Bereits früh morgens trafen wir uns am Pendlerparkplatz in Raubling, damit unser Hochtourenwochenende pünktlich starten konnte. Nach einer kurzen Vorbesprechung ging es allerdings – entgegen der Annahme, dass wir Richtung Innsbruck fahren – für Einige erstmal wieder nach Hause, um vergessenes Material zu holen. In Mieders angekommen, mussten wir feststellen, dass der Hüttenwirt keine Zeit hatte, unser Gepäck abzuholen. Also durften wir es kurzerhand selbst bis zur Materialseilbahn tragen – was für geübte Berggeher natürlich kein Problem darstellte. Nach einem entspannten Aufstieg und dem obligatorischen Check-In auf der Franz-Senn-Hütte hätte es eigentlich direkt mit den ersten Übungen für unsere bevorstehende Hochtour losgehen können. Doch vorher musste noch mit den Verantwortlichen der Hütte geklärt werden, ob AV-Mitglieder ein Frühstück verpflichtend abnehmen müssen und wie es generell mit der Halbpension aussieht. Nachdem Geiz und Ego erfolgreich über Bord geworfen wurden, konnte es dann endlich losgehen.
Am Felsen gegenüber der malerisch gelegenen Unterkunft übten wir das Abseilen sowie das sichere Gehen im Gelände. Auch unsere Knotenkünste durften wir unter Beweis stellen. Der erste ereignisreiche Tag verging wie im Flug. Nach einem reichhaltigen Abendessen und einer kleinen Theorieeinheit zur Tourenplanung für den nächsten Tag war dann auch schon Zeit fürs Bett – denn wie uns Rupert freundlich erinnerte: Früh starten lohnt sich, da zu dieser Zeit noch nicht so viele „Preißn“ unterwegs sind.
Am nächsten Morgen ging es, gut gestärkt, Richtung Lüsener Spitz. Für einen Teilnehmer war der freiwillige Verzicht auf die Tiroler Hausmannskost leider kontraproduktiv – mangels Kraftreserven musste er schweren Herzens auf der Hütte bleiben. Vorbei an einem malerischen Gebirgssee ging es hinauf zu einer Scharte, von der wir endlich einen Blick auf unseren „Spielplatz“ der kommenden Tage werfen konnten – den Gletscher! Während wir diesen überquerten, spielte das Wetter jedoch nicht mit: Es begann zu regnen. Trotzdem erreichten wir bei dieser kombinierten Tour aus Eis und Fels einen wunderschönen Gipfel auf über 3000 m. Der Abstieg gestaltete sich abenteuerlich: Es donnerte in der Ferne, es regnete in Strömen, die Sicht wurde immer schlechter und über den Ferner zogen sich mittlerweile ordentliche Schmelzbäche. Doch dank der tollen Gruppendynamik und der hervorragenden Leitung durch Marc und Stefan konnte weder das schlechte Wetter noch die schwindenden Kräfte unsere gute Laune trüben. Nach über zehn Stunden auf den Haxn wartete endlich das wohlverdiente Abendessen auf uns. Zuvor konnten wir unsere durchnässten Sachen zum Trocknen aufhängen und uns unter der lauwarmen Dusche wieder aufwärmen. An dieser Stelle auch ein Dank an die DAV-Reisegepäckversicherung und den Hüttenwirt, die den Verlust einer gestohlenen Regenjacke zu einer Randnotiz machten. Zum Abschluss des zweiten Tages durften wir noch den engelsgleichen Stimmen unserer kompetenten und supernetten Ausbilder lauschen. Aufgrund der Erschöpfung und der dünnen Luft auf über 2000 m kann ich mich leider nicht mehr an das Thema erinnern. Nach einer wohlverdienten Feierabendhoib’n ging es dann auch schon wieder ins Bett um bereit für den nächsten Tag zu sein.
Am Freitag stand der große Übungstag auf dem Plan – in zwei Gruppen parallel, damit jeder genug Seil in die Hand bekommt. Gruppe eins widmete sich der Selbstrettung aus der Gletscherspalte (geübt an der Feuertreppe der Franz-Senn-Hütte): Mit Selbstflaschenzug und Aufprusiken wurde fleißig am „Wie rette ich mich selbst aus einer Gletscherspalte?“ gearbeitet. Manch einer merkte dabei schnell: Klettern ist das eine – sich mit einem Seilzug selbst hochzuziehen, eine ganz andere Sache. Die zweite Gruppe übte währenddessen die Spaltenbergung im Klettergarten. Auch hier wurde kräftig am Seil gezogen – mit Loser Rolle in der 3er Seilschaft und Schweizer Flaschenzug. Diesmal hielt das Wetter – im Gegensatz zum Tag davor, als wir eher für die Schwimmprüfung als für die Hochtour trainiert haben.
Am Samstag starteten wir früh: 5 Uhr Thermo-Frühstück – eine kleine Mahlzeit in den Bauch und danach geht es fast pünktlich um 5:30 Uhr los. Die Sonne war bereits motiviert am Himmel, und wir standen ihr in nichts nach. Drei Stunden Anstieg später erreichten wir den malerischen Turmferner See – Zeit für eine kurze Verschnaufpause. Leider war die direkte Turmferner Gletscherüberquerung nicht mehr möglich. Also Plan B: über einen weiteren Gipfel, den Aperen Turm, und einen Klettersteig zur Umgehung – Höhenmeter extra, kostenlos! Am Gletscher teilten wir uns wieder auf. Gruppe eins bestieg den Vorderen Wilden Turm über einen Klettersteig und seilte sich dann sportlich zurück auf den Gletscher ab. Gruppe zwei vergrub derweil Pickel im Schnee, um die T-Anker-Technik zu üben. Danach wurde gewechselt. Anschließend stiegen wir angeseilt über den Gletscher zur Turmscharte und dann weiter in Richtung Tal. Steigeisen kamen zum Einsatz, ebenso Eisschrauben, damit auch das Gehen und Sichern auf blankem Eis nicht zu kurz kam. Gegen 18 Uhr erreichten wir pünktlich die Hütte und das wohlverdiente Abendessen. Nach einer letzten Nacht im Lager hieß es dann Sonntagmorgen Abschied nehmen und zurück zu den Autos – mit schweren Beinen, aber um viele Erfahrungen reicher.
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