| Erstellt von Ro La – Bergwaldoffensive – fxk

Gemeinsam für den Bergwald von morgen

Mitglieder der Alpenvereinssektionen Sektion Rosenheim und Sektion Bergbund (DAV) stellen sich in den Dienst der Bergwaldoffensive und bepflanzen eine Kahlfläche im steilen Bergwaldgelände auf der Nordseite des Farrenpoint.

Der Alpenraum wird von den Auswirkungen des Klimawandels besonders stark getroffen. Stürme, Trockenperioden oder Borkenkäferkalamitäten werden zunehmen. Viele Schutzwälder sind in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend lichter geworden. Gelingt es der Waldverjüngung auf den steilen Berghängen nicht, rechtzeitig heranzuwachsen, verliert der Wald zunehmend seine Schutzfunktion. So wurden im Amtsbereich des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Rosenheim drei Projektgebiete ausgewiesen, in denen im Privatwald nach dem Grundsatz der Freiwilligkeit verstärkt Maßnahmen zur Verbesserung der Schutzfähigkeit des Bergwaldes durchgeführt werden. Deshalb war es für Mitglieder der beiden Rosenheimer Alpenvereinssektionen keine Frage, sich sofort auf Anfrage des AELF Rosenheim für eine Pflanzaktion zur Verfügung zu stellen. Die Nacht zuvor hatte es geschneit und das Gelände befand sich  auf gut 1000 m NN in der schattigen Nordseite des Farrenpoint. Trotzdem konnte Pascal Barz, Förster der Bayerischen Forstverwaltung und Projektleiter der Bergwaldoffensive, fünfzehn motivierte Frauen und Männer vor Ort herzlich begrüßen. Anhand eines detaillierten Arbeitsplanes folgte die praktische Einweisung in die Vorgehensweise. Die Gruppe verbrachte anschließend die kleinen Bäumchen (Tanne/Buche/Lärche) und Werkzeuge (Hohlspaten, Handsicheln, Wiedehopfhauen) an die jeweiligen Ablageplätze. Die Teams markierten mittels Fluchtstäben die Pflanzreihen und  mit Bambusstäben im Abstand von ca. 2,5 m die Pflanzstandorte oder schon durch Naturverjüngung aufgekommene Bäumchen, die dann ebenfalls ausgesichelt wurden. Die Pflanzung erfordert  folgende Arbeitsschritte: Vollständiges Abziehen des Graswasens, Ausheben eines Loches, Setzen der Pflanze. Das seitliche Beifüllen mit Erdreich verhindert in der Folge das Herausziehen durch Schnee, Schalenwild oder Barfrost. All das erfordert  durchaus körperlichen Einsatz – noch dazu im steilen, oft durch Neuschnee rutschigen Waldboden. Doch alle waren mit Begeisterung dabei, schließlich sind sie geübte Bergsteiger/innen und sich dem präventiven Wert dieser Aktion voll bewusst. Forstmann Pascal Barz hatte auf alle Arbeiten ein wachsames Auge und nach mehrstündigem Sicheln, Graben, Pflanzen und wieder Übererden waren an die 300 Setzlinge auf einer Fläche von etwa 3000 Quadratmeter gepflanzt. Bei einer zwischenzeitlichen Brotzeitpause spürte die Truppe im gegenseitigen Austausch ihrer Arbeit nach und war sich über die essenzielle Bedeutung der Schutzfunktionen des Bergwaldes für den Menschen mehr als bewusst. Die Wurzeln der Waldbäume festigen den Boden, der oberflächliche Abfluss der Niederschläge wird gemindert und die erodierende Kraft geschwächt. Wälder und ihre Böden nehmen viel Wasser auf und dämpfen damit Hochwasserspitzen. Steinschlag und Lawinen werden verringert.  All das wog die Strapazen gänzlich auf, und mit einem zufriedenen Gefühl kehrten die Teilnehmer gegen  Abend heim, nicht ohne den ausdrücklichen Dank von Förster Pascal Barz und Privatwaldbesitzer Michael Scheublein.

(Fotos: Knarr)