| Erstellt von OVB 10.04.2014 /Kirsten

Seit 100 Jahren näher am Himmel

Im Heimgarten werden die besten Geschichten erzählt - und davon gibt es viele, die im Lauf des hundertjährigen Bestehens der Hochrieshütte zusammen gekommen sind. Einige davon bekamen auch die zahlreichen Besucher des Jubiläums-Hoagascht im Gasthaus Maurer zu hören.

Ebenfalls im Mittelpunkt des Festabends stand unter dem Motto "Traum und Wirklichkeit" die 80-jährige Geschichte der Hochriesbahn, zu deren Bau es bereits 1934 erste Planungen gab.

Samerberg - Von der ursprünglichen Aufgabe des Hütten- und Wegebau habe sich der Deutsche Alpenverein (DAV) zunehmend dem Natur- und Umweltschutz verschrieben, verdeutlichte Franz Knarr, Erster Vorsitzender der Sektion Rosenheim. Er plädierte für das rechte Augenmaß im Alpentourismus, um die vielfältigen Ansprüche der Erholungssuchenden und Freizeitsportler miteinander in Einklang zu bringen. Neue Sportarten dürften das empfindliche Ökosystem der Bergwelt nicht gefährden.

Eine "Pionierleistung, die ihresgleichen sucht" nannte Bürgermeister Georg Huber den Bau der Hochrieshütte, deren Besucher aus nah und fern einig in ihren Wünschen nach Erholung, Ruhe, einer guten Brotzeit und der herrlichen Aussicht seien. Dank den visionären Erbauern und Unterhaltern der Hütte, die seit jeher eine wichtige Bedeutung im Tourismus der Gemeinde spiele, sei man dort "näher am Himmel". Keine Selbstverständlichkeit sei es, dass die Hochriesbahn noch laufe und sogar jetzt "ordentliche schwarze Zahlen" schreibe, betonte Huber.

An die Aufbruchstimmung vor hundert Jahren, die auch zum Bau der Hochrieshütte geführt hatte, und an die Menschenmassen, die vom damaligen Frasdorfer Bahnhof auf den Berg wanderten, erinnerte Landrat Josef Neiderhell, dem Vorstand Knarr scherzhaft einen ehrenamtlichen Posten in der DAV-Sektion nach seiner politischen Laufbahn zusicherte. "Gut gemacht und in diesem Sinne weiterarbeiten" bilanzierte Neiderhell den gemeinsamen Betrieb der Hochriesbahn durch die Gemeinde Samerberg und die Sektion Rosenheim.

Eine Zeitreise in eine Welt voller Herzensfreude und Visionen zeigte Schatzmeister Vögele in seiner reich bebilderten Präsentation: Er erinnerte an den Tatendrang der 1877 gegründeten Sektion Rosenheim, durch den im Herbst 1913 eine Skihütte auf der Hochries gebaut und am 4. Januar 1914 eröffnet werden konnte. Nach einem Ausbau in den 30-Jahren entstand 1958/1959 ein neues Berghaus, das 1980 mit einem Anbau erweitert und 2006 durch einen Windfang ergänzt wurde.

Idealistische Hüttenwirte wie der legendäre Georg Seebacher und tatkräftige Hüttenreferenten prägten den Charakter der Hochrieshütte. Der zunehmende Tourismus führte bereits 1934 zu ersten Überlegungen für den Bau einer Bergbahn auf die Hochries, die allerdings aus Naturschutzgründen und um der Wendelsteinbahn nicht zu schaden keine Genehmigung erhielten. Erst 1971 wurde der Sessellift und schließlich 1973 die Kabinenbahn in Betrieb genommen, berichtete Vögele.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten begleiteten das Unternehmen allerdings von Anfang an, aufwärts geht es erst seit Gründung der Betreibergesellschaft, bestehend aus Gemeinde Samerberg und der Sektion Rosenheim des DAV. Nachlesen lässt sich die wechselvolle Geschichte von Hochrieshütte und -bahn auch in einem von Vögele verfassten Buch mit Auszügen aus Protokollen und Jahresberichten sowie vielen Fotos und Zeitungsartikeln.

Natürlich kam auch die Musik nicht zu kurz beim Jubiläums-Hoagascht. Für frischen Wind sorgte die "Boarische Bris`", die "Perlseer Dirndl" bezauberten mit ihrem anmutigen Dreig`sang und die kräftigen Stimmen der Samer Sänger komplettierten das Programm, das zusammen mit den sehens- und hörenswerten Einlagen von Franz Knarr den begeisterten Applaus der Besucher erntete. mc