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Serie "Die Aufreger des Jahres - was ist daraus geworden?": Wegebau Hochries

"Situation hat sich spürbar beruhigt."

In der heutigen ersten Folge geht es um Wanderwege auf die Hochries, die im Sommer immer wieder durch Unbekannte mutwillig zerstört wurden. Darauf hin hatte die Sektion Rosenheim des Deutschen Alpenvereins (DAV) Strafanzeige gestellt. Doch wie steht es jetzt um den Wegebau? Der Rosenheimer DAV-Vorsitzende Franz Knarr stand Rede und Antwort.

Der Weg rund um die Seitenalmen auf der Hochries wurde mehrfach zerstört. Die Sektion stellte Strafanzeige und setzte sogar 1000 Euro Belohnung aus. Was ist daraus geworden?

Die strafrechtliche Verfolgung hat bisher kein Ergebnis erbracht. Durch intensive Kommunikation sowie Information mit Wanderern, den Hüttenpächtern und den Bikeparkbetreibern in Grainbach beruhigte sich die Situation spürbar. Seither gab es keine weiteren Beschädigungen. Die Öffentlichkeit muss sich darüber Gedanken machen, inwieweit diese, dem Fremdenverkehr unabdingbar zuträgliche und notwendige Erhaltung unserer Wanderwege, künftig aufrechtzuerhalten ist. Die dafür zuständigen touristischen Organe müssen diesem Bereich wesentlich mehr Beachtung entgegenbringen und Perspektiven aufzeigen.

Wie verliefen die Arbeiten am Weg? Wer hat sich federführend für die Instandsetzung engagiert? Wie hoch waren die Kosten?

Die Arbeiten des Sanierungsprojektes Westanstieg Hochries von der Spatenau aus wurden geplant und projektiert von Gerd Ritthammer, seit 2010 ehrenamtlicher Wegewart im Arbeitsgebiet der Alpenvereinssektion Rosenheim am Brünnstein. Er hat sich auch ehrenamtlich in die Vorarbeiten in puncto Formalien wie beispielsweise Zuschussanträge eingearbeitet. Eine beispiellose Leistung in Form von Vorgesprächen und formaler Arbeit.

Die Hauptarbeiten führte eine Spezialfirma regulär aus – immer in Absprache und Begleitung mit Ritthammer. In einer dreitägigen Trainee-Aktion der Bayerischen Versicherungskammer kamen junge Mitarbeiter dieser Institution aus ganz Deutschland zusammen, um von diesem Projekt zu lernen und auch aktiv tätig zu werden.

Bei der Unterweisung der engagierten Jugendlichen übernahmen wieder Gerd Ritthammer und auch Sebastian Fehr die Verantwortung. Fehr ist seit Mitte 2016 als neuer ehrenamtlicher Wegereferent im Arbeitsgebiet Hochries tätig und wurde bei den Sektionswahlen im Herbst im Amt bestätigt. Die Kosten der Baumaßnahme beliefen sich bisher auf rund 72000 Euro. Je nach Konstellation werden die Projekte vom DAV und vom Freistaat gefördert. Die Hauptlast trägt allerdings die Sektion.

Wie viele Arbeiter und Personen sind an den Wegen im Einsatz?

Im Laufe der Entwicklung der über 350 Sektionen des Deutschen Alpenvereins (DAV) wurden Arbeitsgebiete entwickelt und zugeordnet. Für die Sektion Rosenheim sind das die Bergregionen Brünnstein und Hochries. Unsere Wegereferenten Gerd Ritthammer (Brünnstein) und Sebastian Fehr (Hochries) sind ehrenamtlich zuständig und von der Mitgliederversammlung gewählt.

Die Wege sind entsprechend zu markieren, zu sichern und auszuschildern. In guter Zusammenarbeit mit den Bauhöfen der Gemeinden Nußdorf, Samerberg, Frasdorf und Aschau sowie Kiefersfelden und Oberaudorf wird die Arbeit der Sektion unterstützt. Die Referenten gehen ständig die Wege ab, schätzen den Zustand ein und legen selbst Hand an, wenn es nötig ist. Dabei ist es durchaus notwendig, schweres Arbeitsgerät selbst zu schleppen.

Wie lange sind die Strecken, wie beschwerlich die Arbeiten?

In beiden Gebieten sind über 200 Kilometer Wanderwege zu betreuen. Ausgesetzte Wege wie der Julius-Mayr-Weg auf den Brünnsteingipfel, zum Kleinen Traithen oder zum Steilner Joch sind mit Seilversicherungen, eisernen Trittstufen und Stufenleitern gesichert. Hier heißt es, umsichtig zu prüfen und instand zu halten. Es sind auch Verbauungen notwendig – besonders, wenn die Wege durch Nassgebiete führen. Stufen und Tritte aus Holz sind stabil und nachhaltig zu verbauen. Auch Befestigungsmaterial wie Schottersteine sind einzubringen. In den letzten beiden Jahren halfen auch Asylbewerber mit. Für die Wintersaison helfen den Wanderern Sichtstangen, die Wege einzuhalten. Die jeweiligen Schilder mit Ziel-, Zeit-, Höhen- und Schwierigkeitsangaben werden von den Wegereferenten beim DAV direkt bestellt.

Interview: Sigrid Knothe