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„Rettung“ der Kläranlage auf der Hochries

28.01.2026

Ein funktionierendes Abwassersystem ist das unsichtbare Rückgrat jeder Berghütte. Ohne sie steht der Betrieb still – ökologisch wie rechtlich. In meinem Einstand als neuer Hüttenreferent für die Hochrieshütte wurde aus dieser theoretischen Notwendigkeit im Oktober 2025 schlagartig bittere Realität.

Diagnose: Stillstand zur Unzeit

Mitten im herbstlichen Hochbetrieb stellten wir mit Schrecken fest: Die Kläranlage stand still. Nach 25 Jahren störungsfreiem Betrieb hatte die Mechanik ihren Dienst quittiert. Da der ursprüngliche Hersteller nicht mehr existiert, standen wir vor einem massiven Problem – Ersatzteile von der Stange gab es nicht.

Höchste Sensibilität im Gebirge und Naturschutzgebiet

Ein Ausfall der Abwasserreinigung im Hochgebirge ist weitaus kritischer als im Tal. Die Hochries liegt in einer ökologisch sensiblen Zone, in der das Abwasser strengen Umweltauflagen für Berghütten unterliegt. Da der Untergrund im Gebirge oft klüftig ist, besteht bei mangelhafter Reinigung die sofortige Gefahr, dass ungeklärtes Abwasser ungefiltert in tiefere Schichten und somit in das Grundwasser gelangt. Die Einhaltung der strengen Grenzwerte ist hierbei für den Betrieb der Hütte zwingend vorgeschrieben. Ein dauerhafter Defekt hätte unweigerlich zur Schließung der Hütte geführt.

Sondierung und Not-OP im Winter

Dank der schnellen Vermittlung durch den Deutschen Alpenverein (DAV) erfolgte am 19. Dezember die erste Sondierung mit einer Fachfirma. Die Analyse war ernüchternd: Lager und Achse waren defekt.
Um den ökologischen Schutz und den Hüttenbetrieb zu sichern, erfolgte am 19. Januar eine anspruchsvolle Notreparatur:

  • Einbau eines robusten Gleitlagers als Ersatz für die defekten Bauteile.
  • Installation einer speziellen Tropfschmierung, um die mechanische Zuverlässigkeit unter extremen Bedingungen zu garantieren.

Ausblick: Sanierung 2027

Diese Reparatur hat uns die nötige Zeit verschafft, um keine überhasteten Entscheidungen treffen zu müssen. Wir nutzen das laufende Jahr nun für die detaillierte Planung einer vollständigen Sanierung. Ziel ist es, die Anlage bis spätestens 2027 auf den neuesten Stand der Technik zu bringen, damit die Hochries auch ökologisch für die nächsten Jahrzehnte gerüstet ist und somit als Vorbild im Naturschutz voranzugehen

Ein herzlicher Dank gilt der Fachfirma und dem DAV für die unbürokratische Unterstützung in dieser kritischen Phase!

Autor: Werner Thalmeier