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Der Tag der Sommersonnenwende

Der Tag der Sommersonnenwende wurde dieses Jahr endlich mit reichlich Sommer und Sonne bei klarer Nacht angekündigt. Perfekte Bedingungen um am Wilden Kaiser die traditionellen Höhenfeuer, die die Berggipfel in mystisches Licht tauchen, aus der Nähe zu genießen. Ein kurzer Eintrag in unseren Gruppenchat und schon war eine Gemeinschaft gefunden, die sich an der Gruttenhütte zum Spektakel „Berge in Flammen“, bei dem Feuerketten die umliegenden Berge des Wilden Kaiser und das Kitzbüheler Horn erleuchten, zu einem kühlen Getränk einfinden wollte. 

Praktischerweise war Oliver tagsüber schon an der Hütte und konnte uns vorwarnen, dass die Gruttenhütte eine geschlossene Gesellschaft am Abend haben wird und wir für Speis und Trank selbst sorgen müssen. Gerold, der bereits früh öffentlich angereist und den langen Marsch von Kufstein aus angegangen war, erreichte diese Information zu spät. Nach seiner Ankunft an der Gruttenhütte kam es zu einem interessanten “Dialog”. Ein Auszug: 
[Bedienung] Ja? Was wollen Sie?  
[Gerold] Ich hätte gerne ein Bier (durstiger Tonfall).  
[Bedienung] Das bekommen Sie nicht, wir haben Geschlossene Gesellschaft!  
[Gerold] Ich bin den ganzen Tag mit zwei Litern Wasser von Kufstein über die Ellmauer Halt herüber gekommen, mir klebt die Zunge am Gaumen...  
[Bedienung] Leitungswasser kann ich dir geben! Das macht dann zwei Euro pro Flasche! (1 l)  
[Gerold] Ähh, also wir sind hier in den Bergen...!  
(...erstmal Wasser, den Rest denkt man sich...und sucht nach einem Verpflegungsentscheidungsträger, der alsbald gefunden ist)  
[Sektionsvorstand DAV Sektion Turner-Alpenkränzchen e.V. München] Wenn es sich hier um einen "alpinen Notfall" handelt, dann besorgt ich ein Bier. 
[Gerold] ...und mein Gipfelbucheintrag in der Babenstuberhütte (Biwak unterhalb der Ellmauer Halt) "ich freue mich schon auf ein kaltes Bier” geht in Erfüllung.  
 
Die (kostbare) Bierflasche wird überreicht und wird behutsam zum Treffpunkt der Gruppe, welcher etwas über der Hütte an einem kleinen Kreuz liegt, gebracht. 

Nach und nach erreichen alle den Aussichtspunkt und gegen halb neun haben sich alle eingefunden. Jetzt muss es nur noch dunkel werden. Die Zeit wird mit Picknick, welches von Nüsschen bis Weinchen reicht, und angeregter Unterhaltung gefüllt. Auf den Kaisergipfel kann man immer mehr Silhouetten der Fackelträger entlangwandern sehen und so steigt die Spannung.  
So wird es ein schöner Abend in netter Gesellschaft und die (brennenden) Sonnwend-Fackeln - eigentlich sind es Kerzen mit dickem Docht - auf den Gipfelkämmen entzünden sich. Mit einsetzender Dunkelheit zeichnen sich die Kontouren immer besser ab, die Feuerpunkte treten hervor und das mystische an der Sommersonnenwende packt einen. Auch die Fackeln der umliegenden Bergketten von Kitzbühler Horn* über die Loferer Steinberge, dem großen Rettenstein und sogar bis in die Tauern brennen und bilden ein beeindruckendes Amphitheater um uns herum.  
 
Wir genießen noch eine Weile bis wir mit Stirnlampe den Abstieg angehen. Am kürzesten Tag des Jahres, wird es entsprechend auch früh wieder hell und die Berglebnisse rufen nach uns.  
*Kurze Anmerkung, die Kitzbühler haben ihr Horn mit so vielen Fackeln gepflastert, das man meinen könnte, ein Vulkan ist ausgebrochen und die Lava fließt in Streifen herunter. Vielleicht ein klein wenig übertrieben, aber das mag die “Kitz”-Society ja.