| Erstellt von OVB - Sigrid Knothe

Hochrieshütte zeitgemäß Um- und Ausgebaut - Ein Juwel mit Traumpanorama

Die Hochries ist ein Traumberg. Und wie alle Schönheiten etwas eigen: Verlockend für viele Fans, aber nicht einfach im Aufstieg. Aber dann: Panorama pur! Das entschädigt für alle Strapazen vorher. Der Blick reicht bei guter Fernsicht bis zum Olympiaturm in München, zum Großglockner und weit in den Kaiser nach Tirol. Am allerschönsten aber ist die Hochrieshütte selbst – ein Anlaufpunkt seit über 100 Jahren. Sie wurde jetzt für rund zwei Millionen Euro saniert. Exakt heute vor einem Jahr wurde mit den Um- und Anbauarbeiten begonnen.

Franz Knarr, der Vorsitzende des Deutschen Alpenvereins (DAV) der Sektion Rosenheim, und sein „Finanzminister“ Dieter Vögele blicken recht zufrieden auf den Baufortschritt. In Kürze wird alles, inklusive der Außenanlagen, fertiggestellt sein. „Ein Umbau nach Maß, ohne Luxus und Schnickschnack, aber mit zeitgemäßem Komfort“, betonen die beiden.

Besonders Vögele ist stolz, dass diese hohe Summe überhaupt von der Sektion gestemmt werden konnte. Denn ohne Sanierung zeigten die Übernachtungszahlen auf der Hütte immer weiter nach unten. „Aber wir wollen das Erbe unserer Väter – die Hütte wurde einst als Schutzhütte im Jahr 1914 errichtet – bewahren.“

Natürlich habe sich in den letzten 100 Jahren vieles geändert: Wo sich noch um die Jahrhundertwende die Skifahrer zu Fuß aus Rosenheim nachts um 1.30 Uhr an der Innbrücke trafen und gemeinsam zum Gipfel losstürmten, so erleichterte die Eisenbahn den Brettlfans die Anreise ganz gewaltig. „Man konnte dann nämlich schon bis nach Frasdorf fahren“, erzählt Vögele von den Anfängen der „Alpeneroberung“.

Wer dann beim Aufstieg mit Fellen an den Ski Gas gegeben hatte, konnte am späten Nachmittag des gleichen Tages wieder in Rosenheim zurück sein. „Aber wer würde das heute noch machen“, fragen Knarr und Vögele.

Doch die Hochries, der „Hausberg“ der Rosenheimer, lockte stets die Generationen an. 1914 wurde deshalb von der Sektion beschlossen, eine Schutzhütte zu errichten, um für alle Sturm-Fälle eine Notunterkunft am Gipfel zu haben. 1958 wurde diese einfache Schutzhütte dann neu und stabiler gebaut. Jetzt wurde grundlegend saniert: Gastraum, Zimmer, Küche, Toiletten, Heizung, energetische Ausstattung und Brandschutz. Vor allem letzterer habe viel Kopfzerbrechen bereitet. „Da muss man nicht jede Vorschrift verstehen, glaube ich“, sagt Franz Knarr und lächelt still.

„Tag und Nacht auf der Baustelle“

„Wir haben uns bemüht, alles im fixen finanziellen Rahmen zu halten“, berichtet Vögele. Vieles wurde dank etlicher Ehrenamtlicher „kostenneutral“ erledigt. „Dieter war sozusagen Tag und Nacht auf der Baustelle und permanent für die heimischen Handwerker ansprechbar. Nur so konnte das Projekt überhaupt realisiert werden“, lobt der Vorsitzende seinen „Finanzchef“ Dieter Vögele.

Heute ist dieser froh, dass er vor diesem Wagnis nicht zurückgeschreckt ist, trotz zahlreicher Widerstände und Unkenrufe. „Wir müssen uns zeitgemäß aufstellen. Diese Sanierung und unser Neubau müssen ja auch wieder die nächsten 50 Jahre halten und Bergwanderer und Touristen gleichermaßen anlocken. Sonst können wir die Hochrieshütte zusperren“, argumentiert er. Und das will er definitiv nicht. Denn nicht nur den fitten DAV-Mitgliedern, sondern auch Senioren und Familien mit Kindern soll das Bergerlebnis und eine Übernachtung in der weithin sichtbaren Hochrieshütte möglich sein.

Zudem sind die beiden Vorstandsmitglieder Vögele und Knarr der Meinung, dass zum „zeitgemäßen Ausbau“ auch eine Toilette, Leselicht am Bett sowie freier Zugang zu WLAN im Zimmer gehört.

Die Rosenheimer Sektion hatte für den Ausbau im Vorfeld grünes Licht gegeben. „Das hat uns in unserer Meinung bestärkt, das umfangreiche Projekt anzugehen.“

Ganz anders sieht das der Dachverband des DAV. Er steht auf dem Standpunkt, dass für die Renovierung der Hochrieshütte kein Zuschuss fließen dürfe, denn zum einen sei die Hochries ja durch eine Seilbahn touristisch erschlossen, zum anderen kämen dadurch so viele Urlauber, sodass die Hütte das selbst finanzieren könne. „Da vertreten wir völlig unterschiedliche Berg-Philosophien“, meinen Vögele und Knarr.