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Eine Übung zum mobilen Sichern in Kletterrouten

Wirst du mich halten, kleiner Friend? 

  • Ja
  •  Nein  
  • Vielleicht 
     
    Diese spannenden drei Antworten, welche viele von uns seit der Schulzeit von den kleinen Zetteln, welche durch die Bänke gewandert sind, kennen, beschäftigt auch häufig die Kletterer bei der Beurteilung ihrer gelegten Sicherungen. An zwei Wochenenden sind wir im Klettergarten “Biber”, der Frage nachgegangen, ob unsere mobilen Sicherungen uns im Sturzfall halten würden.  
    Im unteren Sektor des Klettergartens sind zwei Routen mit Rissverläufen, nebeneinander, welche wir als Versuchsgelände ausgewählt hatten. Vollgepackt mit allem, was die heimische Schlosserei zu bieten hatte rückten wir an. Mit „Schlosserei“ sind alle metallenen Gegenstände, die beim Felsklettern eingesetzt werden, gemeint. Ein Begriff der sowohl humorvoll als auch liebevoll verwendet wird, um auf die Vielzahl an Metallausrüstung hinzuweisen, die Kletterer besonders bei alpinen Touren, wo wenig oder gefühlt zu wenig Bohrhaken angebracht sind, mit sich führen. 

Zuerst wurde einmal “aufgetischt” und die Schätzchen der Kollegen bestaunt. Die unterschiedlichsten Klemmkeile und Klemmgeräten aus verschiedensten Kletterepochen traten zu Tage und Frank garnierte das Gedeck mit einer Zeitreise von den Anfängen der Klemmgeräte (Friends) aus dem Josemite Valley bis zu den High-End-Niedriggewicht Teilen, welche heute zumeist an den Klettergurten baumeln. 
Noch am Wandfuß stehend, haben wir dann das Material in kleine, mittlere, große, parallell, sich verjüngende, quer oder längs laufende Risse und auch Felslöcher platziert. Anschließend wurde begutachtet, ob die drei wesentlichen Kriterien für ein gutes Placement

  •  Felsqualität, der Fels ist nicht brüchig, sandig oder locker  
  • Formschluß, die Sicherung verklemmt sich formschlüssig 
  • Zugrichtung, die Belastung erfolgt in Sturzrichtung  
    gegeben waren oder etwas verbessert werden konnte.  

Jetzt war es Zeit für die “Probe auf Exempel”. Am Seil per Toprope gesichert, wurde in den Routen technisch, also nur an den eigenen Sicherungen, aufgestiegen. Dazu legt man beispielsweise einen Klemmkeil in einen Riss, hängt eine lange Bandschlinge ein und steigt mit seinem kompletten Körpergewicht in die Schlinge. Das beantwortet die Frage sehr schnell, ob die mobile Sicherung in Sturzrichtung hält. Anschließend wird das Prozedere mit der nächsten Sicherung wiederholt und so arbeitet man sich empor.   

Wir bauten noch leichte Variationen in die Begehungen ein und bald hatte jeder ein gutes Gefühl entwickelt, wie die Dinger vom Klettergurt in die Wand mussten. Eine sehr wertvolle Erfahrung, um auch in Klettertouren mit geringer Bohrhakendichte mit dem Selbstvertrauen einsteigen zu können, sich und die Seilschaft absichern zu können.  
 
Wie sich aber herausstellte ist diese Art der Fortbewegung zwar sehr fördernd für das Vertrauen in die selbst gelegten Sicherungen, aber auch deutlich anstrengender als normales, freies Klettern. So waren wir bald erschöpft, packten die Schlosserei in den Rucksack und zogen erfahrungsbereichert von dannen.