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Vom Martelltal ins Val di Rabbi – vier Tage zwischen Gipfeln, Gletschern und Teamgeist

Sieben Bergsteiger, zwei Autos und vier Tage Zeit für eine Hochtour über mehrere Dreitausender, Gletscher und Grate: Am Mittwochmorgen machten sich fünf Teilnehmer gemeinsam mit unseren beiden Tourenleitern Viola und Manfred von Rosenheim und Brannenburg auf den Weg ins Martelltal. Was zunächst nach einer ganz normalen Anreise aussah, sollte sich in den folgenden vier Tagen zu einer abwechslungsreichen Hochtour mit Gipfeln, Gletschern, Wetterkapriolen, intensiver Tourenplanung, einer kleinen Bergschuh-Krise und vor allem einem ausgesprochen guten Miteinander entwickeln.

Mittwoch – Über das Sällentjoch zur Dorigoni-Hütte
Die Anfahrt ins Martelltal verlief völlig problemlos. Ein kurzer Zwischenstopp beim Bäcker durfte natürlich nicht fehlen – schließlich sollte nicht nur die Tourenplanung, sondern auch die Energieversorgung der Gruppe von Anfang an stimmen. Gleichzeitig konnten sich alle Teilnehmer in Ruhe kennenlernen. Vom Parkplatz bei der Zufallhütte starteten wir bei stabilem und schönem Wetter in Richtung Val di Rabbi. Unser erster Übergang führte über das Sällentjoch auf 2.980 m zur Dorigoni-Hütte. Für den ersten Tag war die Tour genau richtig zum Eingewöhnen. Für den einen oder anderen war die Akklimatisation allerdings nicht nur ein netter Nebeneffekt, sondern durchaus dringend erforderlich. Die Höhe machte sich bemerkbar und sollte uns noch ein wenig begleiten.Auf der Dorigoni-Hütte wurden wir herzlich empfangen, bezogen unser Lager und konnten uns anschließend über eine hervorragende Verpflegung freuen.Der erste Tag war damit ein gelungener Auftakt – und noch waren wir voller Zuversicht, dass die kommenden Tage genauso entspannt verlaufen würden.

Donnerstag – Zwei Gipfel, ein Gletscher und eine kleine Routenfindungsdiskussion
Am Donnerstag ging es bei weiterhin passablem Wetter schon früh weiter. Ziel war die Cevedale-Larcher-Hütte, wobei wir den Weg dorthin gleich mit zwei Gipfeln würzten. Zunächst stand die Hintere Rothspitz (3.346 m) auf dem Programm, anschließend die Cima Mezzana (3.172 m). Danach führte unser Weg weiter über den Careser-Gletscher in Richtung Hütte. Und genau dort wurde es dann etwas interessanter. Bei der Routenfindung auf dem Gletscher waren wir uns nicht auf Anhieb einig. Es entwickelte sich eine durchaus lebhafte Diskussion darüber, welcher Weg denn nun der richtige sei. Dank unserer beiden erfahrenen Tourenleiter Viola und Manfred und der guten Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe konnte die Frage schließlich zur Zufriedenheit aller gelöst werden – der richtige Weg wurde gefunden und die Tour konnte weitergehen. Nach insgesamt rund zehn Stunden unterwegs erreichten wir schließlich die Cevedale-Larcher-Hütte. Die lange Etappe hatte zwar Spuren hinterlassen, die Stimmung in der Gruppe war aber weiterhin bestens.

Freitag – Schlechtwettertag mit Gipfelfenster und Ausbildung
Der Freitag präsentierte sich dann deutlich weniger einladend. Das Wetter verschlechterte sich, es regnete zeitweise und der Wind nahm mit Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h ordentlich Fahrt auf. Die Gruppe entschied sich daher vernünftigerweise für einen Pausen- und Ausbildungstag. Während einige Teilnehmer die Gelegenheit nutzten, es sich auf der Hütte gemütlich zu machen, öffnete sich zwischen den Wetterfronten ein kleines Sonnenfenster. Dieses wurde natürlich nicht ungenutzt gelassen: Ein Teil der Gruppe machte sich noch auf den Weg und bestieg die Cima Nera (3.037 m) sowie das Hohe Fernerjoch (3.124 m).
Am Nachmittag stand dann der praktische Teil auf dem Programm. Viola und Manfred wiederholten mit uns die wichtigen Techniken der Spaltenbergung, den Aufstieg am Seil sowie den Aufbau und die Anwendung der losen Rolle. Am Abend wurde es nochmals ernst: Die Planung für den kommenden Tag stand an, denn allen war klar, dass uns am Samstag eine lange und anspruchsvolle Tour bevorstand. Umso wichtiger waren eine genaue Zeitplanung, mögliche Umkehrpunkte und eine realistische Einschätzung der Verhältnisse. Neben den alpinen Herausforderungen gab es dabei noch zwei kleine Baustellen: Bei einem Teilnehmer begann sich die Sohle eines Bergschuhs zu verabschieden, und auch die Höhenverträglichkeit war bei einem Teilnehmer noch nicht vollständig optimiert. Glücklicherweise gab es auf der Hütte sogar Ersatz-Bergschuhe zu kaufen. Damit konnte zumindest das Schuhproblem elegant gelöst werden. Die übrigen Fragen wurden in der gemeinsamen Tourenplanung geklärt, und so ging es früh ins Bett. Schließlich sollte der Wecker am nächsten Morgen ziemlich gnadenlos sein.

Samstag – Zufallspitze und Cevedale
Um 5:00 Uhr morgens starteten wir schließlich im Schein der Stirnlampen. Unser Weg führte von der Cevedale-Larcher-Hütte hinauf zur La Forcola auf etwa 3.035 m. Dort richteten wir zunächst ein Materialdepot ein. Für den weiteren Weg über den Fürkelgrat in Richtung Zufallspitze konnten wir dadurch mit deutlich leichterem Gepäck unterwegs sein. Allerdings erwartete uns dort eine Überraschung: Jüngst abgegangene Felsstürze hatten die Situation am Grat verändert. Die Steinschlaggefahr war damit ein ernst zu nehmendes Thema. Für den Abstieg war deshalb schnell klar, dass wir die betroffene Stelle nicht einfach auf dem gleichen Weg passieren würden. Stattdessen wollten wir den gefährdeten Bereich über den Fürkeleferner umgehen. Mit leichtem Gepäck ging es weiter bergauf. Das Wetter spielte mit, die Verhältnisse waren gut – und auch die kleinen Baustellen der vergangenen Tage schienen sich erledigt zu haben. Keine weiteren Probleme mit den Schuhen, keine nennenswerten Konditionsprobleme und auch die Höhenanpassung funktionierte inzwischen deutlich besser. Der Zeitplan passte ebenfalls hervorragend. Gegen 9:40 Uhr erreichten wir die Zufallspitze. Nach einer kurzen Gipfelpause und einigen obligatorischen Fotos stiegen wir lediglich etwa 50 Höhenmeter ab, um die Seilschaften für den weiteren Weg zu bilden. Anschließend ging es in zwei Seilschaften – einer Dreier- und einer Viererseilschaft – über den Gletscher weiter in Richtung Cevedale.

Der Übergang verlief problemlos. Und als wäre das noch nicht genug, erwartete uns am Gipfel eine besondere Belohnung: Wir hatten den Cevedale praktisch für uns allein. Gegen 11:00 Uhr standen wir schließlich gemeinsam auf dem Gipfel. Damit lagen wir rund zwei Stunden vor unserem geplanten Umkehrzeitpunkt. Also wurde erst einmal Brotzeit gemacht, der Gipfelerfolg genossen und die Aussicht gewürdigt. Anschließend machten wir uns auf den langen Rückweg. Wieder in Richtung Forcola umgingen wir die kritische Felssturzstelle über den Fürkeleferner und konnten damit den gefährdeten Abschnitt sicher hinter uns lassen. Der Abstieg hatte es dann allerdings noch einmal richtig in sich: Rund 2.000 Höhenmeter und etwa fünfeinhalb Stunden später erreichten wir gegen 17:00 Uhr schließlich über die Marteller Hütte wieder die Zufallhütte. Dort angekommen, war die Freude entsprechend groß. Eine ausgiebige und wohlverdiente Brotzeit sorgte dafür, dass die verbrauchten Energiereserven zumindest teilweise wieder aufgefüllt wurden. Kurz darauf ging es zurück zum Parkplatz, wo wir uns voneinander verabschiedeten.

Fazit – Eine Tour, die in Erinnerung bleibt
Vier Tage, mehrere Dreitausender, Gletscherquerungen, anspruchsvolle Übergänge, ein wetterbedingter Pausentag, intensive Ausbildungseinheiten und eine große Abschlusstour – abwechslungsreicher hätte unsere Tour kaum sein können. Was diese Tour aber letztlich besonders gemacht hat, war nicht nur die Route. Wir hatten als eine sehr homogene Gruppe zusammengefunden. Alle Teilnehmer verfügten über ausreichend Bergerfahrung, waren trittsicher und konnten sicher mit Seil und alpiner Ausrüstung umgehen. Dadurch entstand von Anfang an ein sehr gutes und unkompliziertes Miteinander. Auch bei anspruchsvolleren Situationen wurde gemeinsam nach Lösungen gesucht, diskutiert und letztlich immer eine gute Entscheidung getroffen.
Ein ganz besonderer Dank gilt unseren beiden Tourenleitern Viola und Manfred. Sie haben uns nicht nur sicher und souverän durch diese vier Tage geführt, sondern der gesamten Tour eine ganz besondere Note gegeben. Mit ihrer Erfahrung, ihrer ruhigen und kompetenten Art, ihrer Bereitschaft, Wissen weiterzugeben, und nicht zuletzt mit ihrer hervorragenden Tourenplanung haben sie wesentlich dazu beigetragen, dass aus vier Tagen im Hochgebirge ein ganz besonderes Erlebnis wurde. Und auch die persönliche Bilanz darf nicht fehlen: Was am ersten Tag bei manchem noch nach etwas mühsamer Höhenanpassung aussah, endete wenige Tage später mit einem entspannten Gipfelfoto auf dem Cevedale – und das Ganze sogar deutlich vor dem geplanten Umkehrzeitpunkt.
Ein rundum gelungenes Bergerlebnis mit einer tollen Gruppe, großartigen Tourenleitern und vielen Momenten, an die wir uns noch lange gerne erinnern werden.

Vielen Dank, Viola und Manfred – das war wirklich großartig!