| Erstellt von OVB 17.10.2014 /Kirsten

Unterwegs mit Schaufel und Hacke

Durch einen Murenabgang wurde ein Wanderweg im Bereich Brünnstein-Traithen in 1600 Metern Höhe weggerissen. Die Sanierung stellte die Sektion Rosenheim des Deutschen Alpenvereins (DAV) vor große Probleme.

Hilfe kam von vier Asylbewerbern aus Kiefersfelden: Gemeinsam mit Wegewart Gerhard Ritthammer stiegen sie, bepackt mit Rundhölzern, auf den Berg.

Kiefersfelden - Es erwies sich als fast unlösbare Aufgabe für die DAV-Sektion Rosenheim, den von einem Murenabgang unterhalb des Fellalm-Sattels zerstörten Wanderweg des Alpenvereins auf dem Gemeindegebiet Kiefersfelden in 1600 Metern Höhe zu reparieren. Die ohnehin stets feuchte Mulde war durch anhaltende Niederschläge wohl so durchnässt, dass ein 16 Meter breites Hangstück über gut 200 Meter abrutschte.

Für Alpenvereins-Wegewart Gerhard Ritthammer allein wäre der Transport des Baumaterials nicht zu machen gewesen. Die gute Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Kiefersfelden, ihrem Bauhof und dem Wegewart bewährte sich hier erneut: In Kooperation mit Bürgermeister Hajo Gruber gelang es rasch und unbürokratisch, unter den Asylbewerbern in Kiefersfelden freiwillige Helfer zu finden.

Dieser Einsatz hatte einige rechtliche Auflagen zu erfüllen: Nach Gesetzeslage dürfen Asylbewerber nicht arbeiten, so lange über ihren Asylantrag nicht entschieden ist. Als Ausnahme gelten jedoch gemeinnützige Arbeiten bis zu 20 Wochenstunden, für die sie 1,50 Euro pro Stunde bekommen dürfen. Die Asylbewerber können zu der Tätigkeit nicht verpflichtet werden, es ist eine freiwillige Entscheidung.

Es meldeten sich vier junge Männer aus Somalia, um zu helfen. Wegewart Ritthammer fuhr sie in die Rosengasse, wo zweieinhalb Meter lange Rundhölzer lagerten. Jeder, einschließlich der Wegewart, luden sich zwei dieser Hölzer auf die Schulter und transportierten diese über 350 Höhenmeter steil bergauf. Dabei musste eine Felsstufe mit eisernen Tritthilfen überwunden werden - kein leichter Weg.

Im Traithen-Kessel wurde ein Zwischenlager eingerichtet. Dann ging es ohne Last wieder zur Talstation. Dreimal mussten die Männer die Strecke mit der Last auf der Schulter zurücklegen. Die Somalier kamen mit guter Laune und einer riesigen Portion Hilfsbereitschaft mit den ungewohnten Verhältnissen bestens zurecht.

Kaum oben angekommen und die Last abgelegt eilten sie auch schon dem schnaufenden Wegewart entgegen, um ihm seine Last abzunehmen. Es bedurfte einiger Überzeugungsarbeit, den jungen Männern klar zu machen, dass er selbst einen Beitrag leisten wollte - die schwere Arbeit sollte gemeinsam verrichtet werden. Beim gemeinsamen Mittagessen im Berggasthof Rosengasse konnten sich dann alle erholen.

Zum zweiten Einsatz kamen die vier Helfer wieder, obwohl sie die mühselige Arbeit bereits kannten. Nun wurde der Rest des Baumaterials von der Rosengasse hinauf zum Traithen-Kessel getragen und weiter bis an den Murenabgang in 1600 Metern Höhe.

Die Helfer waren auch beim Montieren der Stege mit Rundhölzern und Gitterrosten voller Eifer dabei. Wieder arbeiteten sie mit viel Fröhlichkeit und Lachen. Der Einsatz hat sich gelohnt: Die Schadstelle ist repariert und kann wieder sicher überquert werden. fxk