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Eco-(Selbstversorger-)[Hoch]touren rund um die Klostertaler Umwelthütte

Silvretta | 11.–14. Juli 2026
Muss es auf einer Hochtour immer die bewirtschaftete Hütte mit Halbpension sein? Funktioniert eine mehrtägige Tour auch mit Bahn, Bus und Selbstversorgung? Und gewinnt eine Bergtour vielleicht sogar, wenn man sich auf das Wesentliche beschränkt?
Mit diesen Fragen begann die Planung unserer ersten Tour als DAV-Trainer. Nach einigen Ideen, einer Probetour und vielen Überlegungen fiel die Wahl schließlich auf die Klostertaler Umwelthütte – eine Selbstversorgerhütte mitten in der Silvretta.

Der erste Test: Passt das alles überhaupt in den Rucksack?
Die eigentliche Tour begann bereits am Bahnhof in Rosenheim.„Hat noch jemand Platz für die Paprika, ohne, dass sie zermatscht?“ – „Ich nehme sie, wenn du dafür die Haferflocken trägst.“ – „Unter meinem Helm wäre noch etwas Luft.“
Sieben Bergsteiger*innen versuchten, zusätzlich zur normalen Hochtourenausrüstung rund 2,5 Kilogramm Gemeinschaftsverpflegung pro Person möglichst platzsparend im Rucksack zu verstauen. Schon hier wurde klar: Selbstversorgung bedeutet ein paar Kilogramm mehr – aber auch, dass aus sieben Einzelpersonen schnell ein Team wird.
Mit der Bayerischen Regiobahn ging es zunächst nach Kufstein, anschließend mit der ÖBB nach Landeck-Zams und schließlich mit dem Bus weiter zur Bieler Höhe. Nach rund viereinhalb Stunden erreichten wir unseren Ausgangspunkt. Von dort führte der Zustieg in etwa anderthalb Stunden entlang des Silvrettastausees und durch das Klostertal zur Hütte.
Die Anreise verlief überraschend entspannt. Während man im Auto ständig auf Verkehr und Straße konzentriert ist, beginnt die Tour im Zug bereits mit Gesprächen und Vorfreude.

Eine Hütte, die zum Konzept passt
Die Klostertaler Umwelthütte ist anders als die meisten Alpenvereinshütten
Sie bietet Platz für lediglich 15 Personen, gekocht wird auf einem Holzofen, das Wasser kommt aus dem Brunnen vor der Tür und die sanitären Anlagen beschränken sich auf gepflegte Trockentrenntoiletten. Komfort steht hier nicht im Mittelpunkt – dafür Gemeinschaft.
Auch ihre Geschichte macht sie besonders. Ursprünglich sollte die Hütte in den 1970er Jahren als bewirtschaftete Alpenvereinshütte entstehen. Nach massiven Umweltprotesten wurde der Bau jedoch gestoppt. Erst viele Jahre später konnte ein Kompromiss gefunden werden. Unter der Schirmherrschaft der Bergrettung und des DAV-Bundesverbandes entstand schließlich eine Selbstversorgerhütte – eine der letzten neu errichteten DAV-Hütten nach dem Hüttenmoratorium von 1977.

Üben, solange noch Zeit ist

Da der Anreisetag noch genügend Zeit ließ, nutzten wir den Nachmittag sinnvoll. Rund um die Hütte hat die Bergrettung mehrere Ausbildungsstände eingerichtet – ideale Voraussetzungen, um die Spaltenbergung aufzufrischen.
Nach einem Materialcheck wiederholten wir zunächst den Mannschaftszug und bauten anschließend die Lose Rolle in der Dreierseilschaft auf. Solche Übungen kosten wenig Zeit, schaffen aber Sicherheit für die kommenden Tage.

Schneeglocke – entspannte Premiumhochtour zum Einstieg

Der Sonntag empfing uns mit stabilem Hochdruckwetter. Keine Gewitterneigung, gute Sicht und angenehme Temperaturen erlaubten einen für Hochtouren fast luxuriösen Start um sieben Uhr.
Über Moränen, Blockwerk und Bäche erreichten wir den Klostertaler Gletscher. Dort wurden Steigeisen angelegt und die Seilschaften gebildet. Der spaltenarme Gletscher eignete sich hervorragend zum Einlaufen. An der Rotfluh-Lücke konnten Steigeisen und Seil wieder verstaut werden, bevor der Schlussanstieg mit leichter Kraxelei auf die Schneeglocke folgte.
Der Gipfel selbst bietet neben einer wunderbaren Aussicht auch einen hervorragenden Überblick über das Tourengebiet. Der Abstieg erfolgte über das weniger begangene orographisch rechte Gletscherbecken und brachte uns bereits zur Mittagszeit zurück zur Hütte.
Den gewonnenen Nachmittag nutzten wir zum Entspannen und Kaffeetrinken. Bis die Motivation nochmal eine Übungssession begründete. Diesmal stand die Selbstrettung aus einer Gletscherspalte auf dem Programm.

Überschreitung des Silvrettahorns

Nachdem Wetter und Kondition bestens passten, entschieden wir uns am Montag für den Höhepunkt der Tour – die Überschreitung des Silvrettahorns.
Über die Rote Furka erreichten wir den Silvrettagletscher. Das apere Eis erlaubte ein zügiges Vorankommen mit Steigeisen in Richtung Egghornlücke. Beim Übergang vom Eis zum Fels wurde das Gelände anspruchsvoller. Auf wenigen Metern verlangt brüchige und steinschlaggefährdete Kletterei im II. bis III. Schwierigkeitsgrad volle Aufmerksamkeit.
Nach einem weiteren Abschnitt im brüchigen Gehgelände wechselt der Charakter der Tour. Über den zunehmend festen Grat führt leichte Kletterei bis zum Gipfel des Silvrettahorns. Der Abstieg über die Rotfluhlücke und den Klostertaler Gletscher verlief bei den herrschenden Bedingungen problemlos und brachte uns ein letztes Mal zurück zur Umwelthütte.

Gemeinsam kochen gehört zur Tour dazu

Für Frühstück und Abendessen wurde bereits vor der Tour für alle gemeinsam eingekauft, während jeder seine persönliche Tourenverpflegung selbst mitbrachte. Alle Mahlzeiten waren vegetarisch.
Auf dem Speiseplan standen Spaghetti mit Soja-Bolognese, Linsen-Dal mit Reis sowie Couscous mit Gemüse. Zum Frühstück gab es Müsli, Obst, Kaffee und Tee.
Kochen, Holz hacken, Feuer machen und Abwaschen erledigten sich wie von selbst, da alle mit anpackten. Vielleicht war gerade das einer der schönsten Aspekte der Tour: Es braucht keinen Plan, sondern alle denken von sich aus mit.

Fazit

Mit leichteren Rucksäcken, aber vielen neuen Eindrücken machten wir uns am Dienstag wieder auf den Heimweg. Auch die Rückfahrt mit Bahn und Bus verlief genauso reibungslos wie die Anreise.
Unser Fazit fällt eindeutig aus: Das war eine tolle Tour.
Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln war unkompliziert und entspannt. Die Hütte und eigene Verpflegung hat eine gewisse Ursprünglichkeit und führt zu einer deutlich ruhigeren Hüttenumgebung als üblich. Das Essen schmeckt selbstgekocht und nach einem ausgefüllten Bergtag nochmal besser als sonst. Sowohl auf Tour wie in der Hütte waren wir mit einer erstklassigen Gruppe unterwegs und haben die Gemeinschaft genossen.