Hoher Göll, 2.522 m
1600 Höhenmeter, rund 9 Stunden Gehzeit, Wanderweg, Bergsteigen, Klettersteig, Schnee und als große Motivation einen Kaiserschmarrn auf der Hütte. Die Eckdaten waren bekannt und machten durchaus klar: Das wird kein Sonntagsspaziergang. Aber mit einer guten Portion Vorfreude, einer tollen Gruppe und dem Ziel „Gipfelglück plus Kaiserschmarrn“ ließ sich das ganz gut verdrängen.
Treffpunkt war um 06:30 Uhr am Bahnhof Rosenheim, um 06:45 Uhr ging es vom Pendlerparkplatz Pfraundorf mit dem DAV-Bergbus Richtung Berchtesgaden. Dort allerdings zunächst mit etwas Verzögerung. Zwei Bergliebhaber waren an diesem Morgen leider nicht ganz mit der besten Pünktlichkeit gesegnet. An dieser Stelle deshalb ein riesiges Dankeschön an alle, dass nicht einfach ohne uns losgefahren wurde! Dass ich im Gegenzug diesen Tourenbericht schreiben darf, sehe ich daher auch ein kleines bisschen als Strafe oder sagen wir lieber: als nette Gegengeste. 😉
Um 08:30 Uhr starteten wir zu fünft schließlich an der Scharitzkehlalm auf 1.044 m. Die erste Energiezufuhr bestand aus belegten Broten. Die eigentliche kulinarische Belohnung sollte später ein warmer Kaiserschmarrn auf der Hütte werden.
Der Aufstieg führte zunächst über den Stefensteig (T5), Violas Geheimtipp. Und tatsächlich: wenig Leute, dafür umso mehr Bergfeeling. Weiter ging es auf den Mannlsteig-Klettersteig (B/C), inklusive kleiner Höhlendurchquerung und grandioser Aussicht. Eigentlich waren wir richtig flott unterwegs und machten kaum Pausen. Doch irgendwie rann die Zeit dahin und plötzlich drohte nicht nur der Kaiserschmarrn davonzulaufen.
Denn es wurde ernst: Wenn wir nicht spätestens um 13:30 Uhr am Gipfel standen, sollte das Gipfelglück aus Zeitgründen ausfallen. Und das war für uns natürlich keine Option. Also wurden noch einmal sämtliche Kraftreserven zusammengekratzt, die Motivation hochgeschraubt und gefühlt ein Gang oder vielleicht sogar zwei, hochgeschaltet. Die letzten Kilometer wurden mit sportlichen 3 km/h mehr absolviert.
Unser Ziel: der Hohe Göll (2.522 m, T4).
Über eisige und verschneite Passagen ging es weiter nach oben und tatsächlich waren wir dann doch schneller als erwartet am Gipfel. Dort wartete ein traumhafter, windstiller 360-Grad-Blick. Einzig die Tatsache, dass offenbar ziemlich viele andere Menschen denselben Plan wie wir hatten, was die Gipfelidylle jedoch nicht trübte.
Viola gewährte uns großzügige zehn Minuten Gipfelpause. Also Pizza vom Vorabend ausgepackt, schnell ein Gruppenfoto am wunderschönen Gipfelkreuz gemacht, Aussicht genossen und wieder alles zusammengepackt. Denn die Zeit lief weiterhin unerbittlich. Immerhin war da noch ein kleiner Hoffnungsschimmer: Vielleicht geht sich der Kaiserschmarrn doch noch aus!
Der Abstieg führte über den Kammsteig-Klettersteig (C), inklusive der berühmten Kaminpassage. Und keine Sorge: Ein echter Kamin ist das nicht, da raucht nichts. Optisch kommt das Ganze einem Kamin allerdings erstaunlich nahe. Und da wir zu fünft hindurchkletterten, waren wir quasi eine kleine Kaminkehrer-Partie. Schließlich sagt man ja, Kaminkehrer bringen Glück – und fünf auf einmal bringen das Glück gleich mehrfach! Vielleicht war das ja genau das nötige Quäntchen Glück, das uns doch noch zu unserem heiß ersehnten Kaiserschmarrn verhelfen würde …
Anschließend ging es über den Schustersteig (B/T4) zum Purtschellerhaus auf 1.692 m. Der Weg zog sich mit ausgesetzten Stellen und immer wieder kleinen Kletterpassagen noch einmal ordentlich in die Länge. Spätestens hier war klar: Der Kaiserschmarrn würde heute wohl ein Wunschtraum bleiben.
Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Vielleicht gab es ja wenigstens ein ordentliches Stück Kuchen.
Und tatsächlich: Um 15:45 Uhr kamen wir an der Hütte an. Wie eigentlich den ganzen Tag schon mit einem eher überschaubaren Zeitpuffer. Trotzdem reichte es für jeden von uns für ein kühles Getränk und sogar für ein super saftiges Stück Käsekuchen. Der Kaiserschmarrn war damit zwar offiziell aus dem Rennen, aber die Laune war trotzdem bestens.
Nach einer kurzen Pause ging es weiter über den Ecker Sattel. Unzählige Stufen führten bergab und ließen uns nur einen Gedanken haben: Zum Glück gehen wir hier runter und nicht hoch! Vorbei an einer Hütte wurden wir außerdem noch mit einem ziemlich g'schneidigen Flügelhornkonzert musikalisch verabschiedet. Über den Sattel ging es schließlich weiter bis zur Klaushöhe und zurück zum Bus.
Dort wartete bereits unser netter Busfahrer mit Erfrischungsgetränken auf uns. Eine perfekte Begrüßung nach dieser langen Runde. Die Heimfahrt verlief zwar nicht ganz staufrei, dafür wurden wir mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt.
Fazit:
Eine abwechslungsreiche, sonnige und richtig g'schmeidige Tour!
Eine tolle Gruppe, super Gruppendynamik und eine Mords-Gaudi machten die rund 1.600 Höhenmeter gleich deutlich leichter. Landschaftlich war alles dabei: Gras, Fels, Schnee, Wanderwege, Bergsteiger- und Kletterpassagen und dazu immer wieder grandiose Ausblicke.
Lediglich beim Zeitmanagement besteht vielleicht noch ein klitzekleines Verbesserungspotenzial. 😄
Der Kaiserschmarrn blieb uns zwar verwehrt, dafür gab es Gipfelglück, Pizza am Gipfel, Käsekuchen, Flügelhornmusik und einen grandiosen Sonnenuntergang.
Ein rundum gelungener und sonniger Saisonabschluss und für Viola gleichzeitig auch die letzte Bergtour im Programm 2026.
Was will man mehr? Außer vielleicht beim nächsten Mal einfach 15 Minuten früher losfahren. 😉
Theresa Pölt