Nachdem das Sebastian-Finsterwalder-Gymnasium im vergangenen Schuljahr 2025/26 mit dem Gewinn des Landessiegertitels in Bayern in der Wettkampfklasse III (Jahrgang 2012 und jünger) bereits einen Riesenerfolg feierte, wurden wir als Vertreter Bayerns in der ersten Schulwoche nach den Sommerferien für drei Tage zum Deutschen Schulkletterfinale nach Berlin eingeladen. Hochmotiviert und auch ein bisschen aufgeregt trat die 6-köpfige Schulmannschaft, alle Mitglieder des Rock&Bloc-Teams der Alpenvereinssektion Rosenheim, betreut von der Jugendleiterin Manou Gareis und dem Stützpunktleiter Manfred Mauler, nach einem Schultag die lange Anfahrt mit der Deutschen Bahn nach Berlin an. Nach einer Übernachtung und einem kräftigenden Frühstück stieg die Nervosität, Spannung und Vorfreude auf den Wettkampf an. Auch wenn alleine schon die Qualifikation ein großer Erfolg war, so rechnete sich unsere Mannschaft kleine Chancen auf einen Platz auf dem Siegerpodest aus. Jede(r) teilnehmende Schüler(in) in einem Dreikampf alle Disziplinen von Bouldern, Seilklettern bis Speedklettern innerhalb von 5 Stunden durchlaufen, was sowohl aus physischer, aber auch psychischer Sicht die Kinder und Jugendlichen forderte und eine große Bewegungsintensität gewährleistete.
Kaum in die Kletterhalle Berlin hineingelassen, musste unsere Mannschaft, bestehend aus Valentin Krüger (6.Klasse), Marlena Lohmeier, Laura Schieder, Romy Zeeb (7. Klasse) und Noah Dierfeld, Sebastian Gräfe (8. Klasse) nach einem kurzen gemeinsamen Aufwärmen in der Disziplin Lead starten. Die beiden Demo-Videos konnten unsere StarterInnen nur flüchtig abschauen, bevor sie in die zwei Seilkletterrouten einstiegen. Die leichtere von beiden Touren führte durch eine senkrechte Wand mit vielen großen, aber eher runden Griffen und wackligen Bewegungen. Mit der maximal möglichen Anzahl an Tops stellte diese für unsere Mannschaft keine Hürde da. Die zweite Route hingegen bot nicht leicht zu lesende Bewegungsaufgaben – viele moderne Dual-Tex-Griffe in leicht überhängenden Wandabschnitten, oft so geschraubt, dass man nur durch gute technische Fertigkeiten verhindern konnte, dass einen die Drehkräfte aus der Wand werfen. In dieser Route im Schwierigkeitsgrad ca. 9- erkletterte sich unser Team leider nur ein Top. Grund hierfür war in zweimal das knapp bemessene Zeitlimit von 4 Minuten, aber auch die Tatsache, dass wir als erste angetretene Mannschaft nicht profitieren konnten von einer nach uns entdeckten leichteren Alternativ-Bewegungsabfolge auf den letzten drei Metern zum Top. Mit einer sehr guten, ausgeglichenen Mannschaftsleistung konnte sich unser Team im Lead den fünften Platz sichern.
Anschließend hieß es in einer eigens geschraubten Speedroute von ca. 13 Metern Höhe Schnellkraft und Bewegungsfluss unter Beweis zu stellen. In zwei Versuchen sprintete die Teilnehmer möglichst schnell bis zum Anschlag an einen Buzzer. Noah Dierfeld meisterte dies mit Tagesbestzeit von knapp über 9 Sekunden mit Bravour. Auch die anderen Mannschaftmitglieder waren schnell unterwegs, doch unglückliche Abrutscher und kleinere Fehler in der Linienwahl kosteten uns Zeit, sodass wir mit nur 8 Zehntelsekunden Rückstand zu Platz 4 in der Mannschaftswertung den Platz 5 erzielten.
Im abschließenden Boulder-Parcours waren 5 Bewegungsaufgaben geschraubt, die koordinative und Bewegungsgefühl abverlangende technische Lösungen abverlangten. Aber ohne Finger-, Arm- und Schulterkraft sowie Corepower wäre man in den stark überhängenden Wandabschnitten dem Top nicht nähergekommen. Unser Team sammelte in der Mannschaftswertung 14 von 20 möglichen Tops und damit jede Menge Punkte. Trotzdem reichte es erneut „nur“ zum 5. Platz. Letztlich fehlten uns auf den 3. Platz in der Disziplin Bouldern nur 3 Griffwertungen, was verdeutlicht, wie knapp die Entscheidungen fielen.
Bei der mit Spannung erwarteten Siegerehrung wurden die Mannschaften rückwärts zu ihrer Platzierung aufgerufen. Das SFG-Team durfte lange warten bis nur noch 5 Mannschaften ungenannt waren. In der Gesamtauswertung aller drei Disziplinen landete das Sebastian-Finsterwalder Gymnasium letztlich auf dem hervorragenden fünften Platz, geschlagen von drei Elite-Sportschulen aus Rheinland-Pfalz, Saarland und Sachsen und der Gewinnerschule Anna-Essinger Gymnasium vom DAV-Leistungsstützpunkt Ulm aus Baden-Württemberg.
Die anfänglich Enttäuschung der Rosenheimer Kletterer, dass „nur“ der 5. Platz erklettert wurde, wich schnell der Freude und dem Stolz über die sehr gute Leistung, die hier gegen extrem starke deutschlandweite Konkurrenz und viele Bundeskader-AthletInnen gezeigt werden konnte. In einem besonders positiven Licht erscheint die Leistung unserer Kletterer auch aufgrund der nicht nachvollziehbaren Tatsache, dass in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Altersvorgabe gelten. Während in Bayern nur Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 2012 und jünger antreten durften, war die Altersgrenze in allen Bundesländern der Jahrgang 2011. Dies bedeutete, dass unsere ohnehin junge Mannschaft gegen ein Jahr ältere Teilnehmer/-innen antreten mussten, was in diesem Alter bei vielen Leistungsfaktoren einen großen Unterschied macht. Diese Regelung, die auch unter den begleitenden Betreuern und Lehrkräften auf Unverständnis stößt, muss im Sinne der Chancengleichheit schnellstmöglich geändert werden.
Beim gemeinsamen Abschluss im DAV-Zentrum Berlin konnten die Energie- und Flüssigkeitsspeicher mit Pizza und Saftschorlen wieder aufgefüllt werden, neue Bekanntschaften geknüpft und Erfahrungen zur Organisation von Klettern als Schulsport ausgetauscht werden. Bevor es am nächsten Nachmittag in einer langen Zugfahrt wieder nach Hause ging, stand natürlich noch ein kurzer aber intensiver Sightseeing-Trip auf dem Programm: DDR-Museum, Holocaust-Denkmal, Brandenburger Tor, Bundestag und einiges mehr wurden größtenteils per pedes besichtigt. Erst gegen Abend kam die Mannschaft mit ihren beiden Betreuern müde und erschöpft, aber zufrieden und um viele Erfahrungen reicher mit jeder Menge Trainingsmotivation für das neue Wettkampfjahr im Gepäck wieder in Rosenheim an.
In Anbetracht dieses insgesamt sehr gelungenen Schulwettkampfes ist die Tatsache, dass die Sportart Klettern trotz der Aufnahme in die olympischen Reigen und der sehr hohen Attraktivität in der insbesondere jungen Bevölkerung noch nicht als offizielle Sportart bei „Jugend trainiert für Olympia“ akzeptiert ist und damit finanziert wird, nicht mehr nachvollziehbar. Dies hat zur Folge, dass eine Wettkampfteilnahme auf deutscher Ebene nicht bezahlt wird und nur mit viel ehrenamtlichen Engagement sowie finanziellen und ideellen Einsatz der beteiligten Schulen und Lehrkräfte durchgeführt werden muss. An dieser Stelle geht ein herzlicher Dank an die Stadt Rosenheim, der Alpenvereinssektion Rosenheim und den Bergsportfachverband Bayern, ohne deren Unterstützung eine Teilnahme und damit auch dieser Erfolg unserer Schulmannschaft erst gar nicht möglich gewesen wäre.
In der Hoffnung, dass endlich auch an den entscheidenden Stellen der deutschen Schuldemokratie und den Kultusministerien wahrgenommen wird, wie pädagogisch wertvoll das Sportklettern auf Schulebene ist, werden wir weiter werben für diese einzigartige Sportart, auch mit prägenden Eindrücken und bleibenden Erlebnissen von Wettkampfveranstaltungen wie dieser, unter anderem auf unserer Schulhomepage.
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