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Spaltenbergung a la RoBa

Wenn du beim Kochen nicht probierst, kochst du nur nach Zahlen. Am Topf ist das Abschmecken entscheidend und ein gutes Gericht lebt vom Feintuning. Wir haben unsere Spaltenbergungsübung jetzt zum dritten Mal innerhalb der Gruppe durchgeführt und wir scheinen im Feintuning angekommen zu sein, es wird jedes Mal ein wenig kompletter. Im ersten Jahr waren wir in der Kletterhalle Fürstätt und sind von der Decke am Seil gebaumelt, im Zweiten Jahr haben wir uns am Rettenbachferner von einem Gletschermaul verschlucken lassen. Und dieses Jahr zog es uns in die Wolfschlucht nach Neubeuern.  

9 Personen voll motiviert und jeder bereit seinen Bergkameraden situativ angepasst auf die richtige Weise zu retten, trafen sich am Samstagmorgen am alten Rathaus unterhalb des Neubeurer Schlosses.  Um kurz nach neun durchstreifte das ”Wolfsrudel” in Hochtourenausrüstung bei bestem Sonnenschein die Schlucht. Unser Übungsgelände war allerdings nicht in der Schlucht selbst, sondern lag auf einem Rücken etwas oberhalb der Felsabbrüche, dort wo die Slackliner ihre Bänder für die Hochseilakrobatik spannen. 

 
Wir hatten ein kleines Felsplateau gefunden, welches an mehreren Seiten etwa 5 Meter über eine Kante steil abfällt und einen waagrechten Wandfuß bietet an dem man gut stehen und sich auch bewegen kann.   
 
Nach einer kurzen Theoriestunde zu den verschiedenen Rettungstechniken, ergänzt mit eigenen Erlebnissen und bekannten Fehlern, die schon zu Unfällen führten, ging es ans Üben.  

Wir starteten mit der einfachsten Methode dem Mannschaftszug. Bei großen Seilschaften ab 4 Personen kann der Verunfallte durch einfaches “Zurückgehen” aus der Spalte gezogen werden. Wichtig ist das der Seilzweite Kontakt mit dem Spaltenopfer aufnimmt und die Rettung koordiniert, so dass die Zug-Geschwindigkeit kontrolliert wird. 
 
Die zweite Technik war die lose Rolle, welche bei einer Dreier-Seilschaft angewendet wird. Diese ist deutlich komplexer und aufwendiger herzustellen, da ein Fixpunkt geschaffen werden muss, eine Rettungsschlinge zum Heraufziehen verwendet wird und mittels einer Rücklaufsperre ein erneuter Sturz des Verunfallten verhindert werden muss. Während die lose Rolle bekannt war, bildete das größte Aha-Erlebnis ein weitgehend unbekannter Knoten: der Bierknoten. 

An sich ein Standard-Sackstich, aber wenn man ihn bei der losen Rolle vergisst, kostet er ein ”Bier” für die Runde, die bayrische Art sich die Dinge einzuprägen. 
 
Zusätzlich hatten wir in dem Areal zwei Fixseile installiert, sodass parallel zur losen Rolle auch die Selbstrettung geübt werden konnte. Bei dieser Technik arbeitet sich der Gestürzte mithilfe von Klemmknoten oder -geräten eigenständig am Seil nach oben. Da das Seil dabei stark gegen die Felskante gedrückt wurde, war der Einsatz der Garda-Klemme – einer behelfsmäßigen Rücklaufsperre aus zwei Karabinern – zur Überwindung der Kante unerlässlich. Die Garda-Klemme kommt am Spaltenrand zum Einsatz, wenn der Klemmknoten nicht mehr weiter nach oben geschoben werden kann – genau wie es auch an unserer Felskante der Fall war. 
 
Die mehreren Stationen ließen trotz der großen Teilnehmerzahl alle beschäftigt bleiben und die Zeit verfolg, bis alle Ihr Feintuning abgeschlossen hatten.  
 
Mal sehen welche Zutat wir im nächsten Jahr ergänzen...to be continued