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Pächterwechsel nach vertragsgemäßer Kündigung auf der Hochrieshütte - „Ein tiefer Vertrauensbruch“

Die Hochrieshütte ganz oben auf dem Rosenheimer Hausberg ist ein touristisches Aushängeschild für den ganzen Landkreis. Sie punktet nicht nur mit ihrer Traumlage und einem 360-Grad-Rundumblick, sondern auch mit neuen und zeitgemäßen Übernachtungsmöglichkeiten. Und natürlich mit einem erfolgreichen Pächterpaar. Alles eitel Sonnenschein. Doch die Harmonie ist nun zerbrochen. „Vertrauensbruch“, sagen das Pächterehepaar und die DAV-Sektion Rosenheim. Künftig wird man getrennte Wege gehen.

Auslöser des nicht mehr zu kittenden Zerwürfnisses, das schließlich in einer vertragsgemäßen Kündigung durch die DAV-Sektion Rosenheim mündete, ist ein Brief vom 28. Oktober. Er soll ziemlich saftig sein. „Dieses Schreiben wurde von einem Rechtsanwalt verfasst und war der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat“, sagt Franz Knarr, Vorsitzender der DAV-Sektion Rosenheim. „In diesem Schreiben wurde uns die Pistole auf die Brust gesetzt“, sagt Knarr enttäuscht und merkt an: Das hätte es alles nicht gebraucht.

Es geht um den Brandschutz. „Wir sind dazu in ständigem Austausch mit den zuständigen Fachleuten. Zudem begleitet ein Ingenieurbüro uns seit Beginn der Umbauarbeiten am Hochrieshaus“, erklärt der Sektionschef.

Natürlich sei die Umbauphase schwierig für den Pächter gewesen, dafür habe er Verständnis. „Bei Reibereien haben wir uns immer wieder zusammengesetzt und konnten sie so lösen. Wir müssen ,step by step’ vorgehen und bei jeder Maßnahme stets die Finanzen im Auge behalten“, gibt er zu bedenken. Natürlich werde der gesamte notwendige Maßnahmenkatalog abgearbeitet. Aber per Brief Fristen und Termine zu setzen und mit dem Staatsanwalt zu drohen, das sei ein tiefer Vertrauensbruch, schimpft er.

Erst jüngst wurde eine „Himmelsleiter“ als Fluchtweg an der Hochrieshütte angebracht, auch für den Einbau einer Rauchklappe sei ein Weg gefunden worden, sagt er.

Umso mehr ist Knarr und die gesamte Vorstandschaft des Rosenheimer Alpenvereins nun verschnupft, weil man mit der Familie Robl befreundet gewesen sei. „Die Eltern von Flori waren langjährige Pächter auf der Priener Hütte am Geigelstein. Sie halfen auch auf der Hochries aus, wenn Not am Mann war“, berichtet Knarr.

Erst im August Fünfjähriges gefeiert

Außerdem feierten erst jüngst Elke und Florian Robl ihr „Fünfjähriges“ auf der Hütte. Auch beim Fest zum Abschluss der Um- und Anbauarbeiten sei ihnen von der DAV-Sektion Rosenheim gedankt worden. Doch das gute Verhältnis sei nun „Schnee von gestern“.

Mindestens ebenso enttäuscht wie der Sektionschef zeigt sich Pächter Florian Robl im Gespräch mit der OVB-Heimatzeitung. Er möchte nicht länger als „dummer Wirt“ dastehen, sagt er. Dass für das Matratzenlager im Juche der Hochrieshütte gar keine Nutzungserlaubnis vorliege, habe er nie erfahren. Erst bei einem Gespräch habe Knarr ihm das bestätigt. Da sei er aus allen Wolken gefallen. „Ich erinnere nur an Schneizlreuth. Alle wussten von den Brandschutzauflagen. Doch der Wirt wurde nach dem Unglück mit Toten verknackt, die anderen kamen mit einer Geldstafe davon. Ich habe Familie. Das geht nicht. Mich nicht zu informieren, verstehe ich als Vertrauensbruch.“

Ein befreundeter Rechtsanwalt habe ihn über die rechtliche Dimension aufgeklärt: „Ich bin voll haftbar, sobald ich Kenntnis habe“, sagt er. Daraufhin habe er sofort das Gespräch mit Franz Knarr gesucht, sagt der Pächter. Zusammen mit seiner Frau Elke sei er zu ihm nach Hause gefahren und habe über die Sache gesprochen. „Wir verblieben so, dass ein Anwalt in meinem Namen einen Brief an die Sektion schreiben sollte, in dem auf Mängel beim Brandschutz hingewiesen wird. Gleichzeitig sollten fachgerecht Fristen zur Beseitigung genannt werden.“ Diese hätten wir ja auch verlängern können. „Denn ich weiß ja, dass die Sektion laufend daran arbeitet.“ Am 28. Oktober ging der Brief zur Post. Doch postwendend sei die Kündigung durch die Sektion erfolgt. „Das bedauere ich, denn wir hätten gerne weitergemacht“, sagt er. Einen Plan B habe er aktuell nicht. Noch blicken der studierte Informatiker und seine Familie in eine ungewisse Zukunft. Aber er müsse „rechtlich aus dem Schneider“. Ein „des passt scho“ reiche ihm nicht mehr.