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RoBergAktiv - Blaueisumrahmung

"Blaueis - hoch 4"

 

... es bedurfte nun doch tatsächlich vier Versuchen (über 4 Jahre hinweg!), um dieses Projekt endlich abzuschließen. Übernachtungsplätze sind auf der Blaueishütte Jahr für Jahr ruckzuck ausgebucht, von daher ist die Tour gar nicht so einfach planbar - und ohne Übernachtung wird's wirklich "zach" (Auf-/Abstieg zur Blaueishütte sind mit jeweils ca. 1,5 Stunden dann zusätzlich anzusetzen).

 

Uns so kam es - 2x sind wir gar nicht erst angereist, da die Wetterbedingungen miserabel, einmal sogar mit Neuschnee verbunden, waren. 

Endlich war es dann soweit, Versuch Nr. 3. Die Rahmenbedingungen waren perfekt, der Wetterbericht sagte blendendes Wetter voraus und zunächst lief alles wie am Schnürchen. Zwischen Turm 1 und 2 zog dann plötzlich dichter Nebel auf, die Sicht betrug keine 5 Meter mehr und die Orientierung war praktisch unmöglich. Die Orientierung ist ein wesentlicher Faktor auf dieser Runde; per se ganz gut zu finden, immer wieder Steinmännchen, der Rest ergibt sich aus logischer Kombination - wenn man denn auch tatsächlich etwas sieht.

Also beschlossen wir dann irgendwann abzubrechen und die Tour rückwärts abzusteigen - kein wirkliches Erlebnis, wenn möglich, sollte man sich dies ersparen.

 

August 2023, Versuch Nr. 4 - mit einem Münchner Kletterspezl, der mich auch schon auf Nr. 3 begleitete - abermals perfekte Bedingungen lt. Vorhersage.

Kurz nach dem Frühstück (ab 6 Uhr) ging's los. Zustieg zur Schärtenspitze, 6 Längen im 4ten Grad, wobei die "4" hier eher überbewertet ist und die letzten beiden Seillängen eigentlich nur eine sind. Hier gibt's genügend vorhandenes Hakenmaterial, eher ein Spaziergang. Im weiteren Verlauf sind dann aber nur noch AV-Ringe an den Ständen zu finden, ab und an mal ein Extrahaken, der Rest muss mobil gesichert werden - Friends können hier wirkliche Freunde sein.

 

Weiter ging's über die Eisbodenscharte, rauf zum Turm 1, weiter zu Turm 2, wo auch die erste knackigere Stelle kam. Ein 4er Kamin, der erst recht weit oben erstmalig gesichert werden kann. Von unten sieht's zunächst eher grauselig aus, da oben ein weiter Spreizschritt auf dich wartet. Oben angelangt erwies sich der Spreizschritt dann doch als kürzer, als es von unten aussah.

 

Der 3te Turm ist wieder Gehgelände, bis man zur Blaueisspitze kommt. Auch hier ein kleines Schmankerl, ein Kamin mit 2 Klemmblöcken, wobei auch hier erst spät gesichert werden kann - frühestens am ersten Block - besser geht's aber am 2ten Block.

 

Nun sind die eigentlichen Schwierigkeiten vorbei, weiter geht's in durchaus anspruchsvollem Gehgelände (bis 2), zuerst mit einer kleinen Abkletterei zur Blaueisscharte und dann rauf zum Hochkalter. 

 

Nach einer verdienten Brotzeit kam dann der nicht enden wollende Abstieg auf dem Normalweg, über Kleinkalter, Rotpalfen etc. bis zum "Schönen Fleck". Hier folgen noch einige längere Stellen zum Abklettern, dann ein Schuttkar und letztendlich wieder zurück zur Blaueishütte.

 

Nach 9:45 Stunden kamen wir hier dann endlich an, die Radlermaß hatte uns schon die letzten Stunden ständig in Gedanken angelacht und war nun auch wirklich unbedingt nötig :-)

 

Unvermeidbar dann noch der Abstieg zum Hintersee Parkplatz mit ca. 1,5 Stunden, raus aus den qualmenden Schuhen und endlich SITZEN ;-)

(Parken kostet 6,- pro Tag, 2 Tickets brauchts dann mit Übernachtung, bezahlt kann auch mit der "Parkster" App werden).

 

Alles in allem eine wunderbare Grat(Rund)tour mit moderaten Kletterschwierigkeiten, dafür aber lange. Bei heißem Wetter fühlt man sich gegen Ende wie Dörrobst, Wasser nachtanken unterwegs ist leider nicht möglich. Von daher an alle Nachahmer - packt euch Wasser ein, soviel ihr nur irgendwie tragen könnt. Meine 4 Liter waren zumindest mir zu wenig, aber ich bin tendenziell auch eher ein Wasserbüffel ;-)

 

... einen weiteren Anlauf gedenke ich nun nicht mehr zu tun, wer die Tour aber wiederholen möchte, darf sich gerne Auskunft bei mir holen.

 

Die Tour ist trotzdem, dass es nur ein 4er ist, durchaus anspruchsvoll. Am Tag der Ankunft wurden 2 Bergkameraden von der Rettung per Winde aus der Wand geholt, da die beiden sich mit der Zeit völlig verkalkuliert hatten und fix und fertig waren, aber glücklicherweise unverletzt.

 

Berg Heil - Manfredo