme auch ihm die „Galle hoch“, wenn er sehe, wie Rundhölzer herausgerissen und Handwerkszeug die Berghänge hinunter geworfen werden. „Deppen gibt es eben überall“, so sein Fazit kurz und bündig. „Von mir aus lege ich auf die 1000 Euro noch was drauf, um den Täter zu finden. Denn es ist eine Sauerei, einen so mühsam herzurichtenden Weg mutwillig wieder zu zerstören“, sagt er. Aber gleichzeitig müsse auch klar sein: „Keine Vorverurteilung von uns Mountainbikern.“ Vorverurteilen wollen Franz Knarr und Dieter Vögele vom Vorstand der Rosenheimer Sektion auch gar nicht. Doch die Erfahrungen gerade in jüngster Zeit seien eben auch nicht von der Hand zu weisen, meinen die beiden. Die Biker hätten gerade auf diesem Weg 216a/b nichts zu suchen. „Erstens wird er gerade saniert, zweitens ist er durch Wanderfreunde stark frequentiert.“ Seit 23. Mai richten etliche Alpenvereinsmitglieder sowie Mitarbeiter einer Baufirma diesen Wanderweg auf die Hochries von der Wimmeralm zu den Seitenalmen wieder her (wir berichteten). Für die Instandsetzung der 780 Meter Wanderweglänge mit 180 Metern Höhenunterschied müssen 70 000 Euro hingeblättert werden. „50 Prozent der Kosten trägt der Freistaat, 30 Prozent der DAV-Dachverband und die restlichen 20 Prozent die Sektion Rosenheim“, erklärt Ritthammer. Schon für die Organisation und die Erlangung der Fördermittel sei intensives Arbeiten notwendig gewesen. Dank seiner beruflichen Erfahrung als Bauingenieur habe schließlich alles geklappt, so der 72-jährige Wegewart. Besonders durch Erosion hatte der Weg gelitten, deshalb seien nun Stufen angelegt worden, die durch Eisenstangen und Rundhölzer befestigt wurden. Spezielle Querausleitungen seien schräg zum Weg verlegt worden, um das Wasser abzutransportieren. „Das läuft jetzt in die Wiese und zerstört den Weg nicht mehr. Allerdings rutschen die Biker darauf aus“, meint der Wegewart. Doch nun haben am Wochenende vom 12./13. Juni unbekannte Rowdys die Arbeiten großteils wieder zerstört. „Wir sind bei Wind und Wetter am Berg und mühen uns ab, schleppen auch viel selbst hoch“, beschreibt Ritthammer die Arbeit. Er ist seit sechs Jahren ehrenamtlicher Wegewart der Sektion. Doch eine solch mutwillige Zerstörung durch Unbekannte habe er bisher noch nicht erlebt. „Und damit muss jetzt Schluss sein“, sagt der 72- Jährige energisch. Deshalb kommt zur Strafanzeige gegen Unbekannt auch die hohe Belohnung von 1000 Euro. „Ob wir dadurch den Täter fassen können, ist natürlich fraglich. Aber wir wollen ein Zeichen setzen und sensibilisieren.“ Ritthammer selbst steuert 720 Euro zur Summe bei – seine gesamte jährliche Ehrenamtspauschale. „Das ist mir die Sache wert“, sagt er grimmig und nimmt die Schaufel wieder in die Hand.