| Erstellt von OVB

Unfassbarer Vandalismus - DAV-Sektion Rosenheim erstattet Strafanzeige wegen Zerstörung von Wanderwegen auf die Hochries

Es gibt sie noch, die stillen Helden. Ein Beispiel: Als ein Wanderer auf dem Weg zum Hochriesgipfel sah, dass Rundhölzer für den Wegebau nach oben zu schaffen waren, schulterte er kurzerhand ein Rundholz und trug es bergauf zur Einbaustelle! Chapeau! Es gibt aber auch ganz andere Zeitgenossen und das verärgert die Menschen, die meist ehrenamtlich und in mühsamer Arbeit die Wanderwege in Schuss halten – gegen den Unbill von Wind und Wetter und neuerdings auch Vandalismus. „Die Sektion Rosenheim des Deutschen Alpenvereins hat jetzt Strafanzeige gestellt“, berichten Dieter Vögele und Franz Knarr. Die Zerstörungen seien massiv, so die beiden DAV-Vorstände verärgert.

Nicht nur, dass am Wegesrand gelagertes Werkzeug wie Pickel, Schaufel, Kreuzhacken und Vorschlaghämmer die Berghänge hinab geschleudert wurden, auch bereits angelegte und mit Eisen und Rundhölzern gesicherte Wege seien mutwillig wieder zerstört worden. „Stufen wurden herausgerissen und den Berghang hinuntergeworfen. Die Arbeiter mussten ihr Werkzeug erst wieder suchen. Obendrein geht nun eine Gefahr von den Eisenteilen aus, die lose herausragen“, berichten die beiden DAV-ler.

Sie erinnern, dass das weite Wanderwegenetz in den Alpen mit Beginn des Alpinismus im 19. Jahrhundert angelegt wurde und seither von den einzelnen Sektionen gepflegt werde. „Das kostet Zeit und Geld. Ist das diesen Vandalen eigentlich klar“, fragen sie erbost.

Im Verdacht stehen Mountainbiker, denn nach Informationen von Vögele und Knarr habe es am 8. Juni einen Vorfall gegeben. Drei Mountainbiker hätten den zum Biken ungeeigneten Weg AV 216b benutzt und seien zwischen Seitenalm und Wimmeralm zu der gegenwärtigen Baustelle gelangt. Hinweise des Vorarbeiters, der Weg sei nicht zu befahren, die Stufen noch nicht fest, habe bei den dreien unterschiedliche Wirkung gezeigt. Während der eine sein Bike schulterte und zu Fuß ging, schwangen sich die beiden anderen in die Sättel und riefen: „Uns doch egal!“

Leider präge dieses Verhalten das Bild der Mountainbiker, weiß Vögele. Denn nicht nur die Wegewarte seien sauer, auch Almerer und Grundbesitzer seien nicht gut auf dieses Sportler zu sprechen. „Wir wollen Respekt und nicht Verbote“, meint Vögele und fordert zum gegenseitigen Respekt auf. Denn die Berge und die Natur seien im Grunde doch für alle da, aber gegenseitige Rücksichtnahme sei entscheidend. Manche Wege in den Alpen seien für Biker einfach tabu, daran sollten sie sich halten. Andere Wege wiederum seien durchaus befahrbar, so das Vorstandsmitglied der DAV-Sektion Rosenheim.

Der Deutsche Alpenverein habe zehn Empfehlungen herausgegeben, damit es am Berg zwischen Wanderern und Bikern konfliktfrei zugeht. Darauf verweisen Vögele und Knarr. Die Empfehlungen lauten: gesund aufs Rad, sorgfältig planen, nur geeignete Wege befahren (Erosionsschäden vermeiden, nicht querfeldein radeln), Bike checken, vollständige Ausrüstung, immer mit Helm, Fußgänger haben Vorrang, Tempo kontrollieren, keine Spuren hinterlassen und Rücksicht auf Tiere nehmen (Dämmerungsphase ist Zeit der Nahrungsaufnahme).

Als „nicht geeignet“ beschreiben Gerichtsurteile diejenigen Wanderwege, die von einem sehr starken Erholungsverkehr und vielen Fußgängern frequentiert werden. Außerdem gelten treppenartige Wege mit nur 80 Zentimeter Breite als ungeeignet für Mountainbiker.

Auch den beiden DAV-Vorstände Franz Knarr und Dieter Vögele ist klar, dass sich die Rowdies, die den Weg an den Seitenalmen zerstört haben, nur schwer werden finden lassen. Umso mehr appellieren sie an alle anderen: „Mehr Respekt und weniger Verbot! Mehr Miteinander als Gegeneinander!“

Und vielleicht packt ja den einen oder anderen das schlechte Gewissen und er meldet sich zu einem freiwilligen Arbeitseinsatz? Das wäre doch was, oder?