© DAV Sektion Rosenheim

Mit dem Rennrad aus Rosenheim zum Gardasee

Samstag, 30.05.2026
Rosenheim – Innsbruck
113 km | 690 Hm | Ø 23,4 km/h

11 Uhr morgens im Hof der DAV-Geschäftsstelle in Rosenheim: schüchterne Händeschütteln, vorsichtiges Lächeln und eine kurze Vorstellungsrunde. Der gemeinsame Nenner ist schnell gefunden: Wir fahren alle gerne Fahrrad und freuen uns auf die kommenden drei Tage.

Unsere bunt gemischte Gruppe besteht aus Studierenden, Referendaren, jungen Erwachsenen und erfahrenen Radler*innen mitten im Leben. Nach dem Fahrradcheck, einer Erwärmungsrunde und einem letzten Blick auf die Packliste geht es los.

Die erste Pause legen wir noch vor den Alpen beim Bäcker ein. Frisch gestärkt meistern wir anschließend eine kleine Abenteuerpassage: Eine Baustelle versperrt offiziell den Weg für Autos, auf zwei Rädern kommen wir jedoch problemlos durch.

Die ersten Höhenmeter werden noch mit viel Gelächter bewältigt. Im Inntal vor Innsbruck ereilt uns dann die erste Panne der Tour. Das Fachwissen unserer Tourenleitung wird gleich am ersten Tag auf die Probe gestellt. In weniger als zehn Minuten sitzt ein neuer Reifen auf dem Rad und die Fahrt kann weitergehen.

Etwas müde, aber zufrieden erreichen wir am Abend die Jugendherberge direkt am Inn. Nach einer schnellen Dusche ziehen wir die Radschuhe aus, schlüpfen in Adiletten und machen uns auf den Weg ins altbewährte Treibhaus.

Ein Straßenfest zwingt uns zu kleinen Umwegen, die uns gleichzeitig die Gelegenheit geben, Innsbruck etwas näher kennenzulernen. Nebenbei wird das Champions-League-Finale auf dem Handy verfolgt, während wir uns beim Abendessen die Energiespeicher wieder auffüllen.

Auf der Suche nach einem möglichst italienischen Gelato bekommen wir bereits einen Vorgeschmack auf unser Ziel: Italien. Mit dieser Vorfreude fallen wir in der Jugendherberge schnell in einen tiefen Schlaf.

Sonntag, 31.05.2026

Innsbruck – Bozen
131 km | 1.480 Hm | Ø 21,8 km/h

Mit etwas schweren Beinen und großer Aufregung starten wir den zweiten Tag. Die Königsetappe liegt vor uns: der Brenner.

Schon kurz nach dem Verlassen Innsbrucks beginnt der Anstieg ab Kilometer 3. Nach einigen Kilometern auf der Landstraße wechseln wir auf die alte Brennerstraße. Seit die Autobahn den Großteil des Verkehrs aufnimmt, gehört die Strecke vor allem den Anwohner*innen, Motorrad- und Radfahrenden – ein echter Genuss im Vergleich zu vielen anderen Alpenpässen.

Meter für Meter arbeiten wir uns nach oben. Kurz vor dem höchsten Punkt fordert uns die Straße mit einigen besonders steilen Kilometern noch einmal heraus. Dank der Unterstützung und Motivation der erfahrenen Fahrer*innen schaffen es schließlich alle bis zum Pass.

Die Freude am Brenner ist groß. Für ein Erinnerungsfoto und ein paar High-Fives wird selbstverständlich angehalten. Für einige von uns ist dies ein historischer Moment im bisherigen Radlerleben.

Doch die Etappe ist noch lange nicht vorbei. Die folgenden 80 Kilometer verlangen uns einiges ab. Das Tal zieht sich mit ständigem Auf und Ab durch Nadelwälder, während man die Autobahn nur noch als Hintergrundrauschen wahrnimmt.

Die letzten 30 Kilometer rollen wir entspannt leicht bergab entlang des Eisacks nach Bozen. Pünktlich zum Abendessen tragen wir unsere Räder über einige Treppenstufen zu einer familiengeführten Pizzeria.

Kaum stehen die dampfenden Pizzen auf dem Tisch, ziehen dunkle Wolken auf und ein kräftiger Regenschauer geht nieder. Der Wirt spendiert uns zum Abschluss noch ein Limoncello, bevor wir uns wieder auf den Weg machen. Der flüssige Proviant reicht gerade aus, um die zehn Minuten bis zum Hotel in Adiletten warm genug und vor allem unfallfrei zu überstehen.

Stolz auf die geschaffte Königsetappe fallen wir ins Bett.

Montag, 01.06.2026

Bozen – Torbole am Gardasee
102 km  | 360 Hm | Ø 29,6 km/h

Am dritten Tag ist die Vorfreude besonders groß. Wir wollen ankommen, in den Gardasee springen und eine echte italienische Pizza mit Seeblick genießen. Gleichzeitig mischt sich ein wenig Melancholie dazu – denn das bedeutet auch, dass unsere gemeinsame Tour bald zu Ende geht.

Der Radweg von Bozen Richtung Rovereto führt uns durch eine malerische Landschaft. Links und rechts ragen die Berghänge empor, Apfelplantagen begleiten den Weg, und die Weinberge leuchten in verschiedenen Grüntönen.

Dazu kommen bestes Wetter, kaum Gegenwind und ideale Bedingungen zum Radfahren. Kilometer um Kilometer rollen wir entspannt Richtung Süden.

Ganz ohne Anstrengung geht es aber auch am letzten Tag nicht. Die letzten zehn Kilometer verlangen uns noch einmal einen ordentlichen Anstieg ab. Oben angekommen werden wir jedoch belohnt: Zwischen den Bergen öffnet sich plötzlich der Blick auf den Gardasee.

Wenig später stehen wir am Ufer in Torbole. Trotz des kräftigen Windes und des kalten Wassers zögern wir nicht lange und springen hinein.

Drei Tage später, über 340 Kilometer, viele Höhenmeter, zwei Platten, unzählige Gespräche und jede Menge gemeinsamer Erinnerungen haben wir unser Ziel erreicht. Der Gardasee fühlt sich an diesem Nachmittag ein kleines bisschen verdienter an als sonst!