| Erstellt von OVB - Siegried Knothe

Zwei-Millionen-Euro-Baumaßnahme auf der Hochries Abgeschlossen

Viele Festgäste hatten sich bei der Besichtigungstour quer durch den neuen Anbau der Hochrieshütte schnell festgelegt: „Es ist toll geworden. Die Zimmer ,Samerberg’ oder ,Hochries’ – das werden die Favoriten.“ Da wollen sie alle einmal übernachten. Und jeder andere, der den frischen Duft von Fichtenholz liebt, wird sich sagen: ich auch! Mit einer zünftigen Sause feierte jetzt die Rosenheimer Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) das Ende der Baumaßnahme hoch oben auf 1569 Metern. Zwei Millionen Euro waren für den Um- und Anbau locker gemacht worden.

Die Gratulanten waren voll des Lobes über diesen „schönen Schwan“, der sich da aus dem etwas ältlichen „Entlein“ entwickelt hatte. „Die neue Hochrieshütte ist ein gelungener Bau und mit viel Liebe zum Detail ausgestattet“, lobte der Samerberger Bürgermeister Georg Huber. „Ich spüre schon eine gewisse Vorfreude, denn in Kürze werde ich mit meiner Familie hier oben einmal übernachten“, kündigte er an. Im Übrigen sei es bei den bekannt niedrigen Zinssätzen wenig sinnvoll, Geld auf der Bank zu horten. „Es gehört investiert“, meinte Huber unter dem Applaus der Gäste. Die Strahlkraft der neuen Hochrieshütte reiche weit über den Samerberg hinaus und sei ein „Schmuckstück für den Tourismus“. Voll des Lobes war auch Marianne Steindlmüller, seine Amtskollegin aus Frasdorf. „Hier ist ein Highlight entstanden!“ Und auf boarisch fügte sie an: „A sauguade Hüttn!“ Auch sie verwies darauf, dass der Tourismus ein ganz wesentliches Standbein in der Region sei. „Doch das kann schnell einknicken.“ Deshalb sei sie froh, dass die Rosenheimer Sektion das in die Jahre gekommene Haus saniert und modernisiert hatte. „Vielen Dank Dieter Vögele und Franz Knarr“, richtete sie an die beiden führenden Köpfe der Sektion. In ihren Reden erzählten die beiden, die ein geradezu kongeniales Duo sind, von Hürden und Schwierigkeiten, die sich gleich zu Beginn aufgetürmt hatten. „Da war schnell Schluss mit lustig“, sagte Vögele. Er ist als „Fi Finanzminister“ ein Teil des Duos. „Der Dachverband des DAV wollte uns bei der Finanzierung nicht unter die Arme greifen. Wir haben alles alleine gestemmt.“ Man habe eben völlig unterschiedliche Hüttn-Philosophien. Im Gegensatz zu den Münchnern möchte die Rosenheimer Sektion mit einem attraktiven Haus, das modernen Komfort bietet, auch der Generation 60 plus sowie Familien mit Kindern ein schönes Bergerlebnis und eine zünftige Übernachtung ermöglichen. „Deshalb haben die neuen Drei- und Vierbettzimmer auch Toilette sowie Leselämpchen, Wlan-Anschluss und Steckdose fürs Handy“, so der Schatzmeister. Aber da würden sich zwischen München und Rosenheim die Geister scheiden. Der Dachverband wolle nur in hochalpine Hütten investieren. Dass nicht jeder zu jeder Zeit im Matratzenager schlafen möchte und etliche Gäste auch bei Hütten einen gewissen Komfort fordern, das versteht Thomas Kogel, Zweiter Vorsitzender der Sektion Rosenheim. Der 42-Jährige ist Ausbildungsreferent und liebt Klettern, Skitouren und Mountainbiken. „Der DAV ist mein Verein, mein soziales Umfeld.“ Und deshalb will er ihn zeitgemäß weiterentwickeln. Er führt Kinder und Jugendliche an den Bergsport heran und weiß, wie wichtig ein zünftiges Erlebnis auf einer komfortablen Hütte ist.

„A bisserl a schwierige Bauzeit“

Franz Knarr

Franz Knarr, der DAV-Vorsitzende mit einem Händchen für Poesie, trug seinen Bericht in Reimform vor. Formvollendet dankte er den 14 einheimischen Handwerksbetrieben, dem Architekturbüro Kammerl, Nachbarn, den Wirtsleuten Florian und Elke Robl, Köchin Michelle sowie dem gesamten Personal für die „a bisserl schwierige Bauzeit“. Seit Juni 2015 wurde nämlich gehämmert und gebaggert, gehobelt und geflogen. „Exakt 453 Materialflüge wurden mit dem Hubschrauber absolviert“, so Knarr. Dank einer großzügigen Spende durch die Hamberger Industriewerke können die Übernachtungsgäste nun im Neubau auf solidem Parkett laufen. Allen am Bau Beteiligten wurde vom DAV Führungsduo herzlich gedankt, denn auch zwei Millionen Euro – angespart aus den Beiträgen der 9500 Mitglieder – ließen sich nicht beliebig dehnen. „Wir wollten der nächsten Generation ein stabiles Haus, das Wind und Wetter und vielerlei Stürmen trotzen kann, hinterlassen.“

 

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