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Hochtourenbegeisterte ROpies!

02.08.2026

Am 2. August brachen 11 motivierte Hochtourenbegeisterte und Alpinkletterer in Richtung Schweiz auf. Ursprünglich war zwar eine Fahrt in die Westalpen geplant, wegen der besseren Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln entschieden wir uns jedoch relativ kurzfristig für das Engadin. Morgens um 5:30 Uhr stiegen wir vollbepackt am Rosenheimer Bahnhof in die Bahn – was man dem einen oder anderen am verschlafenen Blick durchaus ansah. Nach der Ankunft in Bergün stiegen wir in den Rufbus um, der uns nach Chants brachte, dem Ausgangspunkt für den Aufstieg zur Keschhütte. Ein kurzer Regenschauer und eine erste Stärkung mit Kuchen später begann schließlich der eigentliche Zustieg zur Unterkunft (800 hm / 2,5 h).

Aufgrund des Felssturzes vom 18./19.07.2026 und des damit verbundenen hohen Steinschlagrisikos verzichteten wir schweren Herzens als Gruppe auf die geplante Besteigung des Piz Kesch (3418 m). Als Plan B wählten wir den weniger bekannten Nachbargipfel Piz Porchabella (3079 m), den wir weglos über den Südgrat anvisierten. Bevor es in den Fels ging, überquerten wir die letzten Gletscherreste des Vadret Viluoch. Der Weg vom Eis zum Gipfel gestaltete sich durch die steilen Schuttflanken zwar streckenweise mühsam, gemeinsam kämpften wir uns jedoch über den nach oben etwas kompakter werdenden Grat bis zum Gipfel durch. Beim Abstieg nutzten wir eine steile Gletscherkante, um gezielt an unserer Steigeisentechnik zu feilen: In unterschiedlich steilem Gelände testeten wir z.B. die Grenzen der Vertikalzackentechnik aus und vertieften den richtigen Einsatz der Frontalzacken. Es ist immer wieder erstaunlich wie weit man auf den Vertikalzacken kommt. Trotz der überschaubaren 600-Höhenmeter-Tour war der Tag offenbar so kräftezehrend, dass beim Abendessen auch noch eine dritte Runde Nachschlag nötig war.

An Tag 3 unserer Sommerfahrt ging es wieder zurück ins Tal. Per Rufbus fuhren wir nach Bergün, von dort weiter mit der Bahn über St. Moritz und schließlich mit dem Postbus nach Pranzaira. Hier startete der schweißtreibende Aufstieg zur Albignahütte (~1150 hm / 3,5 h). Nach dem langen Weg in der Hitze mit schwerem Gepäck gönnten wir uns kurz vor der Hütte noch eine willkommene Abkühlung im kleinen Bergsee. Auch das Team dieser traumhaft gelegenen Hütte merkte beim Abendessen schnell, welchen Bärenhunger wir mitbrachten - der sie auch an den verbleibenden vier Abenden auf Trab halten sollte.

Der Wetterbericht sagte für nahezu die gesamte Woche täglich ab Mittag ein hohes Gewitterrisiko voraus – mit Ausnahme von Mittwoch, unserem vierten Tag. Diesen nutzten wir optimal: Während zwei 2er-Seilschaften über die Via Felici (6a) einstiegen, wählten zwei 3er-Seilschaften den Nordostgrat (4c) der Spazzacaldeira. Gemeinsam erkletterten wir die berühmte Fiamma (5c+) beziehungsweise den etwas anspruchsvolleren Dente (6b). Vor der Rückkehr zur Hütte schlossen wir den erfolgreichen Tag mit einem Bad im Stausee ab.

Der Donnerstag brach an und wir teilten uns auf drei verschiedene Routen auf: die Mild West (4b) am Piz dal Päl, die Via Classica (5c+) am Biopfeiler und die Piccolo (4a/5c) am Torre dal Päl. Letztere entwickelte sich in den folgenden Tagen dank der kurzen fünf Seillängen direkt vor der Hüttentür zu unserem Favoriten für spontane, mehr oder weniger entspannte Nachmittagsklettereien, wenn wir früher als gedacht von einer Tour zurückkamen. Vor dem Abendessen erfrischten wir uns noch mit einem beherzten Sprung in den eiskalten Gletscherbach, der vom Vadrec dal Cantun herunterkommt. Bei der anschließenden Tourenplanung mussten wir allerdings feststellen, dass der morgige Freitag wohl ziemlich verregnet werden würde.

Am nächsten Morgen brach eine Seilschaft bereits um halb sieben zum Torre Piz dal Päl auf, um dem Regen möglichst zu entgehen. Die übrigen Teilnehmenden genossen ein ausgiebigeres Frühstück, ehe auch sie mit durchgehenden Gedanken an einen wetterbedingten Abbruch starteten – ein Teil ebenfalls Richtung Torre, der Rest zum Klettergarten am Piz dal Päl. Dort lag der Fokus vor allem auf Übungen zum Legen von Keilen und Friends. Während die erste Seilschaft schon wieder vom Torre zurück war und genüsslich einen Cappuccino in der Sonne vor der Hütte schlürfte, zog auf dem Wetterradar genau das auf, was wir am Vorabend befürchtet hatten. Die Gruppe im Klettergarten bekam davon leider nichts mit, da sie dort weder Netz noch freie Sicht auf die heranziehenden, dicken schwarzen Wolken hatte. Deshalb rannten die beiden Kaffeetrinker von der Hütte hoch bis sie in Rufweite des Klettergartens den Rest warnen konnten. Um es kurz zu machen: Wir wurden an diesem Vormittag fast alle klatschnass. Besonders hart traf es ein Seil, das wir im Regen zurücklassen mussten, weil es sich beim Abziehen verklemmt hatte.

Zurück auf der Hütte wurden erst einmal sämtliche Klamotten zum Trocknen aufgehängt. Einige nutzten die unfreiwillige Pause für eine Mütze Schlaf, die in den vergangenen Tagen etwas kurz gekommen war; andere verbrachten die Zeit gemütlich bei Lektüre, Zeitschriften und leckeren Rösti. Als der Regen am Nachmittag nachließ, rückten wir zu einer 30-minütigen „Speed-Aktion“ aus, um das durchnässte Seil und die Friends oben am Piz dal Päl zu bergen. Hier können wir Entwarnung geben. Sowohl das Seil als auch die Friends erholten sich von der Nässe schnell und hingen den restlichen Teil der Sommerfahrt im Keller der Hütte ab. Vor dem Abendessen absolvierten wir schließlich noch ein paar Übungen zur behelfsmäßigen Bergrettung (u. a. Body Hauling, Flaschenzug, Seilverlängerung und Aufstieg am Seil mittels Prusik).

Der Samstag als unser letzter voller Tag auf der Albignahütte führte den Großteil der Gruppe zum Piz Balzet. Zwei 3er-Seilschaften wählten den Südgrat (4b), während eine weitere 3er-Seilschaft über die Via del Gipeto (6a+) einstieg. Nach einem etwas zu weiten Abseiler im Abstieg und einigen Mühen, wieder auf die korrekte Route zu gelangen, trafen alle drei Seilschaften zusammen. In einer starken Teamaktion mit mehreren Ablassschaukeln, Geländerseilen und Abseilpisten kamen wir alle neun Personen sicher an den Wandfuß zurück. Ein echtes Miteinander: Die erfahreneren Mitglieder unterstützten die anderen hervorragend, sodass wir als Gesamtgruppe enorm zügig vorankamen.
Etwas entspannter ging es derweil bei der 2er-Seilschaft an der Punta da l’Albigna in der Route Via Steiger (5c) zu. Bei den beiden Mädels waren sogar noch eine Übung zum mobilen Standplatzbau und eine Erfrischung im Bach zeitlich drin.

Am Abreisetag stand nur noch der Abstieg von der Hütte zur Talstation der Seilbahn in Pranzaira auf dem Programm – inklusive eines letzten kurzen Bades im Bach direkt vor der Bushaltestelle. Über St. Moritz, wo wir bei einem Kaffee die erlebnisreiche Woche noch einmal Revue passieren ließen, traten wir schließlich die Heimreise an. Auf der Heimfahrt nach Rosenheim stand für alle fest: Das schreit definitiv nach einer Wiederholung!